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Adipositas

TVon 220 Kilo zu neuem Lebensmut – Tina Kuschel plant neue OP

Nach mehreren Fettabsaugungen und einer Bein-OP ist als Nächstes für Tina Mareike Kuschel der Po dran, denn auch dort hat sich das kranke Fett festgesetzt.

Nach mehreren Fettabsaugungen und einer Bein-OP ist als Nächstes für Tina Mareike Kuschel der Po dran, denn auch dort hat sich das kranke Fett festgesetzt. Foto: Borner/Kreiszeitung

Adipositas und Fettverteilungsstörung: Tina Mareike Kuschel hat einen langen Leidensweg hinter sich. Jetzt bereitet sie sich auf die nächste Operation vor.

Von Lea Borner Samstag, 17.01.2026, 15:50 Uhr

Vierden. „Nach der Bein-OP ist es, als wäre ein Knoten geplatzt. Als ich das erste Mal in der neuen Kompressionshose steckte, habe ich erst gesehen, wie anders meine Beine jetzt sind“, freut sich Tina Mareike Kuschel aus Vierden auch noch Wochen nach der Beinstraffung.

Alles habe wehgetan, und trotzdem sei ihr erster Gang in das Café im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, in dem sie behandelt wird, eine wahre Wohltat gewesen.

„Meine Beine sind jetzt so wunderbar leicht! Es ging richtig gut, wirklich, wochenlang hat sich diese positive Energie bei mir gehalten“, sagt die 46-Jährige. Plötzlich nehme sie wieder ganz von allein mit gesunder Ernährung ab. Ihr gehe es gut, betont sie und grinst dabei breit.

„Ich bewege mich jetzt ganz anders.“ Insgesamt hat sie so neben den operativ entfernten elf Kilo zusätzlich circa vier Kilo verloren. Das komme einem Wunder nahe, denn Kuschel hatte davor jahrelang trotz Diäten nicht abnehmen können.

Kampf um natürliche Bewegungsfreiheit

Kuschel leidet an Adipositas und einer Fettverteilungsstörung, bei der Körperfett nicht durch gesunde Ernährung oder Sport abgebaut werden kann. Von ursprünglich 220 Kilo Körpergewicht hat sie es dank einer Magenverkleinerung und mehrerer Operationen geschafft, auf ein deutlich gesünderes Gewicht zu kommen.

Die übrige Haut sowie Fett an weiteren Stellen ihres Körpers müssen noch weg. Einige Eingriffe stehen 2026 auf ihrem Plan: Gesäß, Brüste und weitere Beinstraffungen.

Tina Mareike Kuschel ist aktuell entspannt, sie hat die dritte Fettabsaugung hinter sich und kann in der Erholungszeit wieder in ihrem Atelier malen.

Tina Mareike Kuschel ist aktuell entspannt, sie hat die dritte Fettabsaugung hinter sich und kann in der Erholungszeit wieder in ihrem Atelier malen. Foto: Borner

Ihre Euphorie nach ihrer ersten Beinstraffung ist so groß, dass sie eine aktuelle Wundheilungsstörung mit einem Schulterzucken hinnimmt. Mehrmals musste sie deswegen seit Weihnachten in die Ambulanz, weil die Wunden versorgt werden mussten.

Die 46-Jährige fühlt sich nun bereit für die nächste Operation, und die steht bereits am 21. Januar an. Ihr behandelnder Chirurg und Chefarzt der Plastischen Chirurgie des Diakonieklinikums, Dr. Nils-Kristian Dohse, plant die Gesäßstraffung.

Kuschel macht sich Sorgen, dass sie danach während der Wundheilung nicht mehr auf dem Rücken liegen kann. Ihr Arzt habe sie jedoch beruhigt, dass dies nach der OP sehr wohl möglich sei.

Dr. Nils-Kristian Dohse ist Chirurg am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, behandelt Tina Kuschel und plant derzeit die Gesäßstraffung.

Dr. Nils-Kristian Dohse ist Chirurg am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, behandelt Tina Kuschel und plant derzeit die Gesäßstraffung. Foto: Borner/Kreiszeitung

„Nach dem Eingriff weiß ich dann ja vielleicht endlich wieder, wie ich gerade stehe“, sagt Kuschel und lacht. Aber sie meint es ernst, denn durch das Fett hat ihr Körper seine eigentliche natürliche Form verloren. Sie kann sich zum Beispiel durch das Fett, das an ihrem Gesäß sitzt, nicht vernünftig beim Sitzen anlehnen, geschweige denn tatsächlich gerade stehen.

Wieder sei sie letztens von einer Bekannten getriezt worden: „Du machst die Po-OP doch jetzt wirklich, um schöner zu werden, oder?“ Kuschel verneint solche Aussagen vehement: „Ich will einen gesunden Körper und mich wieder richtig bewegen können. Das funktioniert mit der ganzen Masse so nicht. Mir ging es nie um Schönheit.“

Prägende Erlebnisse im Buch festgehalten

Ein anstehendes Ereignis, auf das Kuschel sich nach ihrer Gesäß-Operation freut, ist ihre Lesung am Diakonieklinikum. Sie hat über ihren Weg zum gesunden Körper ein humorvolles und emotionales Buch namens „Happy Hippotrophie“ geschrieben und selbst illustriert. Über die Adipositas-Selbsthilfegruppe am Klinikum sei die Idee entstanden, und als Kuschel angefragt wurde, sagte sie direkt zu.

„Das ist der perfekte Ort, da passen meine Themen genau hin“, betont sie. Kuschel ist selbst Mitglied der Gruppe und freut sich, dass der Gruppenleiter Sascha Pies sie gefragt hat. Gleichzeitig ist sie aufgeregt, denn sie kennt ihre Zuhörerinnen und Zuhörer.

„Ich hoffe, dass ich die Leute mit meiner Geschichte berühren kann und sich die Mitglieder der Selbsthilfegruppe vielleicht auch wiederfinden.“ Ihre Lebensgeschichte sei eine Mischung aus Kitsch, Frustration und Witz.

Zwischen Rehabilitation und Aufklärung

Kuschel trägt gerne öffentlich aus ihrem Buch vor. „Das entspricht ja meinem Ziel: der Aufklärung“, erläutert sie. Doch das ist nicht immer so einfach, ständig steht der nächste Eingriff an, und danach benötigt Kuschel immer wieder etwas Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen.

„Das muss ich bei der Planung und Zusage von Lesungen schon beachten“, betont sie. Gerade hätten die Operationen natürlich Vorrang. Die Einladung zum Norddeutschen Gastroenterologentag hat sie trotzdem angenommen, um dort über ihre Erfahrung mit dem Schlauchmagen, einer Magenverkleinerung, die bei starkem Übergewicht angewandt wird, aus Patientinnensicht zu berichten.

Sie blickt positiv ins neue Jahr. Nun habe ihre Rentenversicherung auch ihren Umschulungsantrag genehmigt. Weshalb sich Kuschel nicht nur auf ihren körperlichen Wandel freut, sondern auch auf einen beruflichen Umstieg in Richtung Social Media und Marketing.

Lesung am 17. Februar

Tina Kuschel liest aus ihrem selbst geschriebenen und illustrierten Buch „Happy Hippotrophie“: Die Veranstaltung findet am Dienstag, 17. Februar, ab 19 Uhr im Aira, neben dem Cafelino am Agaplesion Diakonieklinikum in Rotenburg, statt.

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