TVon den Nazis verfolgt und ermordet: Das Schicksal der Familie Bachenheimer
Eine seltene Aufnahme von Fanny Bachenheimer (*28. November 1868, Darmstadt † 23. November 1941, Lódz/Litzmannstadt). Foto: Nordsee-Zeitung
Sie wurden Opfer der Nazi-Herrschaft: Während Otto Bachenheimer die Flucht in die USA gelang, wurden seine Mutter und Schwester umgebracht. Das ist ihre Geschichte.
Bremerhaven. 1942 – Während eine junge Frau ein Zimmer in einem jüdischen Altersheim bewohnt und die Formulare ausfüllt, die der nationalsozialistische Staat von ihr verlangt, liegt zwischen ihr und ihrem einzigen Bruder ein Ozean. Ruth Bachenheimer lebt zu diesem Zeitpunkt in Bad Nauheim, in der Hermann-Göring-Straße 65, ihr Bruder Otto lebt in New York – außer Reichweite der nationalsozialistischen Verfolgung. Ihm ist die Flucht gelungen. Seiner kleinen Schwester nicht.
Geburtsorte der Familie Bachenheimer
Ruth und Otto sind die Kinder von Fanny Bachenheimer, geborene Oppenheimer, und Salomon Bachenheimer, der von Beruf Lehrer ist. Beide Kinder kamen in Wesermünde zur Welt. Otto wurde am 20. September 1898 geboren, Ruth am 1. März 1905.
Die Wurzeln der Familie liegen in Hessen. Fanny Bachenheimer wurde am 28. November 1868 in Darmstadt geboren, Salomon am 7. September 1863 in Kirchhain. Wann und aus welchen Gründen die Familie nach Wesermünde zog, ist nicht überliefert. Später lebte sie in Berlin, in der Hektorstraße.
Einblick in Lebensverhältnisse
Ein Einblick in die Lebensverhältnisse der Familie ergibt sich aus der von den Nationalsozialisten geforderten Vermögenserklärung. Sie zeigt ein gutbürgerliches Leben. In der Wohnung befanden sich Gemälde, während die übrige Einrichtung als eher schlicht beschrieben wird.
Bemerkenswert ist, was nach der Deportation festgehalten wurde. Üblicherweise wurden die Wohnungen der Deportierten von der Gestapo versiegelt und ihr Inventar verwertet. Im Fall der Bachenheimers jedoch vermerkte die zuständige Pfandleihanstalt, es seien „keine Möbel oder sonstiger Hausrat“ mehr vorhanden gewesen.
Deportation von Fanny Bachenheimer
Am 1. November 1941 wurde Fanny Bachenheimer aus der Synagoge in der Levetzowstraße über den Güterbahnhof Moabit in das Ghetto Łódź/Litzmannstadt deportiert. Drei Wochen später, am 23. November 1941, wurde sie dort ermordet.
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Noch im April 1943, eineinhalb Jahre nach der Deportation, forderte das Finanzamt Wilmersdorf-Nord Einkommensteuer für das Jahr 1941 ein. Laut Vermögenserklärung bezog Fanny Bachenheimer 51,10 Reichsmark (RM) aus der Reichsversicherung für Angestellte und 84,80 RM von der Jüdischen Gemeinde Wesermünde. Das entspricht einer Kaufkraft von 680 Euro.
Ruth Bachenheimer: Arbeit und Deportation
Über Ruth ist bekannt, dass sie 1937 im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg ein Praktikum absolvierte, mit dem Ziel, Kindergärtnerin zu werden. Später arbeitete sie in einem jüdischen Altersheim in Bad Nauheim.
Ihr Bruder Otto versuchte, Mutter und Schwester zu retten, indem er sich um deren Ausreise bemühte. Doch alle Bemühungen scheiterten. Ruth wurde am 30. September 1942 aus Darmstadt deportiert – gemeinsam mit 924 weiteren Menschen, darunter 17 Personen aus dem jüdischen Altersheim.
Erinnerung an die Familie Bachenheimer
In den Akten, die die Deportation festhalten, ist Ruth mit der Nummer 221 vermerkt. Ihr weiterer Weg führte vermutlich nach Treblinka, wo sie ermordet wurde. Das genaue Schicksal des Vaters Salomon Bachenheimer ist ungeklärt.

In der Friedrich-Ebert-Straße erinnern Stolpersteine an Salomon, Fanny und Ruth Bachenheimer. Foto: Sielaff
Otto Bachenheimer heiratete in den USA. Seine Frau Eva Johanna Bachenheimer, geborene Hepner, war es, die Jahrzehnte später in den Gedenkblättern von Yad Vashem, der israelischen Holocaust-Gedenkstätte, Informationen über Ruth und Fanny Bachenheimer festhielt.
Am 21. September 2021 wurden in der Friedrich-Ebert-Straße Stolpersteine zum Gedenken an Fanny, Salomon und Ruth Bachenheimer verlegt.
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