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T„Von der Bank im Stich gelassen“: Paar verliert Tausende Euro an Hacker

Bank, Versicherung, Anwalt – Christian Petermanns Dokumentensammlung rund um den Betrugsfall ist groß.

Bank, Versicherung, Anwalt – Christian Petermanns Dokumentensammlung rund um den Betrugsfall ist groß. Foto: Blumenthal

Die Konten von Christian Petermann und seiner Frau wurden gehackt, sie verloren mehrere Tausend Euro. Seit Monaten läuft ein Kampf um Schadensersatz mit der Bank.

Von Mareike Blumenthal Samstag, 07.03.2026, 08:00 Uhr

Landkreis Cuxhaven. Christian Petermann und seine Frau Martina Schürmann aus Beverstedt haben das erlebt, wovor jeder Bankkunde Angst hat: Ihre Konten wurden gehackt und leergeräumt. Seit November 2025 läuft ein Kampf um Schadensersatz. Sie sagen: „Wir fühlen uns von der Volksbank im Stich gelassen.“ Die Bank weigere sich, den entstandenen Schaden zu ersetzen, und gebe ihnen die Schuld, so das Paar.

Online-Banking-Betrug: Das ist den Beverstedtern passiert

In der Nacht auf den 13. November 2025 versucht Christian Petermann, sich übers Smartphone bei seinem Geschäftskonto einzuloggen. Erfolglos. Am Mittag meldet sich ein angeblicher Mitarbeiter der Bank auf dem Festnetztelefon. Dieser erklärt ihm, es habe technische Probleme beim Log-in aufgrund neuer Server gegeben. Zeitgleich leuchtet Petermanns Smartphone zweimal auf. Was dort passiert ist, kann er im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen, schildert er.

„Ich glaube, der Anruf war eine Hinhaltetaktik. Der angebliche Mitarbeiter hat mir gesagt, ich könne ihm vertrauen. Das hat mich erst recht stutzig gemacht. Ich vermute, dass in der Zeit, in der ich mit ihm telefoniert habe, meine Daten vom Smartphone abgegriffen wurden“, so Petermann. Der 63-Jährige ist technischer Redakteur, kennt sich laut eigenen Angaben gut mit dem Thema Internet und Online-Sicherheit aus.

Falscher Mitarbeiter, Tageslimit erhöht, Konten leergeräumt

Nach dem Telefonat erkundigt er sich bei seiner Bank. Es habe ihn niemand von dort angerufen, und der genannte Mitarbeiter existiere nicht. Der 63-Jährige geht persönlich zur Volksbank, um sein Geschäftskonto, das private Konto seiner Frau und das Visa-Konto sperren zu lassen. Wie er dort erfährt, wurde das Tageslimit für seine Konten erhöht. Zeitgleich wurden unter Nutzung virtueller EC-/Debitkarten innerhalb kürzester Zeit in Hamburger Lebensmittelmärkten und Drogerien zahlreiche Beträge abgebucht – Bargeldabhebungen und Kartenzahlungen zwischen 100 und 200 Euro. Der Gesamtverlust: rund 6000 Euro.

Innerhalb kürzester Zeit wurden unautorisierte Zahlungen vorgenommen, die Christian Petermann und seine Frau von der Volksbank zurückfordern.

Innerhalb kürzester Zeit wurden unautorisierte Zahlungen vorgenommen, die Christian Petermann und seine Frau von der Volksbank zurückfordern. Foto: Blumenthal

Die Volksbank in Beverstedt nimmt eine Schadensmeldung auf – und sieht den Fehler beim Kunden. Das Ehepaar fühlt sich von der Bank nicht ausreichend vor Online-Banking-Betrug geschützt und vermisst vernünftige Beratung im Schadensfall.

„Es gibt immer Möglichkeiten, Sicherheitssysteme auszuhebeln“

Malte Hövel ist Pressesprecher und Beschwerdemanager der Volksbank im Elbe-Weser-Dreieck eG mit Sitz in Beverstedt. Er äußert sich wie folgt zu dem Fall: „Wir vertrauen dem Online-Banking hier zu 100 Prozent. Es gibt aber immer Möglichkeiten, Sicherheitssysteme auszuhebeln. Es gibt auch immer neue Maschen. Das ist immer ein Wettkampf mit den Betrügern, denen einen Schritt voraus zu sein“, so Hövel.

„In diesem Fall war es so, dass der Kunde eine Autorisierungsnachricht bekommt und sie aktiv freigeben muss. Hätte er nichts freigegeben, wäre auch nichts passiert. Aber der Kunde hat hier leider Systeme freigegeben, die er nicht hätte freigeben dürfen. Das können wir nachvollziehen und wir können es auch belegen“, sagt Hövel.

Ehepaar pocht darauf, keinen Fehler gemacht zu haben

Seit November läuft ein schriftlicher Kampf zwischen Bank und Ehepaar. Dieses beteuert, keinen Fehler gemacht zu haben. „In den Schreiben der Volksbank wird der Eindruck erweckt, die Nutzung von Sicherheitsmerkmalen genüge, um von einer Autorisierung durch den Kunden auszugehen – obwohl genau diese ‚Autorisierung‘ im Kern des Streits steht. Wir haben den Eindruck, dass hier nicht ernsthaft geprüft wird, sondern von Anfang an versucht wird, jeden Anschein einer Verantwortung von der Bank fernzuhalten“, erklären Petermann und seine Frau. „Es wird mit technischen Begriffen und Standardfloskeln argumentiert, während unser konkreter Fall – inklusive Strafanzeige und detaillierter Darstellung – faktisch ignoriert wird.“

Schlichtungsverfahren läuft - Klage möglich

Die Bank habe Petermann und seiner Frau in diesem Fall zu einem Schlichtungsverfahren geraten – dieses ist im Januar eingeleitet worden. Bei diesem wird von einer neutralen, dritten Stelle geprüft, welche Seite im Recht ist. Sollte sich herausstellen, dass der Kunde Recht behält, ist eine Entschädigung durch die Volksbank – zumindest in Teilen – möglich.

„Der sogenannte Ombudsmann hat 90 Tage Zeit, also bis Mitte Mai, einen Schiedsspruch zu sprechen, der von beiden Seiten akzeptiert werden kann – aber nicht muss“, erklärt Hövel. Sollte eine der beiden Stellen diesen nicht akzeptieren, könnte der Fall sogar vor Gericht gehen.

„Wenn der Schiedsspruch kommt: Hälfte/Hälfte, dann werden wir nicht sagen, da gehen wir jetzt einen Rechtsstreit ein, auf keinen Fall“, sagt Malte Hövel. Für Petermann und seine Frau besteht also noch die Chance, einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen.

Auch Petermann strebt eine außergerichtliche Einigung an. Die Kosten für ein Gerichtsverfahren könnten deutlich höher ausfallen als die Summe, die er bereits verloren hat. „Das ist mir bewusst und das würde ich auch gerne vermeiden. Aber ich möchte Gerechtigkeit und dafür ziehe ich, wenn es sein muss, auch vor Gericht. Ich habe auch schon mal das Finanzamt verklagt und Recht bekommen“, sagt der 63-Jährige.

Private Haftpflichtversicherung ersetzt den Schaden nicht

Auch der Versuch, den Verlust durch die private Haftpflichtversicherung zu ersetzen, scheiterte. Zwar hat Petermann sich darin gegen Cyber-Betrug abgesichert, dies greife allerdings nur bei Betrug und Identitätsdiebstahl durch E-Mails oder SMS – nicht beim Online-Banking, wie ihm von seiner Versicherung erklärt wurde.

Zwar läuft der Fall noch, Petermann und seine Frau haben jedoch schon Ende vergangenen Jahres das Kreditinstitut gewechselt. Sie sprechen von falschen Versprechungen und Hinhaltetaktik seitens der Bank.

Christian Petermann fühlt sich von der Volksbank im Stich gelassen. Deswegen hat er auch die Bank gewechselt.

Christian Petermann fühlt sich von der Volksbank im Stich gelassen. Deswegen hat er auch die Bank gewechselt. Foto: Blumenthal

„Wir sind seit über 40 Jahren Kunden der Volksbank und haben den Versprechungen des sicheren Online-Bankings vertraut“, sagt Martina Schürmann. „In der Werbung wird Sicherheit großgeschrieben. Wenn dann im Ernstfall alles getan wird, um die Verantwortung auf den Kunden abzuwälzen, ist das nicht nur enttäuschend – das ist ein fundamentaler Vertrauensbruch“, beschweren sie sich.

Volksbank weist Schuld von sich – Petermann nutzt kein Online-Banking mehr

Die Volksbank betont, sie habe keine Verzögerungstaktik verfolgt und sich an alle Fristen gehalten. Eine Erstattung wäre laut Bank nur wahrscheinlich, wenn der Fehler direkt bei ihnen läge – etwa, wenn eine Überweisung ohne Autorisierung des Kunden ausgeführt würde. „Ich habe jedoch auch vollstes Verständnis für die Aufregung von Herrn Petermann, der sagt, dass ihm 6000 Euro gestohlen wurden. Wir wohnen alle hier in der Region, kennen unsere Kunden persönlich und wären die Letzten, die für den Kunden keine Lösung finden möchten. Aber wir müssen uns eben auch an Recht und Regeln halten“, sagt Hövel abschließend.

Petermann sei bei seiner neuen Bank sehr zufrieden, Online-Banking nutze er jedoch auch dort nicht mehr. „Mit dem Thema bin ich durch“, sagt der 63-Jährige.

Tipps von der Volksbank im Elbe-Weser-Dreieck: So schützen Sie sich vor Betrug

  • Geben Sie Ihre Daten nur auf Ihnen bekannten Seiten ein und nutzen Sie ausschließlich die Ihnen bekannte Online-Banking-Seite zum Log-in.
  • Öffnen Sie keine verdächtigen Links oder Dateianhänge, sondern geben Sie die Ihnen bekannte URL selbst in die Adresszeile Ihres Browsers ein.
  • Nutzen Sie für Ihren Online-Banking-Zugang keine öffentlichen WLAN-Netze, sondern bevorzugt Ihre mobilen Daten oder Ihr sicheres Heimnetz.
  • Kontrollieren Sie Ihre Kontobewegungen regelmäßig und wenden Sie sich bei verdächtigen Aktivitäten sofort an die Volksbank im Elbe-Weser-Dreieck eG.
  • Ihre Bank wird Sie niemals bitten, Authentifikationsdaten oder Zugangsdaten preiszugeben, weder per E-Mail, SMS noch am Telefon.
  • Installieren Sie nur Apps aus bekannten App-Stores.
  • Bei Unsicherheiten kontaktieren Sie die Volksbank direkt unter 04747/94980.
  • Sollten Sie einen Betrugsverdacht haben, melden Sie diesen umgehend bei Ihrer Volksbank und sperren Sie gegebenenfalls Ihre Karte und den Online-Banking-Zugang direkt.

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