TVon kleiner Wohnung ins Doppelzimmer: Sie zog freiwillig ins Pflegeheim
Ursula Seuthe-Wundram hat ihren Einzug in das Pflegeheim von langer Hand geplant und nicht bereut. Foto: Hennings
In den Ohren vieler Menschen klingt das Pflegeheim nach einem Ende des selbstbestimmten Lebens. Ursula Seuthe-Wundram zeigt, dass es anders ist.
Sittensen. Ursula Seuthe-Wundram wohnt seit fast vier Jahren in dem Wohn- und Pflegezentrum Up‘n Kamp in Sittensen. Und der Entschluss, in ein Pflegeheim zu ziehen, war lange vorher überlegt und gut geplant.
Eigentlich hat sich die 77-Jährige schon vor bald 40 Jahren mit dem Gedanken auseinandergesetzt, erzählt sie im Gespräch in dem gemütlichen kleinen Aufenthaltsraum der Einrichtung. „Ich hatte 1988 einen schweren Verkehrsunfall und man sagte mir schon in der Klinik, dass ich damit rechnen muss, dass ich irgendwann nicht mehr laufen kann“, erinnert sie sich. Heute sitzt Ursula Seuthe-Wundram schon seit einigen Jahren im Rollstuhl.
Nach dem Unfall kam sie wieder auf die Beine, ist gewandert und häufig unterwegs gewesen, aber der Gedanke, im Alter in ein Pflegeheim zu ziehen, blieb. Und ein wenig war auch ihre Mutter ein Vorbild. „Sie sagte, dass sie im Alter von keinem ihrer Kinder gepflegt werden wolle, sondern ins Heim gehe. Und wenn ich bei ihr in Westfalen im Urlaub war, haben wir uns welche angesehen.“ Auch mit ihrer Tochter und ihrem Sohn und deren Familien wurde immer offen über das Thema geredet, berichtet sie.
Erfahrungen mit Pflegebedürftigkeit in der eigenen Familie gemacht
Welch eine Belastung es sein kann, sich um ein pflegebedürftiges Familienmitglied zu kümmern, hat sie bei ihrem Großvater erfahren. „Sieben Jahre lang hat meine Mutter ihn gepflegt und das war für sie eine große Belastung“, erinnert sich Ursula Seuthe-Wundram. „Ich war 14 Jahre alt damals und habe meine Mutter unterstützt, was mich oft einfach überfordert hat.“ Damals entschied ihre Mutter, zu gegebener Zeit in ein Pflegeheim zu gehen, und auch in der Tochter kam zum ersten Mal der Gedanke auf.
Ein weiteres Argument für ein Pflegeheim waren für Ursula Seuthe-Wundram ihre Depressionen. „Ich wollte nicht mehr alleine wohnen.“ Denn auch wenn Kinder und Enkelkinder sie besuchen kamen, war sie doch oft alleine in ihrer kleinen Wohnung.
Zuerst versuchte sie es mit einer Kurzzeitpflege, aber das Pflegeheim gefiel ihr nicht. „Wie soll ich das sagen, es war dort irgendwie kalt. Es wurde wenig gelacht, und es gab kaum persönliche Worte. Und das Menschliche ist mir sehr wichtig. Es fehlte mir dort“, erinnert sie sich.
Die Suche nach einem Pflegeheim, das passt, war dann aber doch relativ kurz. „Die Oma meiner Schwiegertochter war hier in Sittensen und der gefiel es gut. Also bin ich mit meinem Sohn und seiner Frau hierhergefahren und habe es mir angesehen. Ich habe vor der Tür gestanden und da stand für mich fest: Das ist es.“
Von der kleinen Wohnung in ein Doppelzimmer umgezogen
Die vielen Möglichkeiten im Haus gefallen Ursula Seuthe-Wundram, denn sie ist nach eigenem Bekunden kreativ und gerne mit anderen Menschen zusammen. „Wir singen und machen gemeinsam Übungen für den Kopf und den Körper, es gibt Spielenachmittage und ich male und bastle.“
Wie unterschiedlich Pflegeheime sein können, hat Ursula Seuthe-Wundram schon festgestellt, als sie vor Jahren durch ihr Ehrenamt im Deutschen Roten Kreuz mit Senioren Pflegeheime besuchte. „Man spürt es, wenn es dort menschliche Wärme gibt.“
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Anstatt einer eigenen Wohnung bewohnt die 77-Jährige jetzt ein Doppelzimmer. Kein Problem für sie, versichert sie. Am Anfang hatte sie eine Mitbewohnerin, die etwas schwierig war, aber mit ihrer jetzigen Zimmergenossin lebt sie nun schon seit drei Jahren in einem Zimmer und das klappt richtig gut, erzählt sie.
Wie schnell es klappt mit einem Platz im Pflegeheim der Wahl, ist unterschiedlich, weiß Ursula Seuthe-Wundram. „Ich hatte das Glück, dass ein Zimmer frei war.“ Den Entschluss, selbstbestimmt in die Einrichtung zu ziehen, hat sie nie bereut. Sie ärgert sich über die falschen Vorstellungen, die Menschen von Pflegeheimen haben. „Es wird der Eindruck erweckt, dass man dort abgestellt wird. Das stimmt nicht.“
Selbstständig bleiben, solange es möglich ist, ist das Ziel
Übrigens ist es nicht notwendig, eine Pflegestufe zu haben, um den Lebensabend in einer Senioren-Wohnanlage zu verbringen, erklärt Nicole Brechlin. Sie leitet die Sozialbetreuung in Sittensen. Durch die Einstufung wird ein Teil der Kosten durch die Pflegekasse übernommen. Ursula Seuthe-Wundram hat Pflegestufe 3.
Das bedeutet, dass sie schwere motorische Einschränkungen hat und ihr umfangreiche Hilfe bei alltäglichen Aktivitäten wie Körperpflege, Ernährung oder Mobilität zusteht. Die 77-Jährige möchte aber das, was möglich ist, auch selbst machen. „Wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich die auch. Es ist mir wichtig, dass ich nicht entmündigt oder klein gehalten werde.“
Dabei war der Umzug in das Pflegeheim auch für sie am Anfang eine große Umstellung. „Die ersten zwei, drei Wochen waren schlimm. Da habe ich auch viel geweint. Aber ich habe mich vorangetastet und heute fühle ich mich hier sehr wohl.“
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