TVon null auf WM: Ein Anfänger zeigt, wie man Zweifel überwindet
Am Freitag war die Eröffnungszeremonie. Ab Samstag geht es für Carsten Roosen und Björn Hagemeister (rechts) aktiv an die Platte. Trainer Malte Lau (Mitte) begleitet die beiden. Foto: Wertgen
Ohne ein einziges Turnierspiel zur Weltmeisterschaft: Björn Hagemeister aus Drochtersen wagt im Ping Pong Parkinson den großen Schritt. Gegen die Aufregung helfen Tricks und der Spielpartner.
Drochtersen. In der kleinen Sporthalle in Drochtersen übt auf der rechten Seite ein Mädchen mit präzisen Schlägen, Becher von der Tischtennisplatte zu schlagen. Links spielt die U19 in der Bezirksklasse. Zwischen Nachwuchstraining und Ligaspiel liefern sich in der Mitte Carsten Roosen (67) und Björn Hagemeister (58) ein Rückhandduell. Beide bereiten sich auf die Weltmeisterschaft im Ping Pong Parkinson vor.
Rund 800 Menschen aus 30 Nationen gehen bei der siebten Ping Pong Parkinson Weltmeisterschaft in Hannover an den Start. So viele wie noch nie. Der bisherige Rekord lag im Vorjahr in Italien bei 324 Startern. Gespielt wird in drei Hallen an 90 Tischen. Rund 4000 Spiele sind geplant. An allen Turniertagen laufen drei Livestreams auf YouTube.
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Es handelt sich um eine offene Weltmeisterschaft: Jeder mit nachgewiesener Parkinson-Diagnose kann sich anmelden. Damit Einsteiger und erfahrene Spieler faire Duelle bekommen, sind alle Starter nach Spielstärke in drei Klassen eingeteilt. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Gespielt wird in Einzel, Doppel und Mixed.

Carsten Roosen hat früher schon in Harsefeld Tischtennis gespielt. Bei der WM tritt er gegen die Weltspitze an. Foto: Wertgen
WM als spannende Alternative
Carsten Roosen wollte eigentlich wieder an den German Open teilnehmen. Dort wurde er zuletzt Dritter in der Trostrunde. In diesem Jahr gibt es keine German Open, nur die WM. „Gut, dann nehme ich halt das Turnier“, sagte Carsten Roosen trocken.
Zur WM tritt er in der stärksten Spielklasse an. Dort sind laut Trainer Malte Lau „die Spieler auf einem wirklich guten Niveau“. Über seine Chancen sagt Roosen: „Ich habe da nichts zu bestellen.“ Roosen ist aber immerhin Nummer 26 der Welt. Favorit ist erneut der elffache Weltmeister Thorsten Flues.
Wie Hagemeister seine Zweifel austrickst
Für mehr als die Hälfte der Teilnehmenden ist es die erste Weltmeisterschaft überhaupt. Viele der Spielerinnen und Spieler sind noch Anfänger, so die Organisatoren. Dazu zählt auch Björn Hagemeister. Er hat noch kein einziges Turnierspiel absolviert.

Vor rund zwei Jahren bekam Björn Hagemeister die Parkinson-Diagnose. Seit einem Jahr spielt er Tischtennis. Foto: Wertgen
Vor gut einem Jahr hat er mit dem Tischtennisspielen angefangen. Roosen und Lau haben ihn etwas überreden müssen. „Ich habe schon ordentlich Respekt“, sagt Hagemeister. Gegen die Aufregung nutzt er einen Trick: „Ich habe es allen Leuten erzählt, sodass ich bei einem Rückzieher blöd dastehen würde.“
Zwei Mal die Woche trainieren beide beim TTC Drochtersen, einem offiziellen Stützpunkt von Ping Pong Parkinson. Aktiv sind dort neun Spieler, unter anderem aus Assel, Dornbusch und Fredenbeck. „Wir trainieren nicht nur intensiv. Hier wird auch rumgedaddelt“, sagt Lau. Das Training ist für jedes Spielniveau offen.
Schwächen ausnutzen
Wer mit Parkinson lebt, kommt je nach Ausprägung der Krankheit mit unterschiedlichen Einschränkungen zurecht. Bei Roosen betrifft das unter anderem den Bewegungsablauf bei der Vorhand, den er zuletzt im Training verbessert hat. Würde er ähnliche Schwächen beim Gegner ausnutzen? „Klar“, sagt er - wie bei jeder anderen Sportart auch.
Ein harmonisches Duo
Hagemeister arbeitet unter anderem an seinem Spielrhythmus. Dabei helfen ihm ein gemeinsam mit Lau erarbeiteter Trainingsplan und mentale Tricks, um sich auf die Drucksituation im Wettkampf vorzubereiten. Er setzt sich etwa kleine Zwischenziele: erst antreten, dann den ersten Satz gewinnen, dann den zweiten. „So wirkt das Große nicht mehr so groß, und man kann sich alles kleiner einteilen“, sagt Hagemeister. Lau ergänzt: „Das Maximalziel ist dann - und träumen darf jeder - eine Medaille.“
Im Doppel treten Roosen und Hagemeister gemeinsam an. „Ich weiß, dass Carsten taktisch erfahrener ist, also höre ich auf ihn“, sagt Hagemeister. Roosen fügt lachend hinzu: „Du bist auch jünger.“ Immer wieder tauschen die beiden kleine, liebgemeinte Spitzen aus. Die Chemie stimmt.
Rund um das Turnier gibt es zahlreiche Infostände und Workshops. Hagemeister freut sich am meisten auf das gemeinsame Chill & Grill nach den Spielen. Übernachten werden die beiden unterschiedlich: Roosen im Hotel, Hagemeister im Wohnmobil vor der Halle.
Tischtennis lässt Parkinson vergessen
Tischtennis reagiert direkt auf das Krankheitsbild: Schnelle Ballwechsel schulen Reaktion und Koordination, zwei Bereiche, die Parkinson angreift. Am Tisch tritt die Krankheit für Momente in den Hintergrund. Hagemeister: „Wenn man zehn Minuten an der Platte ist, dann ist Parkinson im Prinzip erst mal vergessen.“ Das gilt sowohl für das alltägliche Training als auch für eine Weltmeisterschaft.
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