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Fischfang

TWarum Grönlands Politik für Bremerhavens Fischer wichtig ist

Rotbarsch gehört zu den Fischarten, die vor Grönland vorkommen und für die deutsche Fischerei wichtig sind.

Rotbarsch gehört zu den Fischarten, die vor Grönland vorkommen und für die deutsche Fischerei wichtig sind. Foto: Lothar Scheschonka

In den Gewässern vor Grönland fischen Firmen aus Bremerhaven und Cuxhaven seit Jahren. Sie verfolgen aufmerksam, wohin die Gespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland führen. Das ist der Grund.

Von Ursel Kikker Mittwoch, 14.01.2026, 05:50 Uhr

Bremerhaven. Die Deutsche Fischfang Union GmbH (DFFU) in Cuxhaven gilt als eines der ältesten Fischereiunternehmen Deutschlands. Es bereedert zwei Trawler. Einer trägt den Namen „Cuxhaven NC 100“. Zu sehen ist das rot-weiße Schiff mit dem DFFU-Kürzel eher selten in der Kreisstadt.

Die „Cuxhaven“ bringt gerade in ostgrönländischen Gewässern die Netze aus. „Wir fischen vor Grönland Kabeljau, Schwarzen Heilbutt und Rotbarsch“, sagt Samuel Rodriguez Ortega, Geschäftsführer der DFFU. Auch das Bremerhavener Unternehmen „Doggerbank“ ist im hohen Norden unterwegs.

Hätte ein Grönland-Deal Konsequenzen für die Fischerei in Bremerhaven?

Doch plötzlich haben solche Aktivitäten mit der großen Weltpolitik zu tun. Denn die US-Amerikaner und ihr Präsident Donald Trump wollen sich Grönland einverleiben. Aus Sicherheitsinteressen, wie sie sagen. In dieser Woche sollen Gespräche mit Dänemark, zu der die riesige Insel zwischen Nordatlantik und Nordpolarmeer gehört, den USA und Grönland stattfinden.

US-Präsident Donald Trump hat es auf Grönland abgesehen.

US-Präsident Donald Trump hat es auf Grönland abgesehen. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Es geht offensichtlich erst mal nicht um Fischerei. Doch vielleicht wird sie in der Folge noch mal Thema, je nachdem, was am Ende bei den Gesprächen mit den US-Amerikanern herauskommt. Sicher scheint nichts mehr zu sein.

Eine administrative Veränderung dürfte auch die EU sowie die Fischbranche in Bremerhaven und Cuxhaven interessieren. Denn Deutschland ist ein wichtiger Partner im europäischen Fischereiabkommen mit Grönland.

Der DFFU-Chef verfolgt die Verhandlungen. „Für uns ist Grönland existenziell wichtig. Das ist die Hälfte unserer Quote“, sagt Samuel Rodriguez Ortega.

Die „Berlin NC 107“ ist ebenfalls ein Trawler der Deutsche Fischerei Union.

Die „Berlin NC 107“ ist ebenfalls ein Trawler der Deutsche Fischerei Union. Foto: DFFU

Insgesamt besteht die deutsche Hochseeflotte noch aus sechs Schiffen, darunter auch die „Berlin NC 100“, der zweite Trawler der DFFU. Die Fangplätze befinden sich nach Angaben des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes vor Norwegen, Spitzbergen, Grönland, Island, in der Nordsee, im Nordostatlantik sowie vor Westafrika und im Südpazifik. Gefischt wird nach den von der EU zugewiesenen Fangquoten für einzelne Arten und Gebiete.

Fischereiforscher beobachten Entwicklung rund um Grönland

„Wir machen uns natürlich Gedanken“, sagt auch Dr. Gerd Kraus. Er leitet das Thünen-Institut für Seefischerei. Die Wissenschaftler dort untersuchen Fischbestände und liefern mit ihren Daten die Grundlage für Fangquoten und Fischereimanagement. Jedes Jahr werden Untersuchungen vor Grönlands Küste vorgenommen. Dabei geht es unter anderem um den Rotbarsch.

Dr. Gerd Kraus vom Thünen-Institut für Seefischerei und seine Kollegen beobachten, wie es mit Grönland weitergeht.

Dr. Gerd Kraus vom Thünen-Institut für Seefischerei und seine Kollegen beobachten, wie es mit Grönland weitergeht. Foto: ls

Dieser „Survey“, wie die Forscher sagen, ist kostbar, da er schon so lange läuft – seit Mitte der 1980er Jahre. „Wir können daraus viel über die Folgen des Klimawandels lernen“, sagt Kraus. Die Reise – bis vor kurzem in der Regel mit dem Bremerhavener Fischereiforschungsschiff „Walther Herwig III“ – findet seit ein paar Jahren jeweils im September statt.

Die Zusammenarbeit Bremerhavens mit Grönländern intensiviert

Das Thünen-Institut hat die Zusammenarbeit mit dem grönländischen Forschungsinstitut für natürliche Ressourcen intensiviert, einen Kooperationsvertrag geschlossen und nutzt deren Forschungsschiff „Tarajoq“ für den Survey.

Außerdem werden über das Thünen-Institut in Bremerhaven Fischereibeobachter auf die Trawler geschickt, die zugleich wissenschaftliche Daten mitbringen. Eine junge Thünen-Wissenschaftlerin hatte für ihr Promotionsprojekt Gelegenheit, auf der „Cuxhaven“ mitzufahren und hat ein Tagebuch geschrieben.

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