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Cuxhaven

TWarum ein Chemieprofessor 1080 Kilometer durch die Elbe schwimmt

Andreas Fath geht im Wasser. 

Nicht alle Abschnitte der Elbe dürfen durchschwommen werden. Unter anderem im Hamburger Hafen oder zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven ist das Schwimmen nicht erlaubt. Aber in der Grimmershörnbucht ging Andreas Fath noch einmal ins Wasser. Foto: Reusch

Von der Quellregion der Elbe bis zur Mündung. Andreas Fath ist am Ziel: Nach 1080 Kilometern endete sein Schwimmabenteuer an der Kugelbake. Doch dahinter steckt mehr als eine sportliche Meisterleistung.

Von Tim Larschow Donnerstag, 12.09.2024, 13:05 Uhr

Cuxhaven. Empfangen wurde Andreas Fath am Dienstagmittag unter anderem von Cuxhavens Bürgermeisterin Christine Babacé (Grüne) und Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.

Der Chemieprofessor war Mitte August in Tschechien im Quellgebiet der Elbe gestartet und 25 Tage lang bis zur Mündung geschwommen - nach diesem Schwimmabenteuer wirkte er bei seiner Ankunft sichtlich erschöpft.

Andreas Fath durchschwamm auch den Rhein und die Donau

Mit der Aktion „Pure Elbe“ wollen der engagierte Professor und sein ehrenamtliches Team auf die Belastung der Gewässer mit Mikroplastik aufmerksam machen. Auf seiner etwa 1080 Kilometer langen Schwimmtour hat der 59-Jährige nach eigenen Angaben täglich Wasserproben genommen, die nun ausgewertet werden.

Der Chemieprofessor durchschwamm bereits die Donau, den Tennessee River und den Rhein, um die Öffentlichkeit für den Gewässerschutz zu sensibilisieren. „Es ist schön, einen so außergewöhnlichen Menschen zu treffen. Es ist höchste Zeit, gegen diese Umweltbelastung vorzugehen“, betonte Christine Babacé.

Neben der Buchtbude in der Grimmershörnbucht stellte sich der Extremsportler und Wissenschaftler auf Einladung der Grünen der Stadt Cuxhaven anschließend den Fragen interessierter Bürger und berichtete von seinen eindrucksvollsten Momenten auf der Elbe.

„Die Elbe schäumte und schmeckte jauchig“

„Rund 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff hat die Menschheit bereits produziert. Nur neun Prozent davon werden recycelt. Ein großer Teil des Plastiks landet in der Natur und so auch in Flüssen, wo Makroplastik durch Sonne, Wasser und Strömung zu Mikroplastik zerkleinert wird“, erklärte Andreas Fath. Die Elbe sei nur ein Beispiel für einen Fluss, an dessen Ufern Millionen von Menschen leben. Vielen sei nicht bewusst, wie sich ihr Verhalten auf weit entfernte, sensible Ökosysteme auswirke.

„Die Mündung in die Nordsee und die Meeresströmungen treiben Plastikmüll über Tausende Kilometer bis in den Arktischen Ozean zu den Lofoten“, erläuterte der Professor. Auf dem Weg zur Nordsee „ernteten“ Fath und sein Team Plastikmüll von Bäumen und sammelten alles ein, was ihnen in die Hände fiel. Eine besondere Herausforderung war der Elbabschnitt zwischen Hamburg und Cuxhaven. Nicht nur die Wellen und die Strömung waren hart, auch das Wasser sei teilweise sehr schaumig gewesen und schmeckte „jauchig“, wie es der Extremschwimmer beschreibt. Von diesem Schaum nahm das Team ebenfalls Proben.

Andreas Fath wünscht sich Pfand auf Verpackungen

Eine Frage der Cuxhavener lautete: „Welche Lösungsansätze gibt es für dieses scheinbar unlösbare Problem?“ Faths Antwort: „Jeder kann seinen Beitrag leisten, indem er selbst den Gebrauch von Plastik im Alltag minimiert und alles so oft wie möglich wiederverwendet.“

Der Chemieprofessor würde sich aber auch ein Pfand auf Verpackungen wünschen, wie es bei Plastik- und Glasflaschen praktiziert wird. „Das würde dazu beitragen, dass die Hersteller auch an Alternativen forschen“, ist der 59-Jährige überzeugt.

Über das Projekt wird auch ein Dokumentarfilm erstellt, der Ende des Jahres in verschiedenen Kinos gezeigt werden soll.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erscheint in Kooperation mit der Nordsee-Zeitung.

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