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Heimatgeschichte

TWas den englischen König Georg III. mit dem Geest-Dorf Frankenmoor verbindet

Bei der Arbeit: Lütje Behnken übersetzt historische Schriftstücke in altdeutscher Schrift..

Bei der Arbeit: Lütje Behnken übersetzt historische Schriftstücke in altdeutscher Schrift. . Foto: Laudien

Höfe, Schule, Friedhof und Armenhaus: In seinem Buch über Frankenmoor geht Lütje Behnken weit in der Zeit zurück - und stieß dabei auf den König von England.

Von Susanne Laudien Freitag, 26.12.2025, 12:55 Uhr

Frankenmoor. Früher war Lütje Behnken Landwirt in Wedel. An die glorreiche Zeit des Hofes in der Samtgemeinde Fredenbeck erinnert heute nur noch der Hahn, der jetzt als Bildschirm-Foto auf dem PC glänzt. „Wir hatten damals Hühner, Schweine und Kühe, haben Getreide, Kartoffeln und Rüben angebaut“, erzählt Behnken. Seit über 30 Jahren ist er in Rente und beackert seitdem als Hobby-Ahnenforscher Themenfelder aus der Vergangenheit.

Jüngst hat Behnken sein drittes Buch veröffentlicht. Das Erstaunliche daran sind nicht nur seine Recherchen über die „Moorcolonie Frankenmoor“. Der 88-Jährige hat das 300 Seiten starke Werk in Eigenregie ohne Hilfe am Computer über ein Online-Portal realisiert. Dazu musste er etwa Seiten, Inhaltsverzeichnis und Vorwort selbst konzipieren sowie die gesamte Gestaltung samt Titel und Umschlag.

Landwirt, Ahnenforscher und Autor: Lütje Behnken zeigt sein neues Buch über Frankenmoor.

Landwirt, Ahnenforscher und Autor: Lütje Behnken zeigt sein neues Buch über Frankenmoor. Foto: Laudien

„Ich habe alles alleine gemacht, sogar die Korrekturen“, erzählt Behnken. Lediglich den Tipp einer Cousine habe er übernommen, vor jedem Kapitel ein kurzes Vorwort zu schreiben. Nur ein Jahr hat er für das Werk gebraucht, obwohl er zwischenzeitlich sogar gesundheitlich angeschlagen war und ins Krankenhaus musste. „Ich habe nur gehofft, dass ich schnell wieder gesund werde, um mein Buch fertigzustellen.“

Vorgänger-Buch befasst sich mit den Höfen in Wedel vor 1940

Das erste Werk von Lütje Behnken, das „Behnken-Geschlechterbuch“, ist 2005 erschienen. In seinem zweiten Buch „Die Höfe in Wedel“ von 2022 präsentiert er seine Forschungen zur Geschichte der Höfe, Häuser und Familien in Wedel vor 1940.

Die Neuerscheinung (links) und das Vorgänger-Buch von 2022 über die Höfe in Wedel.

Die Neuerscheinung (links) und das Vorgänger-Buch von 2022 über die Höfe in Wedel. Foto: Laudien

„Danach interessierte ich mich für Höfe und Ansiedlungen im Nachbarort Frankenmoor zwischen Wedel und Bargstedt sowie die Herkunft der damaligen Kolonialisten. Der Begriff Moorkolonisierung oder Moorkolonisation bezeichnet die Urbarmachung von Land und die Ansiedlung von Menschen in Moorgebieten.

„Ich fuhr mit dem Rad durch Frankenmoor und sah viele verlassene Höfe“, berichtet Behnken. Auch den Bau der Schule und die Gründung des Friedhofs sowie die Nothütte, das einstige Armenhaus des Dorfes, erkundete er. Akribisch suchte der Rentner nach Spuren aus der Vergangenheit, tauchte in Archive wie dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Stade ein, fotografierte etliche Dokumente, wälzte alte Kirchenbücher, las altdeutsche Schriften, um der Historie auf den Grund zu gehen.

Viele Familien sind miteinander verwandt

Auf dem Umschlag des druckfrischen Buches ist der Ortsplan von Frankenmoor zu sehen. Das Moor war einst noch unangetastet. Dörfer wie Bargstedt, Ohrensen, Aspe und Wedel nutzten das Gebiet früher für den Torfabbau. Selbst Lehrer und Pastoren-Familien fanden sich einst im Moor zum Torfstechen ein.

Schließlich kam es zu Auseinandersetzungen, die 1801 in einer großen Moorkonferenz geklärt werden mussten, erzählt Behnken. Danach sei eine Grenze gezogen worden und in der Mitte sei die Fläche für Frankenmoor übrig geblieben.

Viele Familien waren miteinander verwandt

In seinem Buch stellt er dar, wie das Dorf ab 1785 durch den staatlichen Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff und seine Nachfolger, dem Moorkommissar Kohlmann in Bremervörde und Moorkommissar Friedrich Findorf in Lilienthal gegründet wurde. Schriftstücke erinnern an diese Zeit.

Auch etliche Familiengeschichten hat der Wedeler Autor ausgegraben und unter anderem festgestellt, dass viele Familien in Frankenmoor miteinander verwandt sind. „Von zwölf Familien haben damals neun Frauen innerhalb des Dorfes geheiratet.“

Brief von König Georg III. und Kurfürst von Hannover

Zu den historischen Dokumenten zählt ein Duplikat eines Briefes von Englands König Georg III. und Kurfürst von Hannover (1738 bis 1820). Der musste damals Geld für die Errichtung im Dorf genehmigen. Unmengen von Akten hat Behnken durchforstet: „Ich wurde immer neugieriger.“

Teile der Schulchronik sind in sein Buch eingeflossen. Dazu gehört der Schriftwechsel von 1890 für einen Neubau der Schule 1893, mit Schilderung der zuvor beengten Verhältnisse der Kinder. Auch zum Bau der Nothütte in Frankenmoor für die ärmsten Dorfbewohner wie sie früher in vielen Orten üblich waren, fand er Interessantes aus der Zeit vor 1900.

Infos zum Buch: „Moorcolonie Frankenmoor“ - Geschichte und Familien, ISBN-13: 9783695136254, erschienen im Verlag BoD (Books on Demand), kostet 26,99 Euro im Buchhandel sowie im Internet und ist auch in der Gaststätte Moorkrug in Frankenmoor erhältlich.

Bei der Arbeit: Lütje Behnken übersetzt historische Schriftstücke in altdeutscher Schrift..

Bei der Arbeit: Lütje Behnken übersetzt historische Schriftstücke in altdeutscher Schrift. . Foto: Laudien

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