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Interview

T„Harter, fordernder Dienst“: Einblicke in den Job der Seedorfer Fallschirmjäger

Oberst Maik Münzner nach einem Sprung und der Schirmabgabe, mit Sturmgepäck, Waffe und Funk auf dem Weg zum Sammelpunkt der Fallschirmjäger.

Oberst Maik Münzner nach einem Sprung und der Schirmabgabe, mit Sturmgepäck, Waffe und Funk auf dem Weg zum Sammelpunkt der Fallschirmjäger. Foto: Bundeswehr

Nachtsprünge, Drohnen, internationale Übungen: Das Seedorfer Fallschirmjägerregiment 31 ist extrem gefordert - und soll wachsen. Kommandeur Oberst Maik Münzner gibt Einblicke.

Von Lutz Hilken 26.07.2026, 15:00 Uhr

Die Rüstungsausgaben steigen enorm, die Bundeswehr soll personell aufwachsen. Was ist davon spürbar im Fallschirmjägerregiment 31?

Für uns ist das unmittelbar spürbar. Seit letztem Jahr haben wir als einer der ersten Standorte Überkapazitäten an Personal aufgenommen. Das waren in jedem Quartal 150 Rekruten mehr, die wir mit unseren Ausbildern und Mitteln im Zuge der neuen Wehrdienst-Basisausbildung ausgebildet haben.

Ab Oktober bekommen wir nochmals einen Aufschlag. Geplant ist, in Seedorf voraussichtlich etwa 400 Rekruten zusätzlich auszubilden. Das zeigt, dass die Personalwerbung zieht. Und es zeigt, dass der Dienst bei den Fallschirmjägern als attraktiv angesehen wird. Das ist eine Wertschätzung für den harten, fordernden Dienst, den meine Frauen und Männer seit Jahren täglich leisten.

Wie wirken sich die Zusatzausgaben des Bundes aus dem „Sondervermögen“ auf Ihre Truppe in Seedorf aus?

Wir bekommen ständig neues Material - ohne dass ich ins Detail gehen will. Im Bereich Luftlande-Unterstützung machen wir Riesenschritte nach vorn. Fallschirmjäger sind von jeher gut ausgestattet. Wir brauchen - außer Luftfahrzeuge - kein Großgerät.

Fallschirmjäger aus Seedorf mit Gefechtsausrüstung im Morgengrauen.

Fallschirmjäger aus Seedorf mit Gefechtsausrüstung im Morgengrauen. Foto: Bundeswehr

An Kleinigkeiten in Bezug auf Ausrüstung und persönliche Ausrüstung ist vieles neu. Da bekommen wir weiteren Zulauf und eher irgendwann Kapazitätsprobleme, weil die Ausrüstung untergebracht werden muss, Waffenkammern dafür da sein müssen. Aber das sind Luxusprobleme. Das ist eine gute Entwicklung für uns.

Um Kapazitäten zu schaffen, sind weitere Bauarbeiten in der Kaserne erforderlich?

Genau. Wir belegen gerade einen Parkplatz mit behelfsmäßigen Unterkünften, wo junge Rekruten in den ersten Monaten untergebracht werden. Und das mit hoher Geschwindigkeit: Im Dezember gab es den Auftrag, 470 weitere Rekruten aufzunehmen, und die Baumaßnahmen sind innerhalb eines halben Jahres in die Tat umgesetzt worden.

Da sieht man, dass nicht nur Geld zur Verfügung gestellt wird, sondern Prozesse beschleunigt werden. Das Problem: Die jungen Soldaten müssen nicht nur ein Bett haben, sie müssen verpflegt, Waffen zur Verfügung gestellt bekommen, auf einer Schießbahn ausgebildet werden. Das haben wir alles, aber es bringt Folge-Herausforderungen mit sich.

Ich kann nicht beliebig viele Menschen auf einer Schießbahn ausbilden. Wir werden uns auf mehr Ausbildungsstandorte verteilen müssen. Das erfordert von meinem Bestandspersonal nochmals eine höhere Leistungsbereitschaft, noch mehr Arbeitszeit, weil wir bis zu 470 Menschen mehr administrieren und ausbilden müssen.

Wird es angesichts des Personalzuwachses weitere Aufstockungen im Gebäudebestand geben?

Wir werden wachsen. Der Standort wird in der Kaserne baulich verdichtet, sodass wir die Aufnahmekapazitäten schaffen und in ein paar Jahren in eine feste Infrastruktur bringen.

Was die Ausbildungskapazitäten betrifft: Wie wichtig ist es, dass die im Bau befindliche Hallenschießanlage fertig wird?

Es ist nicht nur wichtig, dass sie fertig wird, sondern viel wichtiger ist es, dass man nicht das eine durch das andere ersetzt, wie es ursprünglich angedacht war. Da die Ausbildungskapazitäten erhöht werden, muss die bestehende Standortschießanlage dauerhaft am Laufen bleiben. Zusätzlich benötigen wir die Hallenschießanlage. Beides muss vollumfänglich funktionieren.

Die Hallenschießanlage soll 2027 fertig werden?

Das wird nicht klappen. Umso wichtiger ist es, dass die vorhandenen Schießbahnen instand gesetzt und gepflegt werden, um irgendwann mit beiden Anlagen auszubilden. Das Ganze lieber früher als später, allerdings sind wir im Bereich Infrastruktur leider nicht der Taktgeber.

Welche Ausbildungsschwerpunkte hat das Regiment 2026?

Wir haben viele Übungen absolviert, den Maßstab vergrößert. Wir waren jeweils in Regimentsstärke auf zwei Divisionsübungen. Wir machen Gefechtssprungdienste, die in Gefechtsschießen übergehen. Im scharfen Schuss, mit Artillerie, mit Mörsern. Mit Luftfahrzeugen, die scharfe Bomben werfen, haben wir ein Schießen in Bergen durchgeführt.

Kurze Absprachen im laufenden Gefecht, eine Aufnahme aus dem Gefechtsübungszentrum der Bundeswehr.

Kurze Absprachen im laufenden Gefecht, eine Aufnahme aus dem Gefechtsübungszentrum der Bundeswehr. Foto: Bundeswehr

Unsere speziell ausgebildeten Kräfte haben wir in freilaufenden Übungen ausgebildet. Zwei Kompanien zusammen mit Polizeikräften in Berlin und die logistischen Kräfte in allen Teilprozessen in der Region Gnarrenburg, die in der Form noch nie so stattgefunden hat. Wir haben Nachtsprungdienste eingeführt - eine Qualität, die wir wiedererlangen müssen. Das haben wir erfolgreich gemacht.

Gibt es Beispiele für internationale Zusammenarbeit?

Wir haben eine Sprungwoche mit zwölf Nationen hinter uns, bei der internationale Partner mit uns gemeinsam trainiert haben und 2119 Automatensprünge gemacht worden sind. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 haben wir 2300 Sprünge gemacht, jetzt in einer Woche 2119. Es geht richtig vorwärts, weil das Material und das Personal zur Verfügung stehen. Unsere Vorauskräfte haben in Arizona, USA, trainiert, sind dort nachts aus 6000 Metern Höhe mit Sauerstoff abgesprungen, 20 Kilometer geglitten.

Das sind Qualitäten in der Ausbildung, auf die ich stolz bin. Bilaterale Ausbildungen haben wir in diesem Jahr mit britischen Soldaten, in Peru und in Ghana absolviert. Im November werden wir das Regiment in den Senegal verlegen, um dort Fähigkeiten mit unseren Partnern zu trainieren. Eine Großübung, die ihresgleichen sucht und die wir aktiv mitgestalten.

Im Ukraine-Krieg nehmen Drohnen einen großen Stellenwert ein. Inwieweit ist die Truppe in Seedorf mit dieser Technik vertraut?

Man darf nicht aus dem in der Ukraine vorherrschenden Kriegsbild mit Abnutzungs- und Stellungskrieg eins zu eins alle Schlüsse ziehen beziehungsweise übernehmen. Aber klar ist: Was dort an Innovationszyklen entsteht, ist enorm und in der Geschwindigkeit zurzeit unerreicht. Das beobachten wir sehr genau, bauen mittlerweile eigene Drohnen hier am Standort.

Unsere Luftlandepioniere gehen hier tatkräftig voran und wir arbeiten gut zusammen. In jede Gefechtsausbildung fließen Drohnen in verschiedenen Varianten ein. Sie gewinnen an Bedeutung. Wir bilden Personal an Drohnen aus. Man muss die Ausbildung auch dahingehend umstellen, wie man auf die Bedrohung von Drohnen reagiert. Das alles nimmt maßgeblich Einfluss auf die Ausbildung und die Materialbeschaffung. Wir tauschen uns auch mit Ukrainern aus, um Erfahrungen mitzunehmen.

Wohin führt die technische Entwicklung?

Drohnen werden irgendwann logistische Kräfte entlasten können. Autonome Systeme können Verwundete transportieren, logistische Güter dorthin bringen oder zurückholen, wo sich das Personal auf dem Gefechtsfeld nicht bewegen kann.

Man merkt, wie sich die junge Generation Gedanken macht, ihre Probleme durch Technik zu lösen. Wir haben viele schlaue Köpfe bei uns, die selbst Systeme entwickeln, Innovationen auf kleiner Ebene beginnen, die sich ausbreiten, um eigenes Personal nicht der Gefährdung auszusetzen und trotzdem dieselbe Wirkung zu erzielen.

Angesichts der weltpolitischen Lage: Muss sich die Bevölkerung Sorgen machen?

Wer verantwortungsvoll für sich und seine Familie handelt, sich daher auch Gedanken über Außen- und Sicherheitspolitik macht, der kann schon besorgt sein. Ich bin es auf alle Fälle und habe das Gefühl, dass es der ein oder andere nicht wahrhaben will, was an Fakten auf dem Tisch liegt. Unser Werteverständnis teilt aber nicht jeder auf dieser Welt.

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Diese Akteure agieren interessengeleitet und folgen Ihrer eigenen Logik, nicht unserer Sicht auf die Dinge, nicht unseren Werten und Vorstellungen. Und leider ist Krieg für diese Akteure ein Mittel, ihre Interessen schwächeren Akteuren aufzuzwingen. Das will ich für unser Land und meine Familie auf gar keinen Fall.

Wie kann man dieser Sorge begegnen?

Indem man sich verantwortungsvoll vorbereitet, die Lage ernst nimmt, Geld in gesamtstaatliche, explizit auch gesellschaftliche Sicherheitsvorsorge steckt. Das beginnt im eigenen Haushalt, geht über Sicherheitsstrukturen auf örtlicher, lokaler und regionaler Ebene bis zur Vernetzung der verantwortlichen Behörden.

Wenn wir uns hier nach vorn entwickeln, wird die vermeintliche Bedrohung weniger erschreckend, weil man bestmöglich darauf vorbereitet ist. Für den Gegner muss dessen Einsatz als viel höher als der anzunehmende Gewinn in einem Krieg wahrgenommen werden. Dies würde beispielsweise einen russischen Angriff auf das NATO-Gebiet unwahrscheinlicher machen.

Der Landkreis Zeven hat Broschüren zum Katastrophenschutz an alle Haushalte verteilt.

Ein gutes Beispiel: Die Informationen sollte man nicht einfach wegwerfen, weil man meint, dass schon nichts passieren wird, sondern sich daran orientieren. Ich halte das für ein realistisches Szenario. Wir sind zwar nicht im Krieg, aber man darf nicht wegschauen. Wunschdenken ist eine schlechte Handlungsoption. Erlauben Sie mir bitte zwei letzte Anmerkungen. Erstens: Ich bin sehr stolz auf meine Fallschirmjäger, auf die sich unsere Bevölkerung ohne Wenn und Aber verlassen kann. Zweitens: Wir fühlen uns sehr wohl hier im Landkreis und danken der Bevölkerung für ihre Unterstützung.

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