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Gesellschaft

TWenn die Brüder im Stader Rathaus ihre besonderen Feste feiern

Während des mehrstündigen Festmahls wird immer wieder mit Papier geworfen. Die Brüder sammeln dann Geld für einen guten Zweck ein.

Während des mehrstündigen Festmahls wird immer wieder mit Papier geworfen. Die Brüder sammeln dann Geld für einen guten Zweck ein. Foto: Bilderprofi Stade

Eigentlich trifft sich eine feine Gesellschaft in Abendgarderobe, aber während des Stiftungsfestes der Kaufleute- und Schifferbrüderschaft geht es im Stader Rathaus auch burschikos zu.

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Von Lars Strüning
Sonntag, 12.01.2025, 17:55 Uhr

Stade. Ein mehrgängiges Menü, zwischen den Gängen viele Reden und traditionelle Zeremonien bestimmten auch 2025 wieder das Stiftungsfest im Königsmarcksaal. Der gastgebende Bruder dieses 469. Stiftungsfestes war Dierk König.

Gastgebender Bruder begrüßt Gäste auf Plattdeutsch

Der Stader Bauingenieur begrüßte seine Gäste auf Plattdeutsch. Reihum in der Reihenfolge ihrer Aufnahme in die Brüderschaft fungiert immer einer der Brüder als Gastgeber. So will es die Tradition der 1556 gegründeten und damit jüngsten Stader Brüderschaft.

In seiner Begrüßung verwies König nicht nur auf diese Tradition, sondern auch auf die aktuellen Projekte, die die Brüderschaft unterstützt. So werden nicht nur bedürftige Familien unterstützt, sondern zum Beispiel auch musikalische Früherziehung und therapeutisches Reiten gefördert.

Brüder sammeln an einem Abend 16.000 Euro Spenden

Um dafür Spenden und Geld einzusammeln, wird traditionell einmal im Jahr das Stiftungsfest gefeiert. Wurde im Mittelalter noch mit Knochen geworfen, so bekommen die Gäste heute Papierabschnitte, mit denen sie zwischen den einzelnen Gängen des Festmenüs werfen können.

Der gastgebende Bruder Dierk König (links) übergibt das Zepter an den Gastgeber des nächsten Stiftungsfestes, Arend Mindermann.

Der gastgebende Bruder Dierk König (links) übergibt das Zepter an den Gastgeber des nächsten Stiftungsfestes, Arend Mindermann. Foto: Bilderprofi Stade

Brüder laufen mit Sammelbüchsen durch die Reihen und fordern, wenn sie einen Werfer „erwischen“, Bares ein. Zudem werden Geldspenden in Umschlägen eingesammelt. Allein dadurch kamen mehr als 16.000 Euro zusammen.

Der Redner, der die Rede auf die Landeswohlfahrt hielt, war eigens aus Kiel angereist: Jörg Orlemann, früher Chef der Stader Industrie- und Handelskammer (IHK) und heute in gleicher Funktion in Kiel tätig, ist der Stader Brüderschaft treu geblieben. Er reist jedes Jahr zum Stiftungsfest an und in diesem Jahr als Redner.

Die Wirtschaft lahmt, die Demokratie lebt

In dieser Ansprache geht es in der Regel um die allgemeine Lage der Nation. Und die sei eben problematisch, stellte Orlemann fest: Nullwachstum mehrere Jahre in Folge, eine desolate Infrastruktur überall in der Republik und Inflation sowie zu hohe Energiekosten, brachte der IHK-Chef die Lage auf den Punkt: „Die Menschen sind es einfach leid.“ Aber am Ende sei immer noch Hoffnung. Wie in einem guten Märchen sieht er das Positive und den Sieg des Guten: „Die Demokratie lebt.“

Beim sogenannten Trinkspruch auf die Älterleute wird Lob und Dank an den Vorstand ausgesprochen. Die Herren sitzen während des Stiftungsfestes mit ihren Gattinnen erhoben auf der Bühne. Moderiert und geleitet wird das Fest vom Präsidierenden Ältermann Thomas Studders, der ebenso souverän wie locker durch den Abend führte.

Die Laudatio auf die Älterleute hält traditionell der festgebende Bruder des letzten Festes - diesmal war das Professor Benno Stinner, Chefarzt am Elbe Klinikum Stade. Er attestierte den Älterleuten Erfahrenheit, Umsicht und die Fähigkeit, im Wandel der Zeit immer wieder neue Gestaltungselemente umzusetzen.

In seiner pointierten und kurzweiligen Rede auf den Gastgeber Dierk König würdigte Bruder Wolfgang Feth das Wirken des Staders.

Stehende Ovationen beim Trinkspruch auf die Damen

Zum absoluten Highlight des Abends kam es aber beim Trinkspruch auf die Damen - eine der schwierigsten Reden überhaupt. Felix Kruse hielt diese Rede in musikalischer Form und trug ein Lied am Flügel vor mit eigenen Texten nach der Musik von Bodo Wartke. Es kam zu Jubelschreien und stehenden Ovationen, als alle Brüder den Refrain mitsangen auf die Frauen: „Alles Glück der Erde sei Euch anvertraut.“

Zu mittelalterlicher Musik tanzen einige Brüder mit ihren Frauen das traditionelle Menuett.

Zu mittelalterlicher Musik tanzen einige Brüder mit ihren Frauen das traditionelle Menuett. Foto: Bilderprofi Stade

Im Grußwort der Hansestadt Stade, die durch den Ersten Stadtrat Lars Kolk vertreten war, ging es um die schwierigen Jahre, die die Brüderschaft während des Nazi-Regimes zu überstehen hatte. Wie immer wurde der Königsmarcksaal nach dem offiziellen Teil des Stiftungsfestes zur Tanzfläche mit Bar umgebaut. Nach fast fünf Stunden Essen und Reden wurde bis in die frühen Morgenstunden ausgelassen gefeiert.

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