Zähl Pixel
Ganztagsdiskussion

TWerden sie an Stader Schulen zu Unrecht abgestempelt?

Astrid Oehlert (links) und Sandra Offermann unterstützen die Lehrkräfte an der Pestalozzi Grundschule.

Astrid Oehlert (links) und Sandra Offermann unterstützen die Lehrkräfte an der Pestalozzi Grundschule. Foto: Stehr

Zwei pädagogische Mitarbeiterinnen aus Stade reagieren auf einen TAGEBLATT-Artikel zur Ganztagsbetreuung. Warum sie sich in der Diskussion schlecht dargestellt fühlen.

author
Von Lena Stehr
Mittwoch, 08.04.2026, 11:50 Uhr

Stade. Astrid Oehlert und Sandra Offermann kennen jedes Kind der Pestalozzi Grundschule in Stade und lieben ihren Job. Die beiden pädagogischen Mitarbeiterinnen betreuen die Mädchen und Jungen beim Mittagessen, in der Pause und im Ganztag, lösen Konflikte und unterstützen Lehrkräfte im Unterricht. Notfalls übernehmen sie sogar den Unterricht.

Mehr als Billiglohnkräfte, die keine Ahnung haben

„Ohne uns läuft es nicht. Und wir sind mehr als Billiglohnkräfte, die keine Ahnung haben“, sagt Astrid Oehlert. Sie spielt damit auf die Ganztags-Diskussion in Stade an.

Die angehende Erzieherin Ana Lena Winter hatte kürzlich im TAGEBLATT die Sorgen vieler Eltern skizziert, weil künftig im Ganztag keine ausgebildeten Erzieher mehr zum Einsatz kommen. Die Stadt solle mit dem Einsatz von pädagogischen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen hier nicht an der falschen Stelle sparen.

„Wir sind zwar keine ausgebildeten Erzieherinnen, können die Kinder aber aufgrund unserer Erfahrung trotzdem emotional, individuell und ganz gezielt auf ihrem Entwicklungsweg begleiten und fördern“, sagt Astrid Oehlert. Sie stieg 2003 als pädagogische Mitarbeiterin an der Grundschule in Wiepenkathen ein. Damals engagierte sich die Mutter zweier Söhne in der Schulgemeinschaft. Irgendwann sei sie gefragt worden, ob sie Betreuungszeiten übernehmen könnte.

Als Mutter in den Job hineingerutscht

„So bin ich in den Job hineingerutscht“, sagt Astrid Oehlert, die früher Chefarztsekretärin und später Lerntherapeutin war. Ein Lehramtsstudium hatte sie zuvor abgebrochen. An der Pestalozzi Grundschule ist sie seit acht Jahren über die Landesschulbehörde angestellt - mit 25 Wochenstunden.

Schon seit neun Jahren gehört Sandra Offermann zum Team der insgesamt sechs pädagogischen Mitarbeiter an der Pestalozzi Grundschule. Sie ist mit 16 Wochenstunden angestellt und ebenfalls keine ausgebildete Erzieherin oder Pädagogin. Früher hatte sie einen Bürojob und war als Mutter von drei Kindern im Schulelternrat aktiv. Weil der Bedarf da war, half sie bei der Mittagsbetreuung aus.

Astrid Oehlert (rechts) und Sandra Offermann arbeiten als pädagogische Mitarbeiterinnen an der Stader Pestalozzi Grundschule.

Astrid Oehlert (rechts) und Sandra Offermann arbeiten als pädagogische Mitarbeiterinnen an der Stader Pestalozzi Grundschule. Foto: Stehr

Inzwischen übernehmen sowohl Sandra Offermann als auch Astrid Oehlert aber viel mehr als nur Betreuungsaufgaben. Sie checken morgens den Vertretungsplan und gucken, wo sie gebraucht werden.

Normalerweise unterstützen die beiden Frauen die Lehrkräfte im Unterricht. Bei hohem Krankenstand übernehmen sie auch mal die Stunde - in enger Absprache und mit den Vorgaben der Lehrkräfte. Regelmäßig nehmen sie deshalb an Lehrerfortbildungen teil.

Ungleichgewicht bei der Bezahlung

„Es gibt immer mehr pädagogische Mitarbeiter wie uns, die deutlich mehr machen als Malen, Spielen und Basteln, dafür aber viel zu schlecht bezahlt werden“, sagt Astrid Oehlert. Dass sich die Bezahlung nach der Stundenzahl und nicht nach der inhaltlichen Arbeit richte, sei ungerecht und sollte sich ändern. Astrid Oehlert bleiben nach allen Abzügen etwa 1500 Euro monatlich.

Sie und Sandra Offermann gehören zu den pädagogischen Mitarbeitern, die die Verlässlichkeit der Grundschulen sicherstellen und ganztagsspezifische Angebote übernehmen sollen. Darüber hinaus gibt es noch pädagogische Mitarbeiter in ergotherapeutischer, logopädischer, physiotherapeutischer und unterrichtsbegleitender Funktion, teilt Bianca Trogisch vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung in Lüneburg auf TAGEBLATT-Nachfrage mit. Bei ihnen werden entsprechende Ausbildungen vorausgesetzt. Dementsprechend variiert dann auch die Bezahlung.

367 pädagogische Mitarbeiter im Landkreis Stade

Das Land beschäftigt im Landkreis Stade 367 pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie wichtig die für den Schulalltag sind, zeigte sich schon bei der Terminfindung mit der TAGEBLATT-Redaktion. Dreimal mussten Sandra Offermann und Astrid Oehlert den Termin verschieben. Sie wurden im Unterricht gebraucht.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel