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TWie ein Geologe im Stader Nachbarkreis Marsmeteoriten gefunden hat

Ulrich Schliemann mit einem Marsbasalt, gefunden bei Gilmerdingen (Heidekreis).

Ulrich Schliemann mit einem Marsbasalt, gefunden bei Gilmerdingen (Heidekreis). Foto: Bonath

Ein Finteler Geologe findet heraus, dass es auf dem Mars vor 3,5 Milliarden Jahren noch Flüsse, Seen und Meere gab, dass sich auf dem Planeten Leben entwickeln konnte. Wir erzählen, wie es dazu kommen konnte.

Von Wieland Bonath Sonntag, 20.10.2024, 13:35 Uhr

Fintel. Der 3. Oktober 1997, ein Vormittag wie viele andere: Ulrich Schliemann aus Fintel holt aus der Garage seines Hauses am Postreith 6 das Fahrrad. Die Leinentasche, bepackt mit der Speziallupe, dem Grabungswerkzeug, dem kleinen silberfarbenen Hammer und die Schachteln für mögliche Funde hängt der 45-Jährige über die Lenkstange. Noch weiß Schliemann nicht, dass ihn an diesem Vormittag in der Nähe von Fintel eine wissenschaftliche Sensation erwartet: Der seiner Überzeugung nach erste Beweis dafür, dass sich vor 3,5 Milliarden Jahren, als es auf dem Mars noch Flüsse, Seen und Meere gab, dort Leben entwickeln konnte.

Ein strahlender Spätsommertag, als wir Ulrich Schliemann, inzwischen 72 Jahre, in Fintel besuchten. Der Geologe: „Seit nunmehr 30 Jahren verfolge ich ein vermutlich historisches Streufeld von Marsmeteoriten in der Heide. In diesem Zusammenhang erwies sich der Fund eines kleinen, nur vier Gramm schweren Meteoriten am 3.10.1997 in der Feldmark Fintel als ein großer Glücksfall. Der meteoritische Winzling war einst ein Tonsediment, das bei einem Großimpakt, also einem Einschlag, auf dem Mars durch die Stoßwelle bei etwa 1.200 Grad Celsius plastisch verformt ausgeworfen wurde und sehr schnell zu einem glasigen Steinchen erstarrte.“

Fremdartige Lebensform als Abdruck im Gestein

Ulrich Schliemann, inzwischen im Ruhestand und vorher viele Jahre lang Geschäftsführer der Stiftung Bachmann-Museum Bremervörde, fährt fort: „Eine anschließende Untersuchung mittels vergrößernder Optik brachte völlig Unerwartetes ans Tageslicht. Sichtbar wurde der vier Millimeter lange Abdruck einer fremdartig anmutenden Lebensform. Ganz offensichtlich handelte es sich um ein Weichtier mit einem in Segmenten gegliederten Körperbau. Die Hitzeentwicklung der Stoßwelle verbrannte das Weichtier innerhalb von Sekunden. Zurück blieb ein Kohlenstofffilm an den Wandungen des verbliebenen Abdrucks.“

Ulrich Schliemann nimmt den bräunlichfarbenen geheimnisvollen Winzling aus der Plastikschatulle: „Rätselhaft bleibt hingegen die räumliche Erhaltung des Darmtraktes. Bei der Fossildiagenese irdischer Weichtiere kommt eine solche Erhaltungsform nicht vor. Ein Erklärungsversuch könnte sein, dass diese Lebensform Sediment in sich aufnahm, um darin enthaltene organische Stoffe zu verdauen. Dann nämlich hätte die Auswirkung der Stoßwelle den Darminhalt augenblicklich in ein festes Gestein verwandelt. Fremdartig mutet auch an, dass der Darm einen auffälligen Seitenausgang aufweist, was für irdische Lebensformen eher untypisch ist.“

Urknall fand vor circa 13,8 Milliarden Jahren statt

Der Urknall, der als Entstehung des Universums gilt, wird aufgrund von Präzisionsmessungen durch das Weltraumteleskop Planck auf circa 13,8 Milliarden Jahre zurückdatiert. Die Lichtgeschwindigkeit im luftleeren Raum beläuft sich auf 300.000 Kilometer pro Sekunde. Das Licht unseres Sonnensystems benötigt acht Minuten und 20 Sekunden, um die 149,6 Millionen Kilometer zwischen Sonne und Erde zu überbrücken. Der stark variierende Abstand zwischen der Erde und seinem roten Nachbarplaneten, dem Mars, beläuft sich auf 56 bis 401 Millionen Kilometer.

Ulrich Schliemann ist sich sicher, dass nach seinem Fund vom 3. Oktober 1997 in der Finteler Feldmark vor etwa 3,5 Milliarden Jahren erstes Leben auf dem Mars anzutreffen war.

Leben, das in Form eines Meteoriten auf einem Steinhaufen am Rande eines Feldes bei Fintel von Schliemann zufällig gefunden war. - Ein anderer „Weltraum-Besessener“, nämlich der amerikanische Milliardär Elon Musk, will den „umgekehrten“ Weg, nämlich von der Erde zum Mars, in wenigen Jahren antreten: Für sehr viel Geld, mit Rakete und Raumfahrzeug angeblich bereits 2029 zum Mars.

Die Welt der Meteoriten als große Leidenschaft

Ein zeitlicher Wechsel: Der als Sohn eines Ziegelei-Unternehmers in Lauenbrück geborene Ulrich Schliemann entdeckte schon als Schüler seine Faszination für Himmel und Sterne. Nach dem Geologiestudium und der jahrelangen, erfolgreichen Arbeit für das Bachmann-Museum in Bremervörde fand der 72-Jährige im Ruhestand die Muße für seine große Leidenschaft, nämlich die Welt der Meteoriten.

Eine komplizierte Wissenschaft, die viele Laien überfordert und damit auf Ulrich Schliemann angewiesen sind, der zu denen gehört, die Tore zu einer fremden Welt öffnen. In diesem Zusammenhang arbeitete und arbeitet er eng mit dem Verein „Schwitscher Steine“ zusammen. Zahlreiche Besucher denken an die Fahrradtouren mit Ulrich Schliemann zurück, der sie zu Lesesteinhaufen am Rand von Äckern führte. Scheinbar „nichtssagende“ Steine, die so viel zu erzählen haben.

Marsmeteorit mit Lebensform (unten).

Marsmeteorit mit Lebensform (unten). Foto: Bonath

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