T„Wir müssen erreichbar bleiben“: Diskussion um autofreien Fischmarkt in Stade
Soll die Fußgängerzone am Fischmarkt ausgeweitet werden? Darüber wird in Stade diskutiert. Foto: Stehr
SPD und Grüne wollen den Fischmarkt autofrei machen. Wie finden das betroffene Einzelhändler und Gastronomen? Amir Afschartabbar und das TAGEBLATT haben nachgefragt.
Stade. Die Idee, den Fischmarkt komplett zur Fußgängerzone zu machen, treibt Anlieger um. Viele Einzelhändler und Gastronomen seien in Sorge und auf Zinne, berichtet Amir Afschartabbar, Gastronom und Vorsitzender von Stade aktuell.
„Bei so einem Thema ist Fingerspitzengefühl nötig“
Vor allem, weil im Vorfeld niemand mit ihnen gesprochen habe. Auch er habe erst aus der Zeitung von dem Antrag erfahren. Wie berichtet, wollen SPD und Grüne mit einem autofreien Fischmarkt die Aufenthaltsqualität verbessern und den Bereich sicherer machen.

Amir Afschartabbar von „Stade aktuell“ möchte alle Beteiligten an einen Tisch bringen. Foto: Strüning
An einer von Afschartabbar schnell organisierten Umfrage von 30 Gewerbetreibenden hätten sich mehr als die Hälfte beteiligt. Die große Mehrheit sei vorher nicht nach ihrer Meinung gefragt worden.
„Bei so einem Thema ist Fingerspitzengefühl nötig. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, löst das Unzufriedenheit aus“, sagt Afschartabbar, der bei der Kommunalwahl für die CDU in den Stadtrat einziehen will.
TAGEBLATT-Umfrage zum autofreien Fischmarkt
Es gebe kontroverse Ansichten, die meisten seien aber gegen einen autofreien Fischmarkt. Eine kleine TAGEBLATT-Umfrage kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.
„Unsere Kunden kaufen teilweise große Bilder bei uns und müssen mit dem Auto vorfahren können“, sagt Sigrid Burfeindt, langjährige Angestellte der Kunsthandlung Hildebrandt am Fischmarkt 9. Es gebe ohnehin kaum noch Parkmöglichkeiten in der Altstadt. Auch Lieferverkehr sollte länger als bis 10 Uhr erlaubt sein.

"Der Mix am Fischmarkt macht's", sagt Tatjana Hickman, Inhaberin von Vintage Woman. Foto: Stehr
„Wir müssen mit dem Auto erreichbar bleiben“, sagt Tatjana Hickman, seit 15 Jahren Inhaberin des Bekleidungsgeschäfts Vintage Woman am Fischmarkt 9. Es dürfe nicht sein, dass nur auf Aufenthaltsqualität geachtet werde und womöglich noch mehr Stühle draußen aufgebaut würden. „Der Mix macht’s doch. Die Stadt sollte stolz darauf sein, dass es hier so viele verschiedene Geschäfte gibt.“
Kommentar
T Autos raus aus der Stader Altstadt!
„Unsere Kunden fühlen sich manchmal durch die Autos gestört“, sagt dagegen Bermal Örek vom Restaurant Mendoza am Fischmarkt 5. Optisch würde ihr ein autofreier Fischmarkt besser gefallen. Andererseits müsse es möglich bleiben, in der Altstadt zu parken, vor allem für Menschen mit Behinderungen.

In der Burgstraße gehen - wie in der Salzstraße auch - täglich von 18.30 Uhr bis 7 Uhr Poller hoch. Foto: Stehr
Absolut gegen eine Ausweitung der Fußgängerzone ist Nicole Suhr vom Hotel am Fischmarkt an der Burgstraße. Schon jetzt sei es für die Gäste schwierig genug, zum Hotel zu kommen. Würden noch mehr Parkplätze wegfallen, würde die Burgstraße womöglich noch stärker zugeparkt. Die Stadt sollte lieber die Einhaltung der Sperrstunde kontrollieren.

Agnes von der Mehden wünscht sich weniger Verkehr vor ihrem Geschäft am Wasser Ost. Foto: Stehr
Am Wasser Ost betreibt Agnes von der Mehden seit 2022 das Bistro Petit Filou. Sie begrüßt den Vorstoß von SPD und Grünen. „Der Verkehr nervt, vor allem die Autoposer, die hier regelmäßig durchfahren“, sagt sie. Sowohl für die Gäste am Fahrbahnrand als auch für die Servicekräfte, die häufig über die Straße laufen müssten, wäre ein autofreier Fischmarkt besser. Die Poller in der Salz- und in der Burgstraße hätten aber auch schon einen spürbaren Effekt.

SPD und Grüne wollen, dass der Fischmarkt autofrei wird. Foto: Stehr
Ein Gastronom, der anonym bleiben möchte, stört sich daran, dass viele Autos häufig den ganzen Tag am Fischmarkt parken. Eine halbe Stunde würde reichen, findet er.
Desillusioniert gibt sich Christian Euwens vom Designloft Mette in der Salzstraße 1. „Die Politiker machen doch eh, was sie wollen“, sagt er. So wie alle anderen Anlieger, mit denen das TAGEBLATT gesprochen hat, sei auch er im Vorfeld nicht gefragt worden.
Stimmen aus der Politik
Elena Brückner möchte alle Beteiligten einbeziehen, bevor es konkret werde, teilt die SPD-Ratsfrau auf TAGEBLATT-Nachfrage mit. Der Antrag sei deshalb bewusst offen formuliert. Von Gewerbetreibenden und Anwohnern habe sie mehrheitlich positive, konstruktive Rückmeldungen erhalten.

Elena Brückner von der SPD habe sich am Fischmarkt umgehört und positive Rückmeldungen zur Idee vom autofreien Fischmarkt erhalten. Foto: Sebastian Rath
Ein gutes Beispiel dafür, dass sich mutige Schritte auszahlen, sei die Umwandlung der Hökerstraße in eine Fußgängerzone. Auch darüber habe es im Vorfeld intensive Debatten gegeben.

CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Kramer ist gegen einen Schnellschuss am Stader Fischmarkt. Foto: privat
Der CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Kramer hält den Vorstoß von SPD und Grünen für einen Schnellschuss. „Bevor wir Straßen sperren, sollten wir gemeinsam ein tragfähiges Konzept für eine bessere Aufenthaltsqualität entwickeln. Der Fischmarkt muss für alle Menschen attraktiv sein“, sagt er.
Ihm sei auch kein besonderes Unfallgeschehen am Fischmarkt bekannt, das einen solchen Schritt rechtfertigen würde. „Auch die Diskussion über mögliche Amokfahrten halte ich für den falschen Ansatz“, sagt Kramer.
So geht es weiter
Amir Afschartabbar plant in Zusammenarbeit mit der Stade Marketing und Tourismus GmbH eine Art Workshop, bei dem sich die Betroffenen austauschen können. Auch Anwohner sollen dabei sein.
Eine politische Entscheidung gibt es noch nicht. Das Thema kommt voraussichtlich im Stadtrat am 22. Juni noch einmal auf die Tagesordnung. Vorher wird es im Verwaltungsausschuss diskutiert, sofern der Antrag nicht zurückgezogen wird.
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