TWohnhorror in Stade: Happy End für zwei Hochhausmieter
Mario Geppert blickt vom Balkon seiner neuen Wohnung optimistisch in die Zukunft. Foto: Stehr
Mario Geppert und Egon Quednau sind endlich raus aus dem Mehrfamilienhaus ohne Heizung und Warmwasser. Andere Mieter harren dort in menschenunwürdigen Zuständen aus.
Stade. Mario Geppert steht auf dem Balkon seiner neuen Wohnung im Altländer Viertel in Stade und kann endlich wieder befreit durchatmen. Der 51-Jährige hat eine schlimme Zeit hinter sich. Bis vor kurzem lebte er rund 500 Meter entfernt im Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2. Unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Guter Tipp nach TAGEBLATT-Berichterstattung
„Aufgrund der TAGEBLATT-Berichterstattung habe ich eine neue Wohnung gefunden“, sagt er. Die Erleichterung ist ihm anzusehen. Nach den ersten Artikeln über die desolaten Zustände in dem Hochhaus in der Grünendeicher Straße habe er einen guten Tipp bekommen. Er solle sich für eine der insgesamt 84 neuen Wohnungen bewerben, die die Firma Viebrock ein Stück die Straße runter gebaut hat und auch selbst vermietet.

Mario Geppert hat in den neu gebauten Viebrock-Häusern an der Grünendeicher Straße ein neues Zuhause gefunden. Foto: Stehr
Mario Geppert war zu diesem Zeitpunkt mit den Nerven am Ende, rechnete sich keine großen Chancen aus. Er erinnert sich deshalb noch genau an die Nachricht, die plötzlich auf seinem Telefon aufploppte. „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind unser neuer Mieter.“ Da saß Mario Geppert gerade am Bahnhof in Apensen und wollte von seiner Arbeit bei der Raisa zurück nach Stade fahren - in seine Wohnung ohne Heizung und Warmwasser.
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Der Umzug Ende März war für Mario Geppert noch einmal eine kleine Herausforderung. Seine Sachen musste er aus dem vierten Stock ohne Fahrstuhl heruntertragen. Umso größer ist die Freude jetzt. Auch, weil er nach wie vor nur wenig Miete zahlt. Für seine 55 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung mit Balkon werden 571 Euro fällig. Vorher waren es 534 Euro für 42 Quadratmeter. Beworben hat er sich mit einem Wohnberechtigungsschein für mittleres Einkommen.
Happy End für Mario Geppert und Egon Quednau
Noch ein bisschen mehr Glück hatte Egon Quednau. Der 68-Jährige war viele Jahre der Nachbar von Mario Geppert und suchte ebenfalls händeringend eine neue Wohnung. Mittlerweile lebt der Rentner eine Etage unter Mario Geppert und zahlt sogar fast 200 Euro weniger Miete als vorher. Statt 663 Euro für 53 Quadratmeter sind es jetzt 477 Euro für 48 Quadratmeter.
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Besonders freut sich Egon Quednau über seine Terrasse. Da wollen er und Mario Geppert bei schönem Wetter bald zusammen grillen und ihren Neuanfang feiern. Davon können die sechs verbliebenen Mieter in der Gründendeicher Straße 2 bisher nur träumen.
Mieterinnen leben unter unwürdigen Bedingungen
Dass hier überhaupt noch jemand lebt, ist beim Betreten des 40-Parteien-Hauses nur schwer vorstellbar. Das Gebäude wirkt verlassen, Briefkästen stehen offen, Müll liegt herum, es ist kalt und riecht modrig. Wer die Möglichkeit hatte, ist längst ausgezogen. Doch hinter einigen Türen harren noch immer Menschen aus.
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So wie die 71-jährige Heidi Krause. Die ehemalige Fabrikarbeiterin lebt wie berichtet seit 23 Jahren in dem Haus, hat ihre 58 Quadratmeter große Wohnung im sechsten Stock einst selbst renoviert und liebevoll eingerichtet. Zurzeit funktionieren bei ihr weder Heizung noch fließend Wasser. Bei der Suche nach einer neuen Wohnung habe sie bisher kein Glück gehabt, sagt die Rentnerin.
Auch, weil die neue Wohnung nicht zu teuer sein darf. Zuletzt zahlte das Sozialamt ihre Warmmiete in Höhe von 475 Euro. Aufgrund der desolaten Zustände in dem Haus werde aber seit Februar kein Geld mehr an den Vermieter überwiesen, sagt Heidi Krause. Das habe ihre Anwältin in die Wege geleitet.

Silke Kurth (links) und Heidi Krause leben seit Monaten ohne Heizung im Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2. Beide suchen händeringend eine neue Wohnung. Foto: Stehr
Ein paar Stockwerke tiefer lebt seit sechs Jahren Silke Kurth, gemeinsam mit einem Hund und zwei Katzen. Die 60-jährige Bürgergeldempfängerin ist mit Heidi Krause befreundet. Zusammen verbringen die beiden Frauen häufig den Tag - beim konstanten Summen des Heizlüfters. Strom gibt es noch im Haus. Auch das Wasser läuft noch in Silke Kurths Wohnung, aber nur kalt.

Silke Kurth zeigt den Schimmel in ihrer Küche. Foto: Stehr
Die Wände sind mit Wasser- und Schimmelflecken übersät. Weil es im Schlafzimmer besonders schlimm ist, hat Silke Kurth ihr Bett im Wohnzimmer aufgebaut. „Ich bin lungenkrank und müsste eigentlich sofort hier raus“, sagt sie. Doch sie wisse nicht, wohin. Mit Haustieren sei es besonders schwer, eine Wohnung zu finden.

Silke Kurths Wohnung ist voller Wasser- und Schimmelschäden. Foto: Stehr
Vom aktuellen Vermieter haben weder Silke Kurth noch Heidi Krause in den vergangenen Monaten etwas gehört. Dass das Haus bald fertig saniert ist, glauben die Frauen nicht. Seit zwei Wochen herrsche Baustopp. Die Arbeiter hätten ihre Materiallager abgebaut.
Vermieter äußert sich nicht zur Situation
Auf eine TAGEBLATT-Nachfrage diesbezüglich hat die MMK Grundbesitz II eGbR aus Ahrensburg bisher nicht reagiert. Sie ist seit 2025 Eigentümerin der Immobilie Grünendeicher Straße 2. Im selben Jahr begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten in dem heruntergekommenen Haus. Anfang Dezember 2025 fiel die Heizung aus. Die Stadt Stade hatte den Mietern im Winter zwischenzeitlich angeboten, in eine Gemeinschaftsunterkunft zu ziehen.
In der Pflicht, die Zustände zu verbessern, steht nach wie vor der Vermieter. „Hier wird es aber immer nur noch schlimmer“, sagt Heidi Krause.

Schimmelbefall in Silke Kurths Wohnung.
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