TZeitreise: Stader Sammler lebt seinen amerikanischen Traum
Sammler Christian hat auf seinem Hof unzählige Stücke aus vergangenen Zeiten liebevoll arrangiert und fährt sechs Oldtimer. Foto: Stehr
So etwas gibt’s sonst nur im Museum zu bestaunen: Die Sammlung eines Stader Oldtimer-Liebhabers sucht ihresgleichen. So wie all seine Stücke ist auch Christian ein Original.
Stade. Unzählige farbenfrohe Blechschilder hängen an den Garagenwänden, etliche bunte Öldosen und Modellautos stehen in den Regalen und Vitrinen, außerdem parken hier mehrere Ami-Schlitten aus den 1950er Jahren. Wer die Welt von Christian betritt, ist nach einer herzlichen Begrüßung erst mal vollkommen reizüberflutet.
Er liebt alles, was alt und schön ist
„Das ist mein ganz persönlicher Museumshof. Ich liebe alles, was alt und schön ist“, sagt der 56-Jährige mit einem Funkeln in den Augen. Sein Blick schweift dabei über Tausende Exponate, die er seit seiner Kindheit zusammengetragen hat. Obwohl er immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und gerne schnackt - Überraschungsgäste sind nicht sein Ding.

Völlige Reizüberflutung. Wer das Reich von Sammler Christian betritt, weiß nicht, wo er zuerst hingucken soll. Foto: Stehr
An dieser Stelle sollen deshalb weder sein Nachname noch sein genauer Wohnort erwähnt werden. Seine schönsten Schätze stellt der Sammler mit dem Faible für vergangene Zeiten dafür umso lieber vor. Sie sind sein ganzer Stolz.

Auf diese Tanksäule ist Christian besonders stolz. Sie stammt aus dem Jahr 1935 und stand einst neben einem Wolkenkratzer in New York. Foto: Stehr
So wie die alte Tanksäule, Baujahr 1935, die einst an einem Wolkenkratzer in New York ihren Dienst tat. Oder die roten Coca-Cola-Kühlboxen aus der Vorkriegszeit. Passend dazu stehen in Christians Reich auch vier Sechserträger mit Cola-Flaschen in einer Original-Holzkiste. Nur der Flascheninhalt ist ein Fake.

Diese Kühlbox stammt noch aus der Vorkriegszeit. Die Colaflaschen standen einst zu Dekozwecken im Hertie-Kaufhaus in Stade. Der Inhalt: braunes Wasser statt echter Cola.
„Da ist bloß braunes Wasser drin“, verrät Christian. Die Flaschen hätten einst zu Deko-Zwecken im Schaufenster des alten Hertie-Kaufhauses in Stade gestanden und stammen von Ex-Abteilungsleiter Reiner Klintworth. Auch andere Sammlerstücke kommen aus der Region.

Neue Teile für seine Sammlung findet Christian auf Flohmärkten oder auf dem Online-Portal Kleinanzeigen. Die Zapfsäulen hat er in Oederquart ergattert. Foto: Stehr
Zwei alte Shell-Tanksäulen hat Christian vor einigen Jahren von einer Tankstelle aus Oederquart abgeholt. Er brauchte sie für seine nachgebaute US-Tankstelle im Stil der 1950er Jahre, lackierte sie dafür von Gelb auf Rot. Über eine ähnliche Nostalgie-Tankstelle hat das TAGEBLATT erst kürzlich berichtet. Sie steht bei Michael Bargsten in Stade-Hagen. Die beiden Oldtimer-Fans sind befreundet.
Neumodischer Schnickschnack kommt ihm nicht ins Haus
Genau wie „Michi“ hält Christian nichts von Smartphones und guckt morgens lieber auf den dunkelblauen Originallack seines 68 Plymouth als aufs Handy. Neumodischem Schnickschnack kann er nichts abgewinnen.

„Jede Schramme und jede Beule erzählt eine Geschichte“, sagt Christian. Sein 59er Dodge hat wie alle seine Fahrzeuge noch den Originallack. Foto: Stehr
Christian fährt insgesamt sechs Oldtimer, darunter auch noch ein gelber Chevrolet-Pick-up Baujahr 1959, ein weißer 59er Dodge und ein 66er Mustang in Babyblau. Die Fahrzeuge haben - genau wie fast alle anderen Sammlerstücke von Christian - eines gemeinsam.

„Bei gutem Wetter gibt es nichts Geileres, als mit dem Pick-up zu fahren“, sagt Christian. Foto: Stehr
Sie sind unrestaurierte, funktionstüchtige Originale. „Ohne Patina kein Charme und keine Seele“, sagt Christian. Für ihn erzählen jede Schramme im Lack und jede Beule eine Geschichte.

Patina im Pick-up-Truck. Foto: Stehr
Oldtimerrallyes, bei denen Autobesitzer ihre geschniegelten Prachtstücke präsentieren, sind deswegen nichts für ihn. Stattdessen war er gerade mit einer Gruppe Gleichgesinnter bei einem Oldtimertreffen für amerikanische Fahrzeuge in Schweden mit 12.000 US-Autos.
T Rollende Raritäten mit besonderer Automobilgeschichte
In der Szene ist Christian gut vernetzt, trifft sich einmal in der Woche mit anderen Oldtimerfreunden aus Stade und Umgebung. Die bittet er auch um Hilfe, wenn an seinen Autos mal was kaputtgeht.
Sogar im Wohnzimmer stehen Oldtimer
Obwohl er am liebsten in Arbeitslatzhose rumläuft, sei er nämlich kein Schrauber, sagt Christian, der sich selbst als Privatier bezeichnet. Er habe einfach Spaß am Fahren und am Arrangieren seiner Sammlerstücke. Das merken auch alle, die Christians Wohnzimmer betreten.

„Für mich ist das ganz normal“, sagt Christian über den Messerschmitt Kabinenroller Baujahr 1956, der mitten in seiner guten Stube parkt. Foto: Stehr
Dort parkt - mitten im Raum - ein Messerschmitt Kabinenroller Baujahr 1956. Gekauft hat Christian das skurrile Gefährt vom Autoexperten und Moderator Detlef Müller, unter anderem bekannt aus „Grip – Das Motormagazin“.

Coca-Cola machte schon früh Werbung für kühle Getränke an der US-Tankstelle. Dieses Schild wurde 1939 gebaut. Foto: Stehr
Auch ein Rabeneick-Motorrad aus den 50er Jahren, ein historischer Cola-Automat, ein Coca-Cola-Schild von 1939, eine Jukebox, ein Flipper-Automat und eine originale American-Diner-Esstischgruppe stehen in Christians guter Stube.

Christians Esszimmer im American-Diner-Stil der 1950er Jahre. Foto: Stehr
Angefangen hat seine Sammelleidenschaft schon im Kindesalter. Während andere auf Süßigkeiten sparten, kaufte er von seinem Taschengeld Modellautos auf Flohmärkten. Sein erstes richtiges Auto war ein alter Manta A.

Im Flur hängt ein alter Zigarettenautomat - befüllt mit leeren Schachteln, die Christian über mehrere Jahre gesammelt hat.
Heute ist Christian am liebsten mit seinem Plymouth unterwegs, fällt aber auch oft mit seinen anderen Ami-Schlitten auf. „Bei gutem Wetter gibt es nichts Geileres, als mit dem Oldtimer zu fahren“, sagt er und strahlt. Er lebt seinen amerikanischen Traum - mitten in Stade.

Die Tankstelle hat sogar eine Angestellte. Die ist aber nicht so gesprächig, sagt Christian. Foto: Stehr

„Mit so was spielt heute keiner mehr“, sagt Christian über die fast 100 Jahre alte Lok. Sie wiegt 17 Kilo und wurde früher von Kindern ähnlich wie ein Bobbycar genutzt. Foto: Stehr

Christian sammelt alles, was „alt und schön“ ist.

Ein Deutz-Trettrecker aus dem Jahr 1958. Natürlich im Originalzustand. Foto: Stehr

Tony Sheridan, Billy Vaughn oder Elvis: Die Jukebox Baujahr 1956 spielt Hits aus der guten alten Zeit.

Nostalgie pur. Blick aus dem Pick-up-Truck zur alten Tankstelle. Foto: Stehr

Coca-Cola ist bei Christian allgegenwärtig. Ein Cola-Automat aus den 1950er Jahren steht in seiner Küche.

Vor sieben Jahren hat Christian auf seinem Hof eine Tankstelle im amerikanischen Stil der 1950er Jahre aufgebaut. Foto: Stehr
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