TZukunfts- oder Fantasieprojekt? Reaktionen aus Stade auf Proxima Fusion
Diese Stellaratorspule ist Teil eines Versuchsreaktors zur Kernfusion. Auch in Stade hätte sich womöglich ein Unternehmen mit einem solchen Vorhaben ansiedeln wollen, ging aber schließlich nach Bayern. Foto: Daniel Karmann/dpa
Stade wird nicht zum Standort des weltweit ersten Kernfusionsreaktors. Proxima Fusion plant das Projekt stattdessen in Bayern. Die Meinungen dazu gehen auseinander.
Stade. Daniel Friedl, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stader Rat
„Das wäre ein Leuchtturmprojekt für unsere Region gewesen. Wir wussten leider von nichts, sonst hätten wir uns intensiv für das Projekt starkgemacht. Ich bin entsetzt, wie unsere Landesregierung uns ins Stade durch so etwas langsam den Hahn abdreht“, sagt Daniel Friedl. Dass man dieses Thema anscheinend aus dogmatischen Gründen verpasse und den Bayern überlasse, mache ihn fassungslos. „Genau solche Aktionen lassen das Vertrauen in die Politik selbst in der Mitte der Gesellschaft schwinden.“
Kai Holm, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stader Rat
„Ich begrüße grundsätzlich die Ansiedlung zukunftsweisender Unternehmen in Stade. Die SPD-Fraktion hätte sich gerne hilfreich dafür eingesetzt, auch in Hannover“, sagt Kai Holm. Ob und inwieweit hier Chancen liegengelassen wurden, vermöge er momentan nicht seriös zu beurteilen. Dass das Thema Kernfusionstechnik nun nicht mehr diskutiert werden könne, sei ärgerlich.
Kai Holm. Foto: Anping Richter
Holm habe im Vorfeld nichts von den Plänen von Proxima Fusion gewusst und erst durch die CDU-Veröffentlichung und den TAGEBLATT-Artikel davon erfahren. Die städtische Kommunalpolitik sei nicht eingebunden gewesen.
T CDU: Niedersachsen blockiert Milliarden-Investition in Kernfusion in Stade
Enrico Bergmann, Vorsitzender der gemeinsamen Fraktion von FDP und UBLS und Bürgermeisterkandidat
„Dass Stade bei einem solchen Zukunftsprojekt offenbar nicht zum Zuge gekommen ist, ist bitter. Es geht um eine Milliardeninvestition, hoch qualifizierte Arbeitsplätze und die Chance, Stade zu einem führenden Standort für eine Schlüsseltechnologie zu machen“, sagt Enrico Bergmann.

Enrico Bergmann. Foto: privat
Mit einer Förderzusage von bis zu 400 Millionen Euro sei Markus Söder im Standortwettbewerb dazwischengegrätscht. Wer ihn in Stade feiern lasse, müsse auch erklären, welche Rolle Bayern bei der Entscheidung gegen Stade gespielt habe.
Karin Aval, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stader Rat
„Grundsätzlich präferieren wir den Ausbau erneuerbarer Energien und Batteriespeicher. Hier bietet sich potenziell eine Chance für die Wasserstoffproduktion auch an dem genannten Standort“, sagt Karin Aval. Es sei aber wünschenswert, Stade zu einem bedeutenden Forschungsstandort auszubauen.

Karin Aval von den Grünen. Foto: privat
Auch sie habe bisher nichts von den Plänen gewusst. Dass die Lokalpolitik erst eingebunden werde, wenn das Projekt fortgeschritten sei, sei aber ganz normal.
Tristan Jorde, Vorsitzender der Fraktion die Linke im Stader Rat und Bürgermeisterkandidat
„Gut, dass dieser Kelch an Stade vorübergegangen ist. Wer diese unsinnigen Megaprojekte als verpasste Chance betitelt, hat Grundsätzliches daran nicht verstanden“, sagt Tristan Jorde. Seit mehr als 70 Jahren werde der Öffentlichkeit vorgegaukelt, dass die Kernfusions-Technologie sicher, sauber und endlos sei und der kommerzielle und nutzbare Durchbruch dieser Technologie kurz bevor stehe.

Tristan Jorde. Foto: Linke
Statt weitere Milliarden in „Fantasieprojekte“ zu stecken, könne man mit einem Bruchteil der eingesetzten Gelder eine stabile, weitgehend auf nachhaltige Quellen setzende und mit Speichern abgesicherte Versorgung mit ökologisch sinnvoller Energie erzielen, so Jorde.
PreussenElektra, Betreiber des im Rückbau befindlichen Atomkraftwerks
„Es hat Gespräche und ein gemeinsames Interesse an der Prüfung des Standorts Stade gegeben“, teilt eine Sprecherin von PreussenElektra auf TAGEBLATT-Anfrage mit. Zu den Beweggründen eines Unternehmens für die getroffene Standortentscheidungen äußere sich das Unternehmen nicht. Für PreussenElektra bleibe entscheidend, den Standort Stade technologieoffen als Energiepark weiterzuentwickeln und attraktive Voraussetzungen für künftige Energieprojekte zu schaffen. „Bis zu einer endgültigen Entscheidung für diesen Zukunftsstandort stehen wir für weitere Gespräche bereit.“
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