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Frühjahrsflohmarkt

TZum Muttertag auf Schnäppchenjagd in Stade: Kunst, Krempel und Klamotten

Louise Kuster geht mit ihrer Mutter Frauke zum Muttertag auf den Flohmarkt.

Louise Kuster geht mit ihrer Mutter Frauke zum Muttertag auf den Flohmarkt. Foto: Felsch

Ein Streifzug über den Frühjahrsflohmarkt: Was in der Stader Innenstadt los war und warum es sich lohnt, auch am Sonntag früh aufzustehen, verraten Käufer und Verkäufer.

Von Franziska Felsch Sonntag, 10.05.2026, 13:50 Uhr

Stade. Auf dem Platz Am Sande, rund um den Pferdemarkt und entlang der Hökerstraße verwandelte sich Stade am Sonntag in einen riesigen Hökermarkt. Hatte das Magazin der Spiegel 2023 noch getitelt „Tod der Trödler“ durch die immer stärker werdende Konkurrenz aus dem Internet, sieht es zumindest in Stade nicht danach aus.

Bereits vor 8 Uhr konnten Besucherinnen und Besucher schauen und feilschen. Wahre Schnäppchenjäger scharren sinngemäß schon vor der offiziellen Eröffnung mit den Hufen und kommen dann, wenn die Händler noch aufbauen.

Dichtes Gedränge kurz nach 8 Uhr auf dem Platz Am Sande.

Dichtes Gedränge kurz nach 8 Uhr auf dem Platz Am Sande. Foto: Felsch

Die richtigen Flohmarktfreaks machen sich in aller Herrgottsfrühe auf den Weg. Die Vorteile sind: Man kann einen freien Parkplatz nah beim Geschehen ergattern, so dass man schwere und große Artikel nicht weit schleppen muss, und die Auswahl ist zu Beginn des Markts noch am größten. Erfahrene Flohmarktgänger wissen das.

Ausflug zum Muttertag

So wie Louise Kuster. „Seit meiner Kindheit machen wir das immer zum Muttertag, das ist Tradition bei uns, früher waren noch mehr weibliche Mitglieder der Familie dabei“, erzählt die 27-Jährige gut gelaunt. Die Staderin hat erst ein paar Kleinigkeiten in der Tasche. „Aber es lohnt sich auf alle Fälle, früh hier zu sein, dann sind die Tische noch voll“, fügt ihre Mutter Frauke hinzu.

Schauen, prüfen und kaufen: Auch in den Nebenstraßen war viel los.

Schauen, prüfen und kaufen: Auch in den Nebenstraßen war viel los. Foto: Felsch

„Normalerweise schau ich für meinen Enkel, aber alles nicht das Passende, jetzt versuch ich, für meinen Mann eine Jacke zu finden“, seufzt eine 72-jährige Staderin. So richtig zufrieden ist sie nicht - angesichts des übergroßen Angebots kaum nachvollziehbar.

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Kurz nach 8 Uhr geht das Geschiebe und Gedränge richtig los. Passionierte Flohmarktgänger sind zu erkennen an den großen Taschen eines schwedischen Möbelhändlers oder am „Kartoffelmercedes“, den sie hinter sich herziehen. Aus einem dieser praktischen Einkaufswagen lugt ein Ölgemälde heraus, soweit erkennbar eine bunte Landschaft in einem goldfarbenen Rahmen.

Schleichfiguren und Spielzeug

„Dekoartikel sind der Renner“, weiß Sarah Oberdick, die vor allem Baby- und Kinderkleidung anbietet. Sie verkauft nicht nur auf Flohmärkten oder bei Kleinanzeigenportalen und über WhatsApp-Gruppen, sondern kauft dort auch selbst ein. Das sei nachhaltig und mache Spaß. Ihre Kundschaft beschreibt sie so: „Die meisten wollen handeln, das gehört dazu, aber wir werden uns eigentlich immer einig, nur die wenigsten sind unverschämt.“

Einen Laufwagen hat Annika Delger ergattert.

Einen Laufwagen hat Annika Delger ergattert. Foto: Felsch

Seit 7 Uhr ist Annika Delger aus Drochtersen unterwegs. Mit routiniertem Blick scannt sie die ordentlich ausgelegten Waren. Einen rosafarbenen Laufwagen hat sie für kleines Geld ergattert. Etwas Bestimmtes stehe nicht auf ihrem Einkaufszettel. „Einfach mal sehen, was mir noch so begegnet“, meint sie.

Mildred Wölbern sucht gezielt nach Schleichfiguren.

Mildred Wölbern sucht gezielt nach Schleichfiguren. Foto: Felsch

Mildred Wölbern kommt aus dem Geestland und ist das, was man eine passionierte Flohmarktgängerin nennen kann. Sie selbst bezeichnet sich als Jägerin und Sammlerin. Kein Sonntag ohne Flohmarkt.

Auf der Suche nach Pokémons und Porzellan

Dafür steht sie gern früh auf. An diesem Morgen um 5.45 Uhr. Die 47-Jährige ist gezielt auf der Suche nach Pokémon-Karten, Goebelporzellan und Bakalet-Würfeln aus der DDR, die aufgrund ihres besonderen Materials nicht gerade billig sind.

Vielleicht hat sie ja wieder Glück, so wie vor einigen Jahren, als sie eine ganz alte Schleichfigur, die etwa 150 Euro wert ist, für 4 Euro bekam. „Nicht jeder weiß, wie viel die wert sind, es ist ratsam, sich schlauzumachen“, empfiehlt Mildred Wölbern, die selten im Internet etwas erwirbt. „Nur, wenn ich dort hinfahren kann, um zu prüfen, ob die Figuren Risse haben“, erklärt sie. Der direkte Kontakt auf den Flohmärkten, die Atmosphäre, das ist das, was sie liebt.

Vintage-Dosen von Langnese

Jens Klintworth aus Stade-Hagen liebt Heinz Erhard. Er packt die DVD schnell in seine Tasche. „Das verstehen vielleicht nicht viele, aber ich finde den toll“, meint er fast entschuldigend, bevor er sich weiter auf die Suche nach CDs und DVDs macht.

Jens Klintworth freut sich über die Heinz-Erhard-DVD.

Jens Klintworth freut sich über die Heinz-Erhard-DVD. Foto: Felsch

Stolz zeigt Lars Pluschke seine Errungenschaft: eine Blechdose von Langnese Honig aus den 60er Jahren für 13 Euro. „Die ist für meine Mutter zum Muttertag“, freut sich der Bremervörder, der auch zu den ersten Besuchern des Tages gehört. Aber nicht der Schnäppchen wegen: „Ich konnte nicht schlafen, daher bin ich so rechtzeitig hier.“

Eine alte Blechdose von Langnese hat Lars Pluschke gefunden.

Eine alte Blechdose von Langnese hat Lars Pluschke gefunden. Foto: Felsch

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