TAbschied vom Hofcafé in Ruschwedel: Wie es dort weitergeht
„Kleiner Lieblingsplatz“ heißt der Eiswagen, der mittwochs in Ruschwedel sowie auch auf Märkten und Stadtfesten steht. Foto: Carina Christiansen
Schweren Herzes hat sich Carina Christiansen zur Schließung ihres beliebten Cafés nach zehn Jahren entschlossen. Der Grund dafür und was die Gastronomin vorhat.
Ruschwedel. „Viele können es noch nicht glauben“, sagt Carina Christiansen. Doch ihr Entschluss steht fest. Nach zehn erfolgreichen Jahren hat sie ihr Hofcafé Lieblingsplatz in Ruschwedel geschlossen. „Ich verabschiede mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt die 34-Jährige. Sie habe in der Zeit viel Spaß gehabt und ihren Traum verwirklicht und den Betrieb immer mit Herzblut geführt.
Tische und Stühle vom Café Lieblingsplatz stehen zum Verkauf bereit. Foto: Laudien
Wo einst gesellige Kaffee- und Frühstücksrunden stattfanden, zeigt sich jetzt ein eher trauriges Bild. Auf einem Schild an der Eingangstür steht „Alles muss raus“. Das Inventar soll am Samstag. 3. Oktober, von 10 bis 16 Uhr, bei einem Café-Flohmarkt verkauft werden - als Andenken für Stammgäste oder nützliches Zubehör.
In den leeren Räumen, die früher liebevoll eingerichtet waren, stapeln sich die stillen Zeugen der Gastro-Ära: Mit den Backformen wurden etliche Torten gebacken, die maßgeblich zur Beliebtheit des Cafés beitrugen; mit den Gläsern und dem Geschirr wurde gefeiert und mit den vielen Etageren, die jetzt zum Verkauf stehen, wurden den Gästen je nach Wetterlage im Café, auf der Terrasse oder im Garten Frühstücksvarianten serviert.
Zwei Dinge liegen ihr besonders am Herzen
Von zwei Dingen möchte sich die Gastronomin aber keinesfalls trennen: Der rustikale Holztisch und die Werkbank, auf der das süße Frühstücksbüffet angerichtet wurde, sollen künftig in ihrem Privathaus einen Platz haben. „Daran hängt mein Herz ganz besonders.“

Von Backformen bis zu Isolierkannen - das gesamte Inventar soll beim Flohmarkt am morgigen Samstag verkauft werden. Foto: Laudien
In den letzten Wochen seien viele der Stammkunden, darunter etliche von außerhalb - aus Zeven, Bremervörde und Rotenburg - noch mal da gewesen, um sich persönlich zu verabschieden. Doch viele verstünden die Schließung des Cafés einfach nicht, berichtet Christiansen. Auch in Ruschwedel und beim Einkaufen in Harsefeld werde sie immer wieder darauf angesprochen. Daher möchte sie sich für den TAGEBLATTT-Bericht auch nicht fotografieren lassen. Die Entscheidung zur Schließung habe sie sich nicht leicht gemacht und hofft auf das Verständnis der Gäste.
Mehr Zeit für die Familie
Bei einer 50-Stunden-Woche, auch an Wochenenden und Feiertagen, und Verantwortung rund um die Uhr sei nur noch wenig Zeit für das Privatleben geblieben, begründet die Gastronomin ihre Entscheidung. Künftig möchte sie keine Doppelbelastung, sondern sich mehr ihrer Familie widmen. Ihre Kinder seien quasi im Café aufgewachsen und mittlerweile vier und sieben Jahre alt. „Wir haben die Entscheidung in der Familie getroffen.“
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Auf dem elterlichen Hof in Ruschwedel räumen Carina Christiansen und Mutter Annegret Poppe momentan das Café komplett aus. „Es ist sehr emotional, denn in den letzten zehn Jahren ist hier viel passiert, die Startphase, Corona, zwei Schwangerschaften meiner Tochter“, sagt Poppe, die etliche Torten für das Café gebacken hat. „Ich kann mich noch gut an die Eröffnung erinnern“, erzählt Tochter Carina. „Mama war nicht da und musste ganz schnell nach Hause kommen, weil kein Kuchen mehr da war. Es ging von null auf hundert, teils kamen die Gäste in Massen und wir mussten funktionieren.“
Von Sylt zurück nach Ruschwedel
Schon mit 14 Jahren hat Carina Christiansen in der Gastronomie gearbeitet. Anfangs bei der Vogel- und Kleintierbörse von Günter Poppe in Ruschwedel, im Café Möwennest im Alten Land, in Stade und dann auf Sylt. Dort absolvierte sie ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau. Vier Jahre lebte sie auf der Nordseeinsel, sorgte in Hotels, Bars und bei großen Veranstaltungen mit Prominenten für das Wohl der Gäste.
Mit 24 Jahren kam sie zurück nach Ruschwedel, um ihren Traum vom eigenen Café zu verwirklichen. „Wir haben unser Wissen als Hauswirtschaftsleiterin und Hotelfachfrau in einen Topf geschmissen“, sagt ihre Mutter. Eine Unternehmensberatung habe sie bei der Gründung unterstützt. Das entscheidendende Erfolgsrezept: Viele Torten backen.
Wo der Eiswagen zu finden ist
Vergangenes Jahr wurde ein Eiswagen angeschafft, den Carina Christiansen auch weiterhin betreiben wird. Er öffnet mittwochs ab 14 Uhr auf dem Hof in Ruschwedel. Die Eissorten variieren je nach Saison, und in der kalten Jahreszeit gibt es Waffeln, Punsch und Glühwein.
Zudem kommt der „kleine Lieblingsplatz“ auch auf Stadtfesten zum Einsatz und kann gemietet werden. Ab Ende November steht er beim Tannenbaumverkauf auf dem Hof von Günter Poppe in Ruschwedel.
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