TAltländer klagen über Dumpingpreise: Handelskonzerne verramschen Obst
Gemeinsam bei den Obstbautagen: Claus Schliecker, Albert Stegemann, Altländer Blütenkönigin Ella Weilert, Dr. Marco Mohrmann und Landrat Kai Seefried (von links). Foto: Vasel
„Wir wollen unsere Zukunft gestalten“: Mit diesen Worten eröffnete der Bundesvorsitzende der Obstbauern, Claus Schliecker, den Verbandstag. Die Lage sei extrem angespannt.
Jork. Die Produktionskosten seien in den vergangenen fünf Jahren um 25 Prozent gestiegen - vor allem durch höhere Arbeitskosten. Ein 30-Hektar-Betrieb muss allein durch die Mindestlohn-Steigerung mit Mehrkosten von 40.000 Euro rechnen. Bei Durchschnittspreisen von 50 Cent pro Kilogramm für Tafelware konnten in der ersten Saisonhälfte „nicht einmal im Ansatz die Produktionskosten gedeckt werden“. Die liegen laut Obstbauzentrum bei 62 Cent/Kilo.
Volles Haus bei den Obstbautagen in Jork. Foto: Vasel
Weil die schwarz-rote Bundesregierung bislang keine Risikoausgleichsrücklage einführen will, sind die Obstbauern aktuell doppelt gekniffen. Steuervorauszahlungen basieren auf dem guten Apfeljahr 2024/2025. Die 500 Familienbetriebe hoffen jetzt, dass die zweite Hälfte die Wende bringt. Die Qualität der Lager-Äpfel sei gut.
Höchst ärgerlich sei, dass der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) die Anbaugebiete gegeneinander ausspiele und bei Aktionen drei Kilogramm Äpfel zum Dumpingpreis von 1,49 Euro verramsche. LEH und Verbraucher müssten endlich die hohen Sozial- und Umweltstandards würdigen.
Agrarministerin auf Stippvisite
Schliecker setzt auf Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Er hofft, dass dieser Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) überzeugt, die Förderung aus EU-Mitteln bei der Mehrgefahrenversicherung auf die Obstbauern auszudehnen. In anderen EU-Staaten, aber auch in Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen erhalten Bauern einen Zuschuss von bis zu 70 Prozent. Für die vom Hagel geplagten Altländer gibt es keinen Cent aus Staudtes Kasse.
Altes Land
T Obstbauern kämpfen mit massiven Mehrkosten
Schliecker appellierte an das Land, sich endlich hinter den Obstbau zu stellen. Immerhin: Die Ministerin tauchte am Mittwoch bei einer Stippvisite auf der Rückreise von der Biofach in Nürnberg kurz bei der Messe auf. Schliecker und der Vorsitzende des Öko-Obstbau Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring, Christian Jackisch, lobten, dass die Ministerin den Aufbau eines ÖON-Versuchsbetriebs an der Esteburg mit 700.000 Euro anschieben will.
Von der Forschung werde auch der Integrierte Obstbau profitieren. Der Förderbescheid soll im August vor den Kommunalwahlen übergeben werden. Der Bundes- und Landesvorsitzende der Fachgruppe Obstbau forderte, bei Förderprogrammen von Bund und Land die Integrierte Produktion nicht zu vergessen - etwa über eine Flächenprämie für Biodiversitätsleistungen.
Schliecker: Den 5500 deutschen Obstbaubetrieben läuft die Zeit weg
80 Prozent der Betriebe setzen auf die Integrierte Produktion. Ihr nachhaltig produziertes Obst sei „so gesund wie Bio“, auch bei der Biodiversität gebe es keine gravierenden Unterschiede. Der Obstbau habe große Hoffnungen auf die neue Bundesregierung gesetzt. „Der Euphorie folgte die Ernüchterung“, so Schliecker. Den 5500 deutschen Obstbaubetrieben, für die Ernährungssicherheit unverzichtbar, laufe die Zeit weg.

CDU-Fraktionsvize Albert Stegemann stellte sich hinter die Forderungen der Obstbauer, doch die Partei regiere in Berlin nicht allein. Foto: Vasel
Notwendig sei eine Verbesserung der Pflanzenschutzmittel-Zulassung. Er forderte den Vize und Agrarpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann, auf, sich für eine Drittstaaten-Lösung einzusetzen, damit Erntehelfer aus Asien und Afrika eingesetzt werden können. Die könnten bislang nur sortieren, aber nicht pflücken. Bei Mindestlohn müsse es Ausnahmen für Erntehelfer geben. Ein Rechtsgutachten soll Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) überzeugen.
Stegemann machte den Altländern wenig Hoffnung. Der Mindestlohn sei für die SPD eine heilige Kuh. Bei der Risikoausgleichsrücklage werde er in Berlin „einen neuen Vorstoß wagen“ - und sich auch für eine wissenschaftsbasierte Pflanzenschutzmittel-Zulassung starkmachen.
Dr. Marco Mohrmann, Agrarpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, übte Kritik an der rot-grünen Politik, einen Öko-Ausgleich für den Deichbau zu verlangen. Das will die CDU streichen, er forderte unter großem Beifall mehr Tempo: „Deichbau ist Menschenschutz.“
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