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Schifffahrt

TAltländer warnen mit Blick auf die Indian Ocean weiter vor Havariegefahr

Das Regionale Bündnis gegen die Elbvertiefung warnte bereits im Februar 2016 vor weiteren Havarien.

Das Regionale Bündnis gegen die Elbvertiefung warnte bereits im Februar 2016 vor weiteren Havarien. Foto: Vasel

Das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung ist weiter in Sorge, das Havariekommando sieht sich hingegen gerüstet für Unfälle auf der Elbe. Das ist ihre Meinung.

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Von Björn Vasel
Dienstag, 03.02.2026, 11:00 Uhr

Altes Land. Das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung geht einen Schritt weiter. „Die großen Schiffe haben auf der Elbe nichts zu suchen“, sagt Inge Massow-Oltermann. Die Fahrrinne in der Elbe sei „nicht breit genug“ für die Mega-Schiffe. Die internationalen Vorgaben für Mindestbreiten würden weiterhin nicht eingehalten. Sie verweist auf Aussagen des früheren Leiters der Sonderstelle des Bundes zur Bekämpfung von Meeresverschmutzungen, den kürzlich verstorbenen Klaus Schroh.

„Sind 2016 nur knapp einer Katastrophe entgangen“

Die ehemalige Bürgermeisterin von Grünendeich mahnt eine norddeutsche Hafenkooperation an. Sie wohnt direkt am Deich nahe des Lühe-Anlegers. „Wir sind 2016 nur knapp einer Katastrophe entgangen - ökologisch und ökonomisch“, sagt die Altländerin. Aus den Havarien der vergangenen Jahre auf der Elbe hätten die Regierungen in Berlin, Hamburg und Hannover nichts gelernt. Nur durch das Geschick der Lotsen sei durch Notankerungen nicht mehr passiert.

Unter Führung des Havariekommandos wird die Indian Ocean am 9. Februar 2016 freigeschleppt.

Unter Führung des Havariekommandos wird die Indian Ocean am 9. Februar 2016 freigeschleppt. Foto: Vasel

In das gleiche Horn stößt auch der Sprecher des Regionalen Bündnisses, Walter Rademacher. Er und Massow-Oltermann verweisen auf die Havarie der Ever Given, die 2021 den Schiffsverkehr im Suezkanal (Ägypten) für sechs Tage zum Erliegen brachte. Und die Ever Forward lag 2022 sogar 35 Tage in der Chesapeake Bay vor Baltimore (USA) fest.

Konzepte zum Abladen (Leichtern) fehlten. Der Bergungskran sei ein Ansatz. Doch Rademacher vertritt die Auffassung, dass eine weitere wichtige Lehre aus der Havarie von 2016 nicht gezogen worden sei.

Das Bündnis habe und mache sich für eine Schlepperpflicht ab/bis Cuxhaven für die großen Pötte stark. Das allerdings sei mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe nicht zu machen. Das lehnt eine Schlepperpflicht ab. „Kostengründe sollten nicht Vorrang vor Sicherheit haben“, betont Rademacher. Hamburg und Bund befürchten, dass sich die Fahrt so stark verteuern würde, dass weitere Reeder den Hamburger Hafen nicht mehr anlaufen würden.

Havariekommando sieht sich für Ernstfall gerüstet

Auch das Havariekommando in Cuxhaven, eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer, teilt die Kritik nicht. Die Behörden seien vorbereitet, unterstreicht Malin Stute vom Havariekommando. Bei einer komplexen Schadenslage übernimmt dieses das Kommando. Es gebe „abgestimmte Notfallkonzepte“. Diese würden regelmäßig angepasst.

Im Notfall hätten sie Zugriff auf die Schiffe und Einsatzkräfte des Bundes und der Küstenländer - auch auf die Schiffsbrandbekämpfungseinheit der Feuerwehr der Stadt Stade. Bei einer Havarie mit Feuer würde das Havariekommando auf Teams von speziell ausgebildeten Feuerwehrleuten - sogenannte MIRGs (Maritime Incident Response Groups) zugreifen. Diese sind bei acht Berufsfeuerwehren entlang der deutschen Küste stationiert; unter anderem gibt es MIRG bei den Feuerwehren Cuxhaven, Bremerhaven und Hamburg.

Mit einem Hubschrauber der Bundespolizei, der dem Havariekommando 24/7 zur Verfügung steht, können diese Teams in kurzer Zeit auf ein havariertes Schiff oder auf ein Schiff in der Nähe gebracht werden.

Auch die als Notschlepper ausgelegten, mit Feuerlöschtechnik ausgestatteten Mehrzweckschiffe Neuwerk und Mellum und der Notschlepper Nordic der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung und die Ölbekämpfungsschiffe der Küstenländer kämen zum Einsatz.

Ein Schwimmkran ist für die Behörden weiter die zweite Wahl. Besser und schneller sei es, mit der Hilfe von Tide, Wind, Baggern und Schleppern die Havaristen freizubekommen. Das Abladen auf dem Fluss sei zu zeitaufwendig. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes ließ eine Anfrage unbeantwortet.

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