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Tulpenzucht

TBlumendiebe werden immer dreister - auch in Apensen

Heinrich Dammann mit der diebstahlsicheren Betonkasse, die seine Auszubildende mit Blumen bemalt hat.

Heinrich Dammann mit der diebstahlsicheren Betonkasse, die seine Auszubildende mit Blumen bemalt hat. Foto: Laudien

Ausgebuddelte Tulpenzwiebeln, Blumendiebstahl und aufgebrochene Kasse - was ein Landwirt in Apensen erlebt und wie er jetzt dagegen vorgeht.

Von Susanne Laudien Dienstag, 05.05.2026, 05:50 Uhr

Apensen. Hohe Energiekosten, gestiegene Produktions- und Transportkosten sowie eine schlechte Tulpenzwiebelernte haben seit Anfang des Jahres die Blumenpreise in die Höhe getrieben. Schnittblumen sind im Vergleich zu den Vorjahren teils 20 bis 30 Prozent teurer geworden.

Spektakuläre Fälle von Blumenklau in Stadtparks

Floristen zeigen sich bereits besorgt. In der letzten Zeit häufen sich zudem Berichte über Diebstähle von Tulpenzwiebeln auf öffentlichen und privaten Grundstücken. Es gab sogar spektakuläre Fälle, in denen Tausende Zwiebeln aus Stadtparks, etwa in Luckau, Fulda und Wittstock direkt aus der Erde gestohlen wurden. Bei Selbstpflückfeldern wurden ebenfalls häufiger Tulpen samt Zwiebeln mitgenommen, ohne dafür zu bezahlen.

Auch an den Blumenfeldern in Apensenf treiben Blumendiebe ihr Unwesen. Vorfälle, wo Tulpen samt Zwiebeln ausgebuddelt wurden, hat Landwirt und Blumenzüchter Heinrich Dammann bislang eher selten mitbekommen.

Alte Zwiebeln bringen keine kräftigen Blüten

Dammann berichtet, dass er jedes Jahr eine bunte Mischung mit neuen Zwiebeln nachpflanzt, da aus den alten Zwiebeln meistens keine so prächtigen Blumen mehr wachsen. Alle Zwiebeln erhält er von einem Spezialisten im Anbau von Blumen für Selbstpflückfeldern aus Freiburg im Breisgau, der sich nicht ohne Grund inzwischen auch auf diebstahlsichere Kassen an Selbstpflückfeldern spezialisiert hat.

Dammann betreibt seit über zwanzig Jahren neben Milchviehhaltung und Ackerbau seine Blumenfelder in Apensen und Grundoldendorf. Sie sind für den Landwirt eine zusätzliche Einnahmequelle, die sich bislang, trotz Arbeitseinsatz und Investition in die teurer gewordenen Blumenzwiebeln bislangn noch rechnet, so der Landwirt.

Jeder dritte pflückt Blumen, ohne sie zu bezahlen

Immer öfter kommt es jedoch an den Blumenfeldern in Apensen vor, dass Leute die Blumen pflücken ohne diese zu bezahlen. Insgesamt schätzt Dammann die Quote der Nichtzahler auf über ein Drittel der Kunden.

Das Ehepaar Schulze, das am Blumenfeld in Apensen des öfteren anhält, um dort Blumen frisch vom Feld zu pflücken, schildert, dass es erst kürzlich wieder beobachtet habe, wie eine Frau mit einem großen Strauß Tulpen direkt in ihr Auto einstieg und wegfuhr, ohne die Blumen an der Kasse zu bezahlen.

Schlechte Erfahrungen mit Pflanzendieben: Das Buxtehuder Ehepaar Schulze und Landwirt Heinrich Dammann am Tulpenfeld in Apensen.

Schlechte Erfahrungen mit Pflanzendieben: Das Buxtehuder Ehepaar Schulze und Landwirt Heinrich Dammann am Tulpenfeld in Apensen. Foto: Laudien

„Die Leute werden immer dreister. Selbst in unserem eigenen Vorgarten wurden Pflanzen aus einem Kübel entwendet“, berichten die Buxtehuder. „Wir haben jetzt einfach einen Draht um die Pflanzen gewickelt, damit sie nicht so leicht rausgerissen werden können.“

Kasse aufgeflext und Einnahmen gestohlen

Noch viel drastischer ist für den Apenser Landwirt, der mit großer Leidenschaft in seine Blumenfelder investiert und dort jetzt für die Kunden sogar eine Sitzbank aufgestellt hat, wenn die kompletten Einnahmen entwendet werden. „Mehrmals wurde die Kasse aufgebrochen. Beim letzten Mal haben die Diebe sie einfach aufgeflext und das Geld geklaut“, schildert Dammann.

Diebstahlsicher und mit schmalem Geldschlitz: Die Betonkasse am Blumenfeld in Apensen. Ein gleiches Modell wird in Grundoldendorf aufgestellt.

Diebstahlsicher und mit schmalem Geldschlitz: Die Betonkasse am Blumenfeld in Apensen. Ein gleiches Modell wird in Grundoldendorf aufgestellt. Foto: Laudien

Doch dieser kriminellen Methode hat der Landwirt einen Riegel vorgeschoben. Die Kasse steckt jetzt in einem großen Betonklotz mit einem Schlitz zum Einwurf der Cent- und Euro-Beträge für die gepflückten Blumen. „Aufbrechen ist zwecklos und der Schlitz ist so schmal, dass hier auch keiner mehr das Geld rausfischen kann“, sagt Dammann.

Seine Auszubildende hat den grauen Betonquader mit bunten Blumen bemalt. An dem Blumenfeld in Grundoldendorf soll in den nächsten Tagen die gleiche diebstahlsichere Kasse aufgestellt werden.

Auf Dammanns Blumenfeldern zum Selberpflücken blühen momentan Tulpen in unterschiedlichen Reifegraden. „So biete ich für meine Kunden möglichst lange eine Tulpenpracht von ausgewachsenen Blüten bis zu jungen Knospen, die in den nächsten Tagen aufgehen werden.“

Pfingstrosen, Sonnenblumen und Lilien folgen

Dammann hat neue Pfingstrosen gepflanzt und unter einem Vlies sprießen schon Sonnenblumen. In den kommenden Monaten blühen Lilien, Gladiolen und später die Dahlien. Die Preise für die Blumen finden die Kunden auf einer großen Preistafel, Tulpen kosten 70 Cent. Neben dem Schild liegen kleine Messer, mit denen die Kunden die Blumen leicht und fachgerecht abschneiden können. Unübersehbar steht auf der Preistafel auch der Hinweis: „Nur bezahlte Blumen bringen Freu(n)de!“ Doch das hat einige Blumenfreunde bislang nicht sonderlich beindruckt.

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