TEin „Habibi!“ zur Pommes: Wie dieses Trio den Lühe-Anleger unterhält
„Habibi!“: Wer eine Bratwurst bei Apo Bero bestellt, wird so begrüßt - ungefragt. Foto: Meyer
Drei Gastgeber am Kultort Lühe-Anleger servieren nicht nur „die beste Currywurst Deutschlands“, Falafel oder Softeis, sondern auch ihre Art von Gastfreundschaft. Wie?
Grünendeich. Apo Bero - der Charmante. „Habibi!“, sagt der Mann am Wurstgrill. Direkt, lautstark, ohne eine Miene zu verziehen, aber immer mit einem Augenzwinkern gemeint. Das ist die Art, wie Apo Bero in seiner Imbissbude mit jedem umgeht, der vor den Tresen tritt. Auch am 1. April zur Mittagszeit bei Sonnenschein und halbvollem Parkplatz.
Der Stader ist einer von drei Gastgebern, die am Lühe-Anleger - liebevoll L.A. genannt - mit ihrer Art auffallen.
Pommes mit Mayo und eine Portion Selbstironie
„Habibi“ ist Beros Lieblingswort und jeder Kunde sein „Liebling“. Denn das bedeutet sein Lieblingswort. Es beschreibt, wie Bero tickt und mit seinen Gästen spricht, wenn sie bei ihm Klassiker wie Burger, Bratwurst, Pommes oder „die beste Currywurst Deutschlands“ bestellen.

Acht Buden locken in diesem Jahr Menschen mit Kulinarischem an den Lühe-Anleger. Foto: Meyer
„Habibi“, ruft Apo Bero zwei Frauen zu, die an einem Tisch unter dem Zeltvorhang seines Imbisses sitzen. „Zweimal Currywurst mit Pommes? Yallah Habibi, bisschen schnell, bitte.“

Das ist Apo Beros Blick vom Wurstgrill auf Lühe-Anleger und Elbe. Foto: Meyer
Bero wirkt wie ein Charmebolzen, der direkt zum Kumpeltyp wird. Er redet geradeheraus und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Der Griller macht die Bestellung der Frauen fertig. „Rot oder weiß?“ Bero drückt auf einen Hebel - „eins, zwei, drei, vier, fünf“ - und pumpt eine große Ladung Mayonnaise auf die Fritten. Eine weitere L.A.-Persönlichkeit setzt auf leichtere Kost.
In der Falafel-Bude steht ein Sprücheklopfer
Sohrab Rasuli - der Schlagfertige. Drei große silberne Schalen sind randvoll mit Falafel. Wer die frittierten Bällchen aus pürierten Kichererbsen liebt oder vegan lebt, kommt gerne zum Elb-Frisch.

Bei Sohrab Rasuli am Elb-Frisch gibt es viel Fleischloses: Hier eine Falafel-Bowl mit Salat, Couscous, Hummus, Kichererbsen, Oliven, Roter Beete und dazu ein Granatapfeldressing. Foto: Meyer
Rasuli lächelt viel, strahlt positive Energie aus und hat lockere Sprüche auf den Lippen - oder ein „Weißt du?“. Das ist seine Art, wie er mit den Kunden ist. Locker.
Ein Mann bestellt eine Bowl bei Rasuli. Er ist Kameramann und gehört zu einer Filmcrew des ZDF, die sich am Lühe-Anleger stärkt. Danach geht die Suche im Alten Land weiter: Das Kamerateam filmt Motive für die nächste und schon vierte Staffel der ZDF-Herzkino-Reihe „Neuer Wind im Alten Land“.
„Neuer Wind im Alten Land“: Wird Rasuli auch noch Schauspieler?
Der Gastgeber reicht dem Kameramann seine Bestellung über den Tresen. Der geht zu seinem Team, das offensichtlich eher auf Wurst und Pommes steht. „Ich habe ihm gesagt: Vielleicht braucht ihr einen schönen Schauspieler, ich habe Talent.“ Rasuli kassierte eine Absage.

Sohrab Rasuli hat schon reichlich Falafel zubereitet, die es bei ihm in Bowls, Wraps oder mit Naan-Brot gibt. „Es ist nicht einfach, das jeden Tag frisch zu machen“, sagt Rasuli. Foto: Meyer
Für ein Foto steht er im Elb-Frisch und hält die Falafel-Schale in die Kamera. Auf Fotos sehe er immer gut aus. Er lacht. Humor hat auch der Verkäufer im Stand rechts neben dem Elb-Frisch, der ebenfalls dem Stader Gastronomen Amir Afschartabbar gehört.
Es ist „Zeit für Glück“ bei Raed Sawas
Raed Sawas - der Entspannte. Entspannter Jazz mit sanftem Bass und Trompeten tönt aus einer schwarzen Musikbox, die auf einem Klapptisch an der Bude „Zeit für Glück“ steht. Hinter dem Tresen, an dem Schwarz auf Weiß auf einem Schild „Jammern und Meckern verboten“ steht, bedient Raed Sawas. Die Strandbar-Musik passt, denn hier ist L.A.

Buden-Nachbarn: Wenn gerade nichts los ist an ihrer Falafel- oder Eisbude, treffen sich Sohrab Rasuli und Raed Sawas in einer der beiden Buden, um kurz zu sprechen und zu scherzen. Foto: Meyer
Viele der Besucher, die gegessen haben, naschen etwas Süßes danach. Sawas hat da etwas: Softeis, Vanille oder Schokolade, mit Dutzenden Toppings. Beliebt sind auch Crêpes oder Pancakes. Sawas Eiswagen ist ein Kindermagnet.
Welche Atmosphäre Raed Sawas bietet
Eine Mutter bestellt zweimal Softeis in der Waffel für sich und ihre Tochter, die an einer Sitzgarnitur aus Holz und Getränkekisten auf ihr Glück mit Streuseln wartet.

Schiffe und auf die Elbe gucken: Einer der Gründe, warum sich Menschen am Lühe-Anleger eine Auszeit nehmen. Foto: Meyer
„Bei mir ist alles kalorienfrei“, sagt Sawas. Humor hat er wie Rasuli. Er ist aber der ruhigere Vertreter von beiden. Dass er die Ruhe schätzt, spiegelt sich in seiner Philosophie wider: Familien und Kinder sollen im Sitzbereich vor seiner Bude entspannen dürfen. Auch wegen dieser Zielgruppe gilt: Bier trinken oder rauchen bitte woanders.
Zwischen 2018 und 2023 stand er in der Bistro-Café-Bar „Königlich & Köstlich“ schräg gegenüber, danach wechselte er in diese Eisbude. „Hier gibt es Bewegung“, sagt Sawas und meint damit, dass rund um seinen Stand etwas passiert: Schiffe auf der Elbe, Spaziergänger am Deich und Besucher, die mit dem Pkw aus Stade und Buxtehude oder mit der Fähre kommen.

Dicke Pötte schippern elbaufwärts nach Hamburg, vorbei am Lühe-Anleger. Am 1. April konnten Schaulustige das maltesische Containerschiff CMA CGM Thalassa beobachten, das von Rotterdam aus den Hamburger Hafen anfährt. Foto: Meyer
Überschaubares Osterwetter? Bero, Rasuli und Sawas wollen dem trotzen
Wo vorher noch die Elbe still gegen den Steindamm und Anleger geschwappt ist, dröhnt ein Motor. Die Lühe-Schulau-Fähre dockt in Grünendeich an. Ein Dutzend Fahrgäste wartet schon.

Alle entspannen am Lühe-Anleger. Foto: Meyer
An diesem Tag bleibt es eher ruhig für Apo Bero, Sohrab Rasuli und Raed Sawas. Mehr wird Ostern los sein. Besonders an Sonntagen pulsiert der L.A. - lange Schlangen für Fritten, Bowls oder Crêpes.

Scheint die Sonne am L.A., ist das ein Segen für die Standbetreiber an einem der Touristen-Hotspots im Alten Land. Foto: Meyer
Ihr Geschäft hängt vom Wetter ab. Für Ostersonntag sind bis zu 14 Grad Celsius angekündigt, aber sonnige Aussichten hat der Wetterbericht nicht - es soll stark bewölkt sein. Egal. Bero, Rasuli und Sawas sind trotzdem da und servieren ihre Art von Gastfreundschaft.
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