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Mütze on Tour

TFünf Jahre unterwegs: „Mütze“ erzählt von seiner Tour quer durch Europa

"Mütze" on Tour im Alten Land.

"Mütze" on Tour im Alten Land. Foto: Felsch

Fast fünf Jahre tourt der Altländer durch Europa: „Mütze“ könnte stundenlang erzählen. Die beeindruckendsten Erlebnisse fasst er fürs TAGEBLATT zusammen.

Von Franziska Felsch Samstag, 07.02.2026, 19:20 Uhr

Landkreis. Passanten in Großbritannien schenkten ihm Tüten voll mit Lebensmitteln, eine Mitarbeiterin aus dem Tierfachgeschäft einen 15-Kilo-Beutel Hundefutter. „Ich habe mir ein paar Sachen rausgesucht und erklärt, dass ich so viel auf meinem kleinen Handwagen nicht mitnehmen kann, was die Spender auch verstanden haben“, erzählt Karsten Rinck, besser bekannt unter dem Namen Mütze. Unter dem Begriff ist der Altländer im Internet zu finden, mit seinen Geschichten, die voll sind mit abenteuerlichen Erlebnissen.

Probleme an der Mautstation

Die Engländer liebten kuriose Gestalten, glaubt er nach seinem Besuch in Großbritannien. Die stoppten ihr Auto, wollten alles wissen, woher er komme und was ihn antreibe. Mütze, der erst vor einigen Wochen von seiner Europatour in die Heimat zurückkehrte, antwortete gern. Es sei ein Teil seiner Mission, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, das mache ja auch Spaß.

Aber das war nicht überall so. In Spanien nahm niemand Notiz von ihm. Die seien „schräge Vögel“ gewohnt, die alle den Jakobsweg benutzten, da fiel sein Gespann wohl nicht so auf, mutmaßt der 44-Jährige.

Leider war das beim Glöcknerpass das Gegenteil. An der Mautstation wurde ihm der Eintritt in das Naturschutzgebiet verwehrt - mit der Begründung, sein Gefährt sei nicht für die Gletscherstraße geeignet und er dürfe nicht in freier Wildbahn sein Zelt aufschlagen. „Ich wollte sowieso in ein Hotel, aber sie haben mir nicht geglaubt und ich musste einen anderen Weg nehmen“, ärgert er sich. Aber nur ein bisschen. Letztendlich erwies sich die Alternative über den Katschberg als nicht unbedingt die schlechtere Variante. Außerdem gehöre es dazu, dass eben nicht immer alles glatt laufe, so wie man es plane.

Wichtige Erkenntnisse gewonnen

Die Alpen zählt er zu den Highlights seiner Europatour. Obwohl es bergauf und bergab ging, was mit dem Karren alles andere als leicht gewesen sei, ist Karsten Rinck stolz auf seine Leistung. „Da merkt man, was man schaffen kann, das wird einem erst bewusst, wenn man es ausprobiert.“ Auch wenn sich Hindernisse auftun, wenn man Umwege gehen muss - so seine Devise - immer weitermachen.

„Wenn ein Weg nicht funktioniert, nimm‘ einen anderen“, ist sein Rat. Kälte, Regen, Sturm, Hitze, holprige Strecken, hohe Berge und vieles mehr - es gab genug Gründe, aufzugeben, aber Mütze hielt durch.

In dieser Hinsicht habe ihn ein Rollstuhlfahrer in Wales besonders nachhaltig beeindruckt. „Der konnte seit einem Motorradunfall seine Beine nicht mehr bewegen, trainierte auf einem speziellen Fahrrad und Laufband sowie im Pool für den Triathlon“, weiß er. „Hut ab, der Typ hat sich nicht aufgegeben, sondern Alternativen gesucht.“ Genau das empfiehlt Rinck seinen Fans und Followern. „Egal, welches schwere Schicksal du erleidest, es gibt immer eine Möglichkeit, wenn man denn will.“ Und: „Im Leben sind es die Rückschläge und Hindernisse, die uns die größten Lerneffekte bereiten“, sagt Rinck, der zu der Tour aufbrach, um etwas für seine mentale Gesundheit zu tun.

Pläne für die Zukunft geschmiedet

Weitermachen werde belohnt, ist er sicher. In seinem Fall mit atemberaubenden Ausblicken auf wunderschöne Seenlandschaften in Polen, auf die Spitze von Afrika von Tarifa aus, aufs Schwarze Meer, auf die Felsenklöster Meteora in Griechenland. Landschaftlich beeindruckt hat ihn auch Andorra, das kleine, unabhängige Fürstentum zwischen Frankreich und Spanien.

Was ihm aber noch im Gedächtnis geblieben ist, sind die vielen Unbekannten, die zu Bekannten oder gar zu Freunden wurden. Die ihm ohne Gegenleistungen geholfen haben - mit einer Mahlzeit, mit freundlichen Gesten, einem netten Gespräch, einer Tierarztvermittlung für Lotte, als sie einmal erkrankte, oder einer Schlafmöglichkeit.

Mit oben auf der Liste stehen die ausländischen Feuerwehrkameraden, die ihm und seiner Hündin Unterkunft gewährten, manchmal für mehrere Nächte. „Die haben ihre Kollegen in den anderen Orten angerufen und uns angemeldet, so dass wir uns um eine Übernachtung nicht kümmern mussten“, freut sich Mütze, ebenfalls Mitglied der freiwilligen Feuerwehr.

Mütze schmiedet schon wieder Pläne für die Zukunft - nach einer Zeit des Ausruhens. Neue Touren, Vorträge, seinen Blog weiter pflegen und ein Buch schreiben sind Ideen, die er verwirklichen will.

Mütze und Lotte gönnen sich eine Verschnaufpause im Hotel in Buxtehude.

Mütze und Lotte gönnen sich eine Verschnaufpause im Hotel in Buxtehude. Foto: Felsch

Vor dem Auftritt im Deck 2 genießt Karsten Rinck die Zeit im Hotel.

Vor dem Auftritt im Deck 2 genießt Karsten Rinck die Zeit im Hotel. Foto: Felsch

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