Mordprozess

TGeständnis im Mordprozess: Erst bekam sie Blumen – dann war sie tot

Das Bild zum Auftakt im Prozess um die im Dezember 2025 erstochene Frau in Apensen im Landgericht Stade zeigt den Angeklagten (links) neben seinen Strafverteidigern Baris Devletli (Mitte) und Ali Mojab.

Das Bild zum Auftakt im Prozess um die im Dezember 2025 erstochene Frau in Apensen im Landgericht Stade zeigt den Angeklagten (links) neben seinen Strafverteidigern Baris Devletli (Mitte) und Ali Mojab. Foto: Sulzyc

Im Prozess um die erstochene Frau in Apensen gibt der Ehemann die Tat vor Gericht zu. Was hat ihn zu dem tödlichen Messerangriff getrieben?

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Von Thomas Sulzyc
03.07.2026, 19:00 Uhr

Buxtehude. Vor dem Landgericht Stade ist am Freitag der Prozess um die erstochene Frau in Apensen fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten (57) vor, am 19. Dezember 2025 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau (40) in Apensen mit einem Messer getötet zu haben.

Bisher hat der Angeklagte zu dem Vorwurf geschwiegen. An diesem Tag aber äußert sich der 57-Jährige in einer schriftlich verfassten persönlichen Erklärung zu der Tat, die sein Strafverteidiger Ali Mojab verliest.

Rechtsanwalt verliest Erklärung des Angeklagten

Der Angeklagte gibt vor der 4. Schwurgerichtskammer zu, dass er seine Ehefrau mit mehreren Messerstichen getötet hat: „Ich habe meiner Ehefrau das Leben genommen.“

Ihm sei bewusst, dass er seiner Ehefrau und seinen Kindern unermessliches Leid zugefügt habe, heißt es weiter in der Erklärung. Das Paar ist zusammen mit vier von insgesamt fünf gemeinsamen Kindern vor vier Jahren aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Der Angeklagte stammt aus Aserbaidschan. Die älteste Tochter lebt noch in dem Land und studiere dort, hieß es an einem vorangegangenen Verhandlungstag.

Diese Worte der Reue sagt der Angeklagte

Er bereue, dass er seinen fünf Kindern die Mutter genommen habe. Das sei nicht wieder gut zu machen. „Der Gedanke daran bereitet mir unerträgliche Schmerzen.“

Während sein Strafverteidiger die Erklärung, im Juristendeutsch Einlassung genannt, verliest, verbirgt der Angeklagte sein Gesicht hinter den Händen.

Er habe seine Ehefrau geliebt. Und er liebe seine Familie. Ihm sei bewusst, dass er seine Gefühle nie haben zeigen können. „Vor allem bei meinen Töchtern nicht“, sagt der Angeklagte in seiner Erklärung.

Das sagen Freunde über den Angeklagten

Später berichten zwei Zeugen, mit denen der 57-Angeklagte seit der Kindheit befreundet ist, dass der Angeklagte aus einer hochgebildeten Familie stamme. Als hochrangiger Vertreter einer aserbaidschanischen Gemeinschaft in der Ukraine habe er Respekt genossen. Bei Konflikten sei er als Schlichter tätig gewesen. Seine Ratschläge hätten Gewicht gehabt.

Was also hat diesen Mann dazu bewegt, seine Ehefrau mit 15 Schnitt- und Stichverletzungen zu töten? Seine Absicht am frühen Morgen des 19. Dezember 2025 schildert der Angeklagte in seiner Erklärung so: Er habe seine Frau nicht töten wollen. Vielmehr habe er einen Versöhnungsversuch unternehmen wollen, um seine Ehefrau zurückzugewinnen. Deshalb sei er zu ihrer Wohnung gefahren. Seine Frau lebte inzwischen getrennt von ihm.

Er sei an die Wohnungstür seiner Ehefrau gekommen, um ihr zum 23. Hochzeitstag einen Blumenstrauß zu schenken: 23 Rosen und eine Orchidee. „Das ist ihre Lieblingsblume.“ Zeugen berichteten, dass er in der Vergangenheit nach Streitigkeiten mit seiner Frau, auch handgreiflichen, stets zu dieser Versöhnungsgeste gegriffen und Blumen gekauft habe.

So schildert der Angeklagte den Tathergang

Sein Auto habe er vor dem Haus geparkt. Als seine Frau die Tür öffnete und ihn sah, habe sie ihn fortgeschickt. Sie habe ihn als „Fußabtreter“ und „Versager“ beschimpft, schildert der Angeklagte.

Er sei vor seiner Frau in die Knie gegangen und habe ihr die Blumen entgegengestreckt. Sie habe ihn beleidigt - ihn und seine Eltern. Dann habe die Frau ihm die Blumen auf den Kopf gehauen.

Was dann geschah, könne der Angeklagte selbst nicht mehr rekonstruieren. Er habe ein Messer bei sich gehabt, weil er anschließend zur Arbeit auf einer Baustelle wollte. Es sei ein Messer gewesen, dass er bei Entkernungsarbeiten benötigt. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden.

Es sei zu einem Handgemenge mit seiner Frau gekommen. Was dann genau passierte, wisse er nicht. „Ich war wie in einem Tunnel.“ Er fuhr mit dem Auto davon. Er sei nicht in der Lage gewesen zu begreifen, was geschehen war. Erst ein paar Tage später habe er sich der Polizei gestellt.

Fragen zu seiner persönlichen Erklärung beantwortet der Angeklagte nicht. Der Prozess wird am Montag, 20. Juli, fortgesetzt.

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