Zähl Pixel
Blaulicht

TMeteoriteneinschlag? Großsuche der Feuerwehr in den Schwingewiesen

Die Stader Feuerwehr sucht groß angelegt nach dem Flugobjekt.

Die Stader Feuerwehr sucht groß angelegt nach dem Flugobjekt. Foto: Vasel

Großalarm: Am Sonntagabend mussten die Stader Feuerwehren ausrücken. In der ersten Meldung hieß es: Absturz eines Flugobjekts. Was bekannt ist.

author
Von Björn Vasel
Sonntag, 08.03.2026, 23:15 Uhr

Stade. Die Ortsfeuerwehren Stade, Wiepenkathen und Hagen sowie die DLRG und der Führungsdienst Umwelt der Kreisfeuerwehr rückten kurz nach 19 Uhr zu einem Großeinsatz in den Schwingewiesen aus.

Ein Wiepenkathener hatte kurz zuvor gemeldet, dass in den Schwingewiesen im Bereich zwischen den Ortschaften Wiepenkathen, Groß und Klein Thun beziehungsweise Stade-Barge ein hell leuchtender Flugkörper abgestürzt sei, so der Kreisfeuerwehrsprecher Stefan Braun.

Deutschlandweit gingen gegen 19 Uhr nahezu zeitgleich - bis nach Frankreich - nach TAGEBLATT-Informationen in mehr als 20 Leitstellen ähnliche Notrufe ein. Die Einsatzkräfte machten sich auf die Suche. Aufgrund der Alarmmeldung gingen sie erst einmal von dem Absturz eines Kleinflugzeugs oder eines Hubschraubers aus.

Feuerwehrleute aus Wiepenkathen legen Leitern über die Gräben in den Schwingewiesen.

Feuerwehrleute aus Wiepenkathen legen Leitern über die Gräben in den Schwingewiesen. Foto: Vasel

Knapp 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Mit Scheinwerfern durchkämmten sie die Wiesen und die Randbereiche der Ortschaften. „Solange wir uns nicht sicher sind, müssen wir weitersuchen“, sagte Braun gegen 20.30 Uhr dem TAGEBLATT. Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle und die Leitstelle der Polizei informierten die örtlichen Kräfte, dass auch ein Meteoritenabsturz infrage komme.

Bei dem unbekannten Flugobjekt könne es sich um die Überreste eines Meteoriten oder um Weltraumschrott handeln. Die Feuerwehr bestätigt, dass Einsatzkräfte ein Handyvideo eines Bürgers gesehen hätten, welches wohl zeige, wie etwas hell Glühendes im Bereich der Schwingewiesen abstürzt.

„Bei der Alarmierung ging bei mir der Puls hoch“, sagte der stellvertretende Stadtbrandmeister Wilfried Sprekels. Erinnerungen an den Starfighter-Absturz der Bundeswehr auf ein alleinstehendes Wohnhaus in Groß Sterneberg bei Stade am 10. Juli 1984 kamen wieder hoch bei ihm. Eine Frau starb, ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Er und viele Feuerwehrleute seien erleichtert gewesen, als plötzlich die Rede „nur“ von einem Meteoriten war.

Marinehubschrauber unterstützt Feuerwehr

Auch ein nachtflugtauglicher Hubschrauber der Marineflieger aus Nordholz kam mit einer Wärmebildkamera zum Einsatz. Der Großeinsatz mit weiterer Unterstützung durch unter anderem die Drohnen-Einheit der DLRG Horneburg/Altes Land führte nicht zum Auffinden von Meteorit- oder Weltraumschrott-Teilen.

Einsatzbesprechung von Feuerwehr und Polizei am Barger Weg in Stade-Barge.

Einsatzbesprechung von Feuerwehr und Polizei am Barger Weg in Stade-Barge. Foto: Vasel

Kurz vor 21 Uhr teilte der stellvertretende Stader Stadtbrandmeister Wilfried Sprekels mit, dass sich die Bundeswehr beziehungsweise die Flugsicherheit gemeldet habe. Diese habe unter anderem ihre Radar-Daten ausgewertet. Demnach sei kein Flieger oder Helikopter um die Uhrzeit in dem Bereich geflogen.

Überreste eines Meteoriten nicht anfassen

Feuerwehrsprecher Stefan Braun appelliert, Meteoritenüberreste nicht zu berühren. Kontamination durch das Berühren könnte die wissenschaftliche Untersuchung beeinflussen, die Messung der Radionuklide könnte Aufschluss geben, wie lange das Objekt im All unterwegs war. Radionuklide in Meteoriten sind in der Regel nicht gefährlich für Menschen.

Obwohl Meteoriten aufgrund ihrer Entstehung im Weltraum und der Wechselwirkung mit kosmischer Strahlung radioaktive Isotope - wie Aluminium-26, Beryllium-10 oder Mangan-53 - enthalten können, ist ihre Radioaktivität in der Regel nicht höher als die von gewöhnlichem irdischen Gestein.

Die Polizei sollte bei einem Fund umgehend unter 110 alarmiert werden, sagte Polizeisprecher Rainer Bohmbach am Abend. Die Einsatzleitung brach den Einsatz in Stade gegen 21 Uhr ab.

Meteoritenteile schlagen in Wohnhaus ein

Erste Meldungen aus Rheinland-Pfalz deuten darauf hin, dass tatsächlich Meteoritenteile eingeschlagen sein könnten. Laut Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz kam es zu Schäden in Rheinland-Pfalz. „Personenschäden sind bisher nicht bekannt. Das Ereignis hat keinen Zusammenhang mit einer militärischen Aktivität“, sagte Behördensprecher Wahid Samimy aus Rheinland-Pfalz. Gegen 19 Uhr sei im Koblenzer Stadtteil Güls ein verglühter Himmelskörper ins Dach eines Wohnhauses eingeschlagen.

In der Regel kommt es bei Einschlägen kleinerer Meteoriten(-teile) nur zu geringen Schäden. Eine Ausnahme stellte im Jahr 2013 die Explosion eines etwa 19 Meter großen Himmelskörpers über der russischen Millionenstadt Chelyabinsk im Ural dar. Dabei wurden seinerzeit fast 1500 Menschen verletzt - vor allem allerdings durch Splitter von zerplatzenden Fensterscheiben infolge der Druckwelle der Explosion. Statistisch betrachtet, fallen etwa 20.000 Meteorite mit einer Masse größer 100 Gramm pro Jahr auf die Erde.

Diese Meldung wird fortlaufend mit neuen Informationen aktualisiert. (bv/rop)

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel