TNeuer Wind im Alten Land: Wolfsrisse und wohlfühlen, funktioniert das?
Beke (Felicitas Woll) sichtet am Elbdeich einen Wolf, der die Jorker Bevölkerung in zwei Lager spaltet. Foto: ZDF/Georges Pauly
Der Wolf spaltet das Alte Land: Abschießen oder schützen? Journalistin Beke Rieper (Felicitas Woll) steht zwischen den Fronten - sowohl beim Tierschutz als auch in der Liebe.
Altes Land. Der Herzkino-Auftaktfilm „Der Wolf“ versucht sich an einem dramatischen Cocktail aus Existenzängsten und Moraldilemma, aufgegossen mit einem prickelnden Schuss Dorfromantik. Doch die Zutaten vermischen sich so gut wie Öl und Wasser.
Direkt zu Filmbeginn gelingt Reporterin Beke Rieper etwas, das Jägern oder Bauern sonst nur mit Hilfe von Wildkameras gelingt: Sie sichtet einen Wolf. Genauer eine Wölfin, wie sich später herausstellt. Dass die beiden sich begegnen, ist Zufall. Beke kann wegen ihrer anstehenden Scheidung von Noch-Ehemann David (Martin Bretschneider) nicht schlafen und spaziert rastlos in aller Herrgottsfrühe am Elbstrand entlang.
Eine Reporterin sieht sich als einsame Wölfin
Beke greift direkt zum Telefon, um dem Chefredakteur der „Altländer Zeitung“ die Meldung mitsamt Foto durchzugeben. Als sie nachschiebt, dass die Wölfin traurig aussehe, wird klar: Das Tier soll hier als Allegorie auf die aufgewühlte Gefühlswelt der Journalistin dienen.

Als Beke (Felicitas Woll) gerade die Schäferin Dorothea Petersen interviewt, greift der Wolf erneut an. Sie ruft den Polizisten Kalle an. Foto: ZDF/Georges Pauly
Beke Rieper sehnt sich selbst nach einem Rudel, idealerweise mit Obstbauer Paul (Steve Windolf) und seiner Tochter Laila (Elsa Krieger). Doch die Teenagerin lässt Beke nicht an sich ran, was die einsame Wölfin frustriert - und so die Tür für den zurückgekehrten Ex-Mann David öffnet.

Laila (Elsa Krieger, l.) soll sich ihren Ängsten stellen und kommt mit ihrem Vater Paul (Steve Windolf, M.) zur Info-Veranstaltung der Jorker zum Streitthema "Der Wolf". Foto: ZDF/Georges Pauly
Dass die Reihe sich des hitzig diskutierten Themas annimmt, war nur eine Frage der Zeit. Dass es genau in die Zeit fällt, in der Bundestag und Bundesrat das Jagdgesetz anpassen, konnten die Produzenten wohl kaum wissen. Genau wie Rieper sich um ausgewogene Berichte zum Wolf in der Altländer Zeitung bemüht, tun es ihr die TV-Autorinnen Kirsten Peters und Gerlind Becker gleich. Aktivisten, Jäger und Deichschäfer: Sie alle kommen zu Wort, wenngleich nur als Spiegel geläufiger Standpunkte.
Kaum Platz für echten Erkenntnisgewinn
Wer sich vor dem Film bereits für eine Seite entschieden hat, wird danach seine Meinung kaum überdenken. Für echten Erkenntnisgewinn zur Bedeutung des Wolfes sowie des Deichschutzes bleibt in den knapp 90 Minuten kaum Platz.
Die argumentative Wucht ähnelt den Papierkugeln, die die aufgebrachten TV-Bürger beim Wolf-Bürgerforum auf Jorks Bürgermeisterin Heide Schulze werfen. Kurzweilige Diskussionen auf dem heimischen Sofa oder in der Familien-WhatsApp-Gruppe dürfte „Der Wolf“ trotzdem auslösen.

Ein Wolf ist im Alten Land aufgetaucht und Norbert (Christoph Glaubacker, r.) bittet Beke (Felicitas Woll, M.) einen neutralen Artikel darüber zu schreiben. Foto: ZDF/Georges Pauly
Während das Beziehungsdreieck Beke-Paul-David weiterhin auf dem Level einer Situationship - wie es Bekes Tochter in passendem Anglizismus benennt - dahinwabert, stellt Mutter Renate (Hildegard Schroedter) ihre Ehe mit dem brummigen Gerd (Volker Meyer-Dabisch) auf den Prüfstand.
Dass sie sich den Wolfsrettern anschließt, bei nächtlichen Brandstiftungen ihre wilde Seite wiederentdeckt, bleibt zweckdienlich wie unterhaltsam. Schmunzel-Höhepunkt bildet das Techtelmechtel zwischen Bürgermeisterin Heide Schulze und ihrem Vorgänger Elmar Bröhan, die bei öffentlichen Anlässen herrlich bürokratisch-verkappt Zärtlichkeiten austauschen.
Keine putzigen Haustiergeschichten
Der Film zeigt den Wolf als anmutiges Wildtier anstatt als mystifizierte Fressmaschine mit gefletschten Reißzähnen. Doch zur Realität gehören auch gerissene Nutztiere wie Schafe, die zugunsten des ZDF-Wohlfühlfaktors ohne blutige Wunden auskommen müssen.
Wenn die flauschigen Wolfswelpen vor der Höhle tollen, sind das schön inszenierte Aufnahmen - mit reichlich melodramatischer TV-Kitsch-Ästhetik à la „Der Mann in den Bergen“.
Den größten Fehltritt leistet sich „Der Wolf“, indem die Macher die Tiere zu stark vermenschlichen. Wenn Beke neben der überfahrenen Wölfin kniet und mit wehmütigem Blick über das graue Fell streichelt, überschreitet sie eine Grenze. Einige Szenen zuvor brachte es eine Deichschäferin nach einem Angriff auf den Punkt: „Es geht nicht um putzige Haustiergeschichten. Das ist bitterer Ernst.“
„Der Wolf“ aus der Reihe „Neuer Wind im Alten Land“ ist ab dem 2. April 2026 im ZDF-Streaming-Portal sowie am 19. April um 20.15 Uhr im Fernsehen zu sehen.
Dieser Artikel wurde am 31. März 2026 erstveröffentlicht.
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