TObst-Oscar für Pompur: Allergikerfreundliche Apfelmarke aus dem Kreis Stade
Gewinner: Das Team der Züchtungsinitiative freut sich über den Innovation Award 2026 der Fruit Logistica. Foto: Messe Berlin/Robert Lehmann
Die Züchter der allergikerfreundlichen Pompur-Äpfel sind von Einkäufern aus aller Welt in Berlin mit dem Innovation Award ausgezeichnet worden. Das sind die Reaktionen.
Jork/Berlin. Der Innovation Award gilt als der Oscar des internationalen Frucht- und Gemüsehandels. „Allein die Nominierung haben wir bereits als Riesenerfolg verbucht“, unterstreicht Ulrich Buchterkirch von der Züchtungsinitiative Niederelbe (ZIN). Diese Auszeichnung wird alljährlich auf der Fruit Logistica in Berlin verliehen. Es ist die größte Fachmesse der Branche.
Altländer Apfel schlägt Züchtungen aus Kanada, Israel und den Niederlanden
Im Fokus stehen die Frischeprodukte, aber auch Technik von der Ernte bis zur Verpackung sowie Logistik von der Lagerung bis zum Transport. Im Februar waren 2600 Aussteller aus 90 Staaten in den Messehallen vertreten. Fast 67.000 Fachbesucher aus 151 Ländern durften ihre Stimme abgeben. Im Vorfeld hatte eine Fachjury zehn Kandidaten nominiert - in den Kategorien Fresh Produce und Technology.

Foodtainer mit Pompur-Äpfeln in der Kiste. Foto: Vasel
Die ZIN setzte sich gegen Mitbewerber aus Großbritannien, Kanada, Israel und den Niederlanden durch. Diese waren mit ihren neuen Trauben-, Paprika-, Tomaten- und Gurken-Züchtungen in das Rennen gegangen.
Die Züchtungsinitiative habe den Preis in der Kategorie Frischeprodukt „mit großem Vorsprung“ gewonnen, sagte ein Messesprecher. Mit Pompur hatten die Obstbauern und -händler in der ZIN mit der Hochschule Osnabrück die weltweit erste durch die Europäische Stiftung für Allergieforschung zertifizierte Apfelmarke entwickelt.

Blick auf die Innovation Awards 2026 der Fruit Logistica. Der zweite Preis ging an die lidarbasierte Agrarsprühdrone von ABZ Innovation. Foto: Messe Berlin/Robert Lehmann
Ihr Name setzt sich aus den Wortstämmen Pom für Apfel und pur für rein zusammen. Dieser Apfel habe Jury und Besucher nicht nur wegen seiner Allergikerfreundlichkeit, sondern auch aufgrund seines sehr guten Geschmacks und seiner Ausfärbung überzeugt.
Erstmals gewinnt mit Pompur eine Apfelmarke
Mit Pompur habe „erstmals eine Apfelmarke den begehrten Innovationspreis gewonnen“, freut sich ZIN-Geschäftsführer Maik Stölken. Buchterkirch spricht von einem Ritterschlag. Dieser Preis sei „eine große Anerkennung für alle“, die 2002 in Jork die Züchtungsinitiative Niederelbe gegründet haben.

Maik Stölken von der Züchtungsinitiative Niederelbe hält auf seinem Obsthof den ersten allergiefreundlichen Pompur-Apfel in der Hand. Foto: Vasel
Junge Obstbauern erreichten seinerzeit, dass 160 Obstbauern, 20 Handelsbetriebe und die beiden Erzeugerorganisationen Marktgemeinschaft Altes Land und Elbe-Obst mehr als drei Millionen Euro in die Züchtung investierten. Ulrich Buchterkirch, Matthias Schmoldt und Maik Stölken gehören zu den Gründern. Mit weiteren Sorten wie Aldiamo und Deichperle (Öko) könnte die ZIN mittelfristig einen Anteil von fünf bis zehn Prozent an der Niederelbe erreichen.
Endlich wieder Apfelgenuss für Millionen Allergiker
„Wir feiern mit dem Innovation Award auch das Ergebnis von 20 Jahren Entwicklungsarbeit“, sagt Schmoldt. Die Züchtungen ZIN 168 und ZIN 186 zeichneten sich durch ihre Allergikerfreundlichkeit aus. Gentechnik kam nicht zum Einsatz. Im Herbst 2025 kamen diese Sorten unter der Apfelmarke Pompur in Deutschland in den Handel.
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Der Pompur sei wie ein Sechser im Lotto für die Obstbauern, „aber vor allem für die Millionen von Menschen mit Apfelallergie“, sagt Stölken und betont: „Wir haben ein Produkt geschaffen, das jetzt vielen Menschen einen Zugang zu Äpfeln verschafft, der ihnen vorher verwehrt war. Es gibt allein in Deutschland zwischen dreieinhalb und vier Millionen Apfelallergiker.“
Mit im Boot saßen nicht nur die Wissenschaftler um Professor Dr. Werner Dierend von der Hochschule in Osnabrück, sondern auch die Charité in Berlin, die Technische Universität München und das Institut der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) in Berlin.
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Einen Apfel mit ECARF-Siegel gibt es nur, wenn die Sorte über drei Ernten die Allergikerfreundlichkeit vorweisen kann. Klinische Tests im Labor und mit Probanden gehören zur Zulassung. Kehdinger und Altländer wollen sich neue Absatzmärkte erschließen, denn EU-weit könnten elf Millionen Verbraucher in Birkenpollen-Regionen von Allergikern zu Apfelessern werden.

Die Obstbauern setzen auf neue Sorten - wie den allergikerfreundlichen Pompur der Züchtungsinitiative Niederelbe und der Hochschule Osnabrück. Foto: ZIN
Sechs Millionen Deutsche leiden unter Heuschnupfen. Die Hälfte konnte bislang gar keine Äpfel essen. Sie litten unter Schwellungen in Mund, Lippen und Rachen sowie Juckreiz, Kribbeln und Atemnot. Das liege an Kreuzreaktionen zwischen Apfelproteinen und Birkenpollen-Allergenen, so Professor Dr. Karl-Christian Bergmann von der Charité.
Die allergenarmen Pompur könnten „die Allermeisten“ von ihnen „ohne jede Symptome“ essen. Pompur trage allerdings nicht dazu bei, dass die Allergie vollkommen verschwindet: Es handelt sich um eine Desensibilisierung.
Skandinavier und Schweizer haben angebissen
Bereits auf der Fruit Attraction 2025 in Madrid habe Pompur großes Interesse ausgelöst. In Nord-/Mitteleuropa und Nordamerika gebe es einen Markt. Dänen, Finnen, Österreicher und Schweizer hätten angebissen. Die ZIN diskutiert, wie sie die Märkte mit eigenen Pompur-Äpfeln bedienen kann oder, etwa in der Schweiz, möglicherweise weitere Erzeuger ins Boot holt. Aktuell liege der Fokus auf Deutschland. Edeka/Penny, Aldi, Rewe, Globus und Kaufland listen den Apfel, Wochenmarktfahrer haben ihn im Sortiment.

Blick auf die Mitarbeiter von Suhrs Obstversand in Oederquart beim Verpacken der Äpfel. Foto: Vasel
In der ersten Saison wurden 500 Tonnen abgesetzt. ZIN-Mitglieder bauen Pompur exklusiv an. Die Partnerunternehmen vermarkten diese exklusiv. Das Ziel seien eine Million Bäume. 15.000 Tonnen Äpfel könnten in vier Jahren in den Handel kommen.
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