TObsthandel sorgt sich: Supermarktketten zahlen nicht genug
Streit um Apfelpreise: Der Lebensmitteleinzelhandel will die Mehrkosten der Fruchthändler bei Produktion und Transport nicht kompensieren. Foto: Vasel
Nicht nur der Obstbau, sondern auch die mittelständischen Fruchthandelsunternehmen schlagen Alarm. Sie fordern ein Ende der „Wettbewerbsverzerrungen“.
Altes Land. Der Fruchthandelsverband Nord sieht die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland „mit großer Sorge“, sagt Geschäftsführerin Hilke Ehlers. Die Großhandelsunternehmen an der Niederelbe leiden unter steigenden Kosten, unter anderem bei Verpackungsmaterial, Produktion und Diesel.
Fruchthändler klagen über steigende Kosten
So ist der Diesel-Preis in Deutschland von Januar 2026 bis Juli 2026 im Durchschnitt um etwa 23,9 Prozent gestiegen. Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der Europäischen Union nehmen zu, klagt Ehlers. Fruchthandelsunternehmen aus dem EU-Ausland könnten ihr Obst heute deutlich günstiger durch Deutschland transportieren als im Fruchthandelsverband Nord organisierte Firmen aus dem Alten Land, Kehdingen und der Stader Geest.
Kritik an Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel
Die großen Supermarkt-Ketten und Discounter zahlten deutschlandweit in der Regel „den gleichen Preis“ für die Altländer Äpfel oder Kirschen - unabhängig von der Lage ihrer zentralen Logistik- und Lagerstandorte. Die vier großen Konzerne im deutschen Lebensmitteleinzelhandel bestimmten die Preise. Mittlerweile würden mehr als 85 Prozent des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) auf Edeka/Netto, Rewe/Penny, Aldi und Schwarz-Gruppe (Kaufland/Lidl) entfallen.
Ehlers spricht von einer übermächtigen Handelsmacht des LEH gegenüber dem mittelständischen Fruchthandel: „Das Bundeskartellamt hat es in sträflicher Weise versäumt, die Belange der Lieferanten zu berücksichtigen.“ Dabei gebe es Vorgaben im Wettbewerbsrecht, die vor Missbrauch von Marktbeherrschung schützen sollten.
Sie hofft, dass das Bundeskartellamt die Übernahme von 200 Tegut-Filialen durch Edeka letztlich nicht einfach durchwinkt, das würde die Konzentration weiter verstärken. Des Weiteren würde sich der Verband wünschen, dass der Lebensmitteleinzelhandel verstärkt auf deutsches Obst setze.

Geschäftsführerin Hilke Ehlers. Foto: Strüning
Die Obstvermarkter an der Niederelbe seien aktuell „nicht in der Lage“, die Preissteigerungen bei Lohn, Verpackungsmaterial und Transport beim Lebensmitteleinzelhandel durchzusetzen.
„Wir sind ein Wirtschaftsfaktor“, sagt Ehlers. Die 15 Unternehmen im Fruchthandelsverband Nord setzen etwa 300 Millionen Euro im Jahr um und beschäftigen 700 Mitarbeiter. Knapp 100 Lkw seien im Einsatz. Obstbau und -handel müssten erhalten werden, nicht nur, um Arbeitsplätze zu erhalten, sondern auch, um die Nahrungsmittelversorgung zu sichern.
Verband fordert Ende der Wettbewerbsverzerrungen
Der Fruchthandelsverband habe einen Brief an die Parteien geschrieben, lediglich die Bundes- und Landtagsabgeordneten der CDU hätten das Gespräch gesucht und versprochen, sich in Berlin und Hannover für die Belange von Obstbau und Fruchthandel einzusetzen.
T Obstbauern kämpfen mit massiven Mehrkosten
Von der schwarz-roten Bundesregierung erwarte der Fruchthandel, „die sofortige Beendigung der innereuropäischen Wettbewerbsverzerrung durch höhere deutsche Abgaben auf Kraftstoff als in vielen anderen europäischen Ländern“. Durch die Streichung der CO₂-Abgabe auf Diesel könne der Preis um 17 Cent/Liter sinken, so Ehlers.
Weniger Regulierung und weniger Bürokratie seien weitere Forderungen, genauso wie günstigere Strompreise für Lager und Sortierung. Von dem günstigeren Industrie-Strompreis profitierten nur die Großen. Die Mehrkosten für Mittelständler entsprächen bei einigen der Fruchthandelsfirmen dem Neupreis eines 40-Tonnen-Kühlaufliegers mit Sattelzugmaschine.
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