TOptimistischer Blick in die Röhre: Minister auf Lühesand
Niedersachsens Energieminister Christian Meyer blickt mit Bürgermeister Timo Gerke und Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt auf Lühesand auf der Baustelle der Gasunie-Hyperlink-Wasserstoffpipeline durch ein Rohr (von links). Foto: Vasel
Die Hauptschlagader des Wasserstoffkernnetzes zwischen den Niederlanden und Dänemark verläuft durch Lühesand. Zwei Minister blickten hier in die Röhre der Zukunft.
Altes Land. Seit Jahrzehnten queren wichtige europäische Strom- und Erdgasleitungen bei Lühesand die Elbe. In der Zukunft wird eine der bedeutendsten Wasserstoffpipelines zwischen den Niederlanden und Dänemark durch das Alte Land verlaufen.
Bereits 2028 sollen die Industriestandorte Stade und Brunsbüttel versorgt werden. Ab 2030/2031 soll in Dänemark produzierter grüner Wasserstoff durch die Hyperlink-3-Leitung fließen. Das hat die Geschäftsführerin der Gasunie Deutschland, Britta van Boven, bei einem Termin auf der Insel angekündigt.
Blick auf die Baustelle für die Hyperlink-Wasserstoffpipeline der Gasunie Deutschland auf Lühesand. Foto: Vasel
„Damit ermöglichen wir der deutschen Industrie den Fuel-Switch von Kohle oder Erdgas auf den klimafreundlichen Wasserstoff“, unterstrich Britta van Boven in Anwesenheit der Umweltminister von Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Lühesand zentrale Drehscheibe der Energiewende
Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer inspizierte mit Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt die Baustelle der Gasunie auf Lühesand. Meyer sprach von einem „starken Signal für die Energieversorgung der Zukunft in Deutschland“. Im Zuge der Dekarbonisierung werden fossile durch erneuerbare Energien ersetzt. Grüner Wasserstoff soll mit Windkraftstrom produziert werden. Die Insel sei eine zentrale Drehscheibe der Energiewende. Ohne Wasserstoff seien die Klimaschutzziele nicht zu erreichen.

Parallel zur Wasserstoffpipeline verläuft eine wichtige Stromleitung. Foto: Vasel
Um die Energiewende zu beschleunigen, rüstet das Tochterunternehmen des niederländischen Staatsunternehmens Gasunie auch bestehende Erdgasleitungen auf den Wasserstofftransport um.
Gasunie rüstet Erdgasleitungen um
Die Gasunie ist ein niederländisches Staatsunternehmen und betreibt ein 4700 Kilometer langes Gastransportnetz in Norddeutschland. Die sechs Hyperlink-Projekte umfassen 1000 Kilometer Wasserstoffleitungen in Nordwestdeutschland, zwei Drittel des geplanten Netzes bestehen aus umgerüsteten Erdgasleitungen.
Auch auf Lühesand wird die Leitung ertüchtigt. Die Erdgasleitung war im Sommer durch Abfackeln gasfrei gemacht worden. Im Naturschutzgebiet legten Strabag- und Gasunie-Mitarbeiter mit dem Bagger einen kleinen Abschnitt am Südende frei. Tide und Naturschutzauflagen bestimmten den Ablauf. Unter anderem brütet der Seeadler auf der 124 Hektar großen Insel. Im Oktober muss, mit Blick auf die Sturmflutsaison, alles fertig sein.

Eine Isolierkupplung wurde in die zukünftige Wasserstoffleitung eingebaut. Foto: Vasel
Laut Gasunie-Manager Michael Kleemiß ist aus Sicherheits- und Korrosionsschutzgründen eine sogenannte Isolierkupplung eingebaut worden. Wasserstoff ist bekanntlich hochentzündlich. Mit Blick auf den kathodischen Korrosionsschutz und die großen Stromleitungen musste dieses Teil eingefügt werden.
Die Lühesand-Baustelle markiert einen wichtigen Meilenstein für den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur in Norddeutschland.
Meyer: Grüner Wasserstoff stärkt Industrie
„Durch die Umwidmung bestehender Erdgasleitungen gelingt es uns, den Wasserstoffhochlauf nicht nur klimafreundlich, sondern auch effizient und ressourcenschonend zu gestalten“, sagte Meyer. Durch Hyperlink werde grüner Wasserstoff aus Niedersachsen dort ankommen, wo er die größten CO₂-Einsparungen ermöglicht - in der Industrie.

Die Geschäftsführerin der Gasunie Deutschland, Britta van Boven, erläutert Minister Christian Meyer die Arbeiten auf Lühesand. Foto: Vasel
In Niedersachsen entstehen rund 400 Kilometer Leitungen; Firmen wie Dow und Salzgitter AG (Grüner Stahl) und die mitteldeutsche Chemie- und Raffinerieregion würden profitieren. Hyperlink stärke die Rolle Norddeutschlands als zentrale Wasserstoffdrehscheibe Europas.
Niedersachsen auf dem Weg zum Wasserstoffland Nr. 1
Die Nachfrage nach Wasserstofftransport wachse: Im Juli 2026 seien im Wasserstoff-Kernnetz sechs Gigawatt Transportkapazität zahlungspflichtig reserviert worden - eine Verdopplung gegenüber Mai 2026. Das sei ein klares Marktsignal für den weiteren Ausbau.
2,8 Milliarden Euro investiere Niedersachsen mit dem Bund in den Ausbau der Wasserstoff-Wertschöpfungskette - von der Erzeugung in Elektrolyseuren über den Transport und die Speicherung bis zur industriellen Nutzung.
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Aktuell sei grüner Wasserstoff in Dänemark noch um die Hälfte günstiger. Das werde sich ändern. Meyer: „Niedersachsen ist auf dem Weg zum Wasserstoffland Nummer eins.“ Doch es seien mehr Anreize und Förderung durch den Bund notwendig.
Für Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) ist die Pipeline von den Niederlanden bis Dänemark mehr als ein Meilenstein der Energiewende: „Es ist eine Achse der Freiheitsenergie.“ Der gemeinsame klimaneutrale Energiemarkt werde Demokratie, Industrie und Klimaschutz stärken.
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