TSchiffe und eine lange Freundschaft: Zwei Shipspotter am Lühe-Anleger
Tobi Langer (links) und Knut Hauschildt steuern konzentriert ihre Drohnen. Damit machen die beiden Shipspotter Fotos von großen Schiffen. Foto: Haardt
Pötte gucken: Dabei haben sich Knut Hauschildt und Tobi Langer vor 20 Jahren am Lühe-Anleger kennen gelernt. Was das Shipspotting für sie so besonders macht.
Grünendeich. Es ist sieben Uhr morgens, der Himmel über dem Lühe-Anleger ist leicht bewölkt. Am Anleger stehen zwei in Funktionsjacken gekleidete Männer und warten. Mit dabei haben Knut Hauschildt und Tobi Langer Kameras und Drohnen, denn sie warten nicht auf die Fähre, sondern auf die Windward Munich.
Die ist ein Wartungsschiff für Offshore-Windanlagen und fährt an diesem Morgen von Cuxhaven nach Hamburg. Vom Lühe-Anleger aus wollen Hauschildt und Langer Fotos von dem Schiff machen. Das Shipspotting, also das Beobachten und Fotografieren von Schiffen, ist ihr Hobby.
Die Windward Munich ist ein Wartungsschiff für Offshore-Windanlagen. Im Hintergrund ist der Lühe-Anleger zu erkennen. Foto: Hauschildt
Die Männer packen ihre kleinen Drohnen aus und hoffen auf gute Lichtverhältnisse. Denn was den beiden wichtig ist: Die Qualität der Bilder muss stimmen. „Die sollen schon so gut sein, dass ich sie mir nachher als großes Poster ausdrucken kann”, sagt Langer.
Mit Sonnenaufgang auf den Beinen
Für die zwei Shipspotter ist der Ausflug an den Anleger heute eine „Mittelschicht”. „Im Sommer ist man schon mal ab fünf Uhr auf den Beinen, je nachdem, wann die Sonne aufgeht”, erklärt Tobi Langer. „Wenn man davon erzählt, hört man oft 'Bist du bekloppt?'”, sagt Langer und lacht. „Ich denke, man muss für das Hobby positiv verrückt sein.”
Als die beiden beginnen zu fachsimpeln über bestimmte Schiffstypen oder Reedereifarben, wird klar: Das Shipspotting ist eine ganz eigene Welt, eine, mit der sich die zwei Freunde schon seit Jahren beschäftigen.
Die Faszination fürs Pötte gucken begleitet Tobi Langer seit seiner Kindheit. Der Düsseldorfer hat Familie in Steinkirchen und stand schon als Zehnjähriger mit seiner Urgroßmutter am Anleger. „Dass so etwas Großes auf der Elbe schwimmt, ist faszinierend”, findet der heute 32-Jährige.
Von der Zeitungsankündigung zu modernem Tracking
Was den beiden an ihrem Hobby außer den großen Schiffen gefällt: „Man hat immer frischen Wind um die Nase und lernt viele Leute kennen”, sagt Hauschildt. So sind sich auch Langer und Hauschildt begegnet: Vor etwa 20 Jahren am Lühe-Anleger, beim Shipspotting.
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Damals waren die Zeiten noch andere: „Früher hat das TAGEBLATT eine Liste mit Schiffen veröffentlicht, die vorbeifuhren”, erinnert sich Hauschildt. Sonst standen die Shipspotter an der Elbe und warteten ab, welche Schiffe vorbeikamen.

Vor 20 Jahren haben sich Knut Hauschildt und Tobi Langer am Lühe-Anleger kennengelernt. Ihr gemeinsames Hobby verbindet sie. Foto: Haardt
Heute sind die beiden technisch top ausgestattet und wissen dank Tracking genau, wo sich welches Schiff befindet. „Dadurch ist es leichter, den Tag zu planen”, erklärt Langer. Manchmal sind er und Hauschildt den ganzen Tag auf den Beinen und lichten Schiffe ab.
Langer nehme eigentlich jedes Schiff mit, das er bekommen kann. Für besondere nimmt er sehr stressige Tage in Kauf: Morgens bricht er in Düsseldorf auf, dann geht es zur Spotting-Stelle wie den Lühe-Anleger und abends wieder zurück.
Neubauten und besondere Ladung faszinieren
Bei Hauschildt ist das anders: Er wohnt in Jork und sucht sich die Schiffe heraus, die ihm noch fehlen. Besonders interessant sind für ihn Neubauten und Schiffe, die zum ersten Mal Hamburg anlaufen, so wie die Windward Munich, auf die Hauschildt und Langer heute warten.
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Schiffe mit besonderer Last, wie die neuen Containerbrücken für den Hamburger Hafen oder mit Containern ausschließlich in Reedereifarben, machten auf Fotos ebenfalls einiges her.

Über den Bildschirm verfolgt Knut Hauschildt wo sich seine Drohen befindet und was das Gerät gerade „sieht”. Foto: Haardt
Um halb acht erhaschen Hauschildt und Langer einen ersten Blick auf die Windward Munich. Die ist noch ein ganzes Stück entfernt. Als sie auf einige Hundert Meter herangenaht ist, starten die Männer ihre Drohnen. Von dem Schiff sehen sie eigentlich kaum etwas, denn während die Windward Munich zügig am Lühe-Anleger vorbeifährt, halten Hauschildt und Langer die Köpfe gesenkt.
Drohnenflug um die Windward Munich
Konzentriert starren sie auf den kleinen Bildschirm der Drohnenfernsteuerung. Ab und zu rufen sie sich ihre Höhe zu, damit die kleinen Flugkameras nicht zusammenstoßen. Nach ein paar Minuten ist wird die Windward Munich immer kleiner und Hauschildt und Langer holen ihre Drohnen zurück.

Tobi Langer holt seine Drohne zurück, während die Windward Munich in Richtung Hamburg entschwindet. Foto: Haardt
Sie sind sich einig: Das frühe Aufstehen habe sich gelohnt. Trotz nicht optimaler Lichtverhältnisse seien tolle Bilder herausgekommen, die die Sammlungen der beiden ergänzen. Knut Hauschildt wird die besten Fotos auf der Internet-Plattform Vessel Tracker hochladen. Knapp 10.000 seiner Werke hat er dort schon eingestellt. Doch auf die Menge käme es ihm gar nicht an: „Wir freuen uns einfach über die schönen Fotos.”
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