TSexuelle Belästigung im Schultaxi? 16-Jährige filmt Übergriffe des Fahrers
Der Beschuldigte, der für ein Rotenburger Taxiunternehmen arbeitete, fasste der Schülerin zwischen die Beine und nahm ungefragt ihre Hand. Foto: Borner
„Hattest du schon Sex? Blasen geht doch“, soll der Fahrer sie gefragt haben. Eine Schülerin aus dem Kreis Rotenburg muss im Taxi belastende Situationen durchleiden. Bis sie einen Übergriff filmt.
Scheeßel. Mehrmals habe der Taxifahrer ihr zwischen die Beine gefasst, ihre Hände genommen und ihre Brüste wie zufällig gestreift. Er habe auch unangenehme Fragen gestellt, wie: „Du bist voll hübsch, darf ich dich küssen? Komm schon, nur ein Freundschaftskuss.“ Die Schülerin habe nach den ersten Vorfällen niemandem davon erzählt, aus Angst davor, dass ihr nicht geglaubt werde.
Bereits auf vorherigen Fahrten sei der Beschuldigte seltsam gewesen und habe ihr immer wieder gesagt, dass sie „so hübsch“ sei. Mehrmals musste sie sexuelle Belästigung auf dem Schulweg ertragen, sagt die 16-Jährige, immer vom selben Taxifahrer. Er habe ohne zu fragen ihre Hände genommen und immer wieder unangenehme sexuelle Fragen gestellt, erzählt sie. Mitte April sei es noch schlimmer geworden. „In der Schule habe ich es dann meinen Freundinnen erzählt, die mir zugestimmt haben, dass das nicht ok ist.“ Sie fasste den Entschluss, noch einmal bei dem Taxifahrer einzusteigen und mit ihrem Smartphone die Fahrt zu filmen.
Taxifahrer will 16-jährige Schülerin aus Scheeßel küssen
Er sei erst normal gewesen, doch nach der Hälfte der Fahrt habe er wieder mit den Schmeicheleien begonnen. „Ich habe nicht darauf reagiert und dann hat er meine Hand gegen meinen Willen genommen. Ich hatte Angst, mich dagegen zu wehren“, sagt sie. Als er dann seine Hand auf ihren Schenkel gelegt habe, habe sie diese weggeschoben. Nach einigen Minuten der Stille habe er sie dann mehrmals gefragt, ob er sie küssen dürfe. „Ich habe mehrmals Nein gesagt, bis er aufgehört hat.“ Sie habe dann ihre Haarspitzen in die Hand genommen und angesehen, da habe er seine Hand zu ihren Haaren geführt und ihr dabei über die Brust gestrichen. „Als ich zu Hause war, bin ich weinend zu meiner Mutter und habe es ihr erzählt“, sagt die 16-Jährige.
Sexualisierte Gewalt
T Luisa ist neu im Musikladen Heinbockel: Hilfe in unangenehmen Situationen
Dass ihre Video-Aktion gefährlich war, ist ihr jetzt, auch nach einem Gespräch mit der Polizei, klar. Denn die Videoaufnahme hätte die Situation mit dem Taxifahrer eskalieren lassen können. Mit ihrer Mutter war sie nach einem Anruf bei der Polizei ins Krankenhaus gefahren, um dort eventuelle DNA-Spuren zu sichern. Doch die dann eintreffenden Polizeibeamten hätten sie befragt und ihr erklärt, dass dies wegen des Beweisvideos nicht nötig sei. Ihre Mutter ärgert sich, dass der Taxifahrer bei der polizeilichen Befragung alles abstritt. Sie kritisiert auch, dass die Polizei nach dem Anruf gegen 15 Uhr erst drei Stunden später zu ihrer Tochter gefahren sei. „Meine Tochter hatte Angst, und wir fühlen uns nicht richtig ernst genommen.“
Täglicher Schulweg von Visselhövede nach Scheeßel mit Taxi
Polizeisprecher Marvin Teschke erklärt: „Jeder Sachverhalt wird individuell bewertet und unterliegt einer zügigen, zugleich aber sorgfältigen Prüfung durch den Einsatz- und Streifendienst.“ Erforderliche Maßnahmen würden lageabhängig priorisiert, dabei stünden das Wohl des Opfers und die Verifizierung des Sachverhalts im Fokus.
Im Februar 2025 war die Schülerin mit ihrer Mutter nach Visselhövede gezogen. Weil sie eine sonderpädagogische Förderung erhalten hat, konnte sie an ihrer bisherigen Schule, der Beekeschule in Scheeßel, bleiben. Auf diesem ungewöhnlichen Schulweg wird sie seitdem von einem Taxiunternehmen gefahren, das der Landkreis wegen ihres Anspruchs für sie organisiert hat.
Taxifahrer nach mutmaßlicher sexueller Belästigung einer Schülerin fristlos gekündigt
Der Inhaber des vom Landkreis beauftragten Taxiunternehmens Nadolny Reisen, Georg Nadolny, hat dem beschuldigten Taxifahrer am Tag nach dem aktuellen Vorfall fristlos gekündigt. „Das geht gar nicht, da musste ich sofort gegensteuern. Natürlich haben wir uns beide Seiten angehört, aber das Video, das die Schülerin gemacht hat, war eindeutig“, sagt er. Der Beschuldigte, der in der Probezeit war und die 16-Jährige regelmäßig zur Schule brachte, habe auf Nachfrage betont, dass nichts vorgefallen sei und alle Vorwürfe gelogen wären.
Sowohl die Mutter der Minderjährigen als auch der Taxiunternehmer sind sich einig: Der Entlassene sollte besser seinen Personenbeförderungsschein verlieren. Die Polizei Rotenburg ermittelt nach eigener Aussage gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung. „Im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen informiert die Polizei die zuständigen Behörden über relevante Sachverhalte, die Zweifel an der persönlichen Eignung begründen könnten“, erläutert Polizeisprecher Teschke. Über mögliche Maßnahmen entscheide dann die zuständige Behörde.
Nach sexueller Belästigung: Nun fährt eine Frau die 16-Jährige
Nach dem Schreckensvorfall gibt es perspektivisch auch eine gute Nachricht: Das Taxiunternehmen organisiere gerade eine weibliche Fahrerin, die die 16-Jährige zukünftig täglich sicher zur Schule fahren soll.
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