Zähl Pixel
Prost Sommer!

TTraditionshaus mit Seele – Restaurant Hintze lockt an den Estedeich

Bunte Stühle unter Obstbäumen laden in Hintzes Garten zum Verweilen ein. Einige der eisernen Gestelle stammen noch aus den Anfangstagen, Holz und Farbe wurden über die Jahrzehnte liebevoll erneuert.

Bunte Stühle unter Obstbäumen laden in Hintzes Garten zum Verweilen ein. Einige der eisernen Gestelle stammen noch aus den Anfangstagen, Holz und Farbe wurden über die Jahrzehnte liebevoll erneuert. Foto: Svenja Weil

Seit mehr als hundert Jahren bietet Familie Hintze Gelegenheit zur Einkehr am Deich. Mit Stolz auf die Tradition und Mut zu Neuem führt die vierte Generation das Haus.

31.08.2026, 14:05 Uhr

Jork-Leeswig. Kurz vor der Hamburger Landesgrenze bewirtet Familie Hintze in Jork-Leeswig seit 112 Jahren ihre Gäste. Von der Straßenseite wirkt das Gasthaus auf dem Deich eher unscheinbar. Der wahre Schatz liegt zwischen Deich und Este: der große Kaffeegarten mit seinen bunten Stühlen und alten Obstbäumen.

„Was nützt eine tolle Fassade, wenn das Herz nicht stimmt?", meint Chefin Doris Hintze. Sie und ihre Familie betreiben das Traditionslokal mit viel Herz und Liebe und das spüren und schätzen die Gäste, darunter gelegentlich Hamburger Prominente, die hier ihre Ruhe haben möchten.

Traditionslokal in vierter Generation

Gemeinsam mit ihrem Mann Thorsten, Urenkel des Betriebsgründers, und Tochter Anna-Maria serviert Doris Hintze Fisch- und Fleischgerichte aber auch Snacks und selbstgebackenen Kuchen.

Schon seit Jahrzehnten ist das Haus in der Umgebung als „Schollen-Hintze“ bekannt und bis heute sind Fischgerichte besonders beliebt - vor allem, wenn es dazu Bratkartoffeln gibt, denn auch für die ist das Haus berühmt.

Doris und Thorsten Hintze führen das Traditionslokal auf dem Estedeich in vierter Generation.

Doris und Thorsten Hintze führen das Traditionslokal auf dem Estedeich in vierter Generation. Foto: Svenja Weil

Seit Doris und Thorsten Hintze vor 28 Jahren die Führung von Thorstens Eltern übernahmen, haben sie den Betreib an neue Konsum- und Freizeitgewohnheiten der Gäste angepasst ohne Bewährtes zu vernachlässigen. Inneneinrichtung, Gartengestaltung, Öffnungszeiten und auch das Speisenangebot wurden immer wieder verändert.

Anpassung an neue Essgewohnheiten

In früheren Jahrzehnten standen Hamburger Aalsuppe und Schwarzsauer auf der Karte. „Das mag doch heute keiner mehr“, kennt Doris Hintze den Geschmack ihrer Gäste. Bis heute ausgesprochen beliebt ist aber der Stint, der im Februar und März zahlreiche Feinschmecker anlockt.

Früher waren die ganze Familie sowie weitere Helferinnen und Helfer im Keller tagelang mit Stintputzen beschäftigt. Mittlerweile beziehen Hintzes ihren Stint von Fischer Wilhelm Grube aus Hopte und bekommen ihn ohne Kopf und Innereien geliefert. „Wir waschen trotzdem alles noch mal gründlich nach“, betont Hintze. Die Stintsaison ist der Start ins gastronomische Jahr.

Volles Haus in der Stintsaison

Von Frühjahr bis Herbst ist der Garten ein besonderer Anziehungspunkt. Die Gäste können sogar direkt per Boot anreisen und an einem der zwei hauseigenen Stege festmachen.

Bei Hintzes können die Gäste auch per Boot auf der Este anreisen. Zwei hauseigene Anlegestellen stehen bereit.

Bei Hintzes können die Gäste auch per Boot auf der Este anreisen. Zwei hauseigene Anlegestellen stehen bereit. Foto: Svenja Weil

Vor Jahrzehnten habe es sogar eine eigene Minifähre über die Este gegeben. In einem Baum am gegenüberliegenden Ufer hing eine Glocke, mit der Gäste einen Kahn herüberrufen konnten. Heute kommen private Barkassen und Motorboote und landseitig viele Wanderer und Fahrradfahrer. Wenn im Garten alle Tische besetzt sind, erweitert Doris Hintze das Angebot gerne um einige Liegestühle. So können die Gäste schon entspannt das erste Getränk genießen, während sie auf einen Platz warten.

Mit den großen Kellen wurde früher Aalsuppe aus riesigen Töpfen geschöpft. Als Gartendeko bewahren sie die Erinnerung an vergangene Jahrzehnte.

Mit den großen Kellen wurde früher Aalsuppe aus riesigen Töpfen geschöpft. Als Gartendeko bewahren sie die Erinnerung an vergangene Jahrzehnte. Foto: Svenja Weil

Viele Tische sind noch mit den historischen Klappstühlen bestückt. Manche der Gestelle stammen noch aus den Anfangsjahren und sind über hundert Jahre alt. Ihr Schwiegervater habe Holz und Farbe jeden Winter überarbeitet, erzählt Doris Hintze. Wenn im Sommer sehr viel los ist, öffnet sie die Verkaufsstelle in der Gartenhütte.

Gartenidylle direkt an der Este

Hier werden Fischbrötchen, Kuchen und Getränke verkauft. Durch die Selbstbedienung wird der Service entlastet und Gäste, die nicht lange bleiben möchten, können sich schnell versorgen. Die Hütte mit dem Verkauf draußen ist eine Erfindung aus der Coronazeit.

Der Bau habe damals richtig Spaß gemacht und das neue Angebot zwar finanziell nicht viel eingebracht, mental aber umso mehr. „Es ging weiter und es ist ohnehin immer wichtig, etwas Neues auszuprobieren.“ Das tut Familie Hintze auch bei den besonderen Veranstaltungen im November und Dezember, bei denen sie zu verschiedenen Themenbüfetts einlädt. In der anschließenden Weihnachtspause genießt die Familie Zeit und Ruhe mit Freunden, um dann mit neuer Energie wieder ins Jahr zu starten und im Rhythmus der Gezeiten an der Este ihre Gäste zu verwöhnen.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Restaurant Hintze, Leeswig 106, Freitag bis Dienstag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag Ruhetag, Stück Obstkuchen mit Sahne 4,90 Euro, Scholle Finkenwerder Art 26,30 Euro, Cappuccino 2,80 Euro, Stintsaison Februar / März

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel