TWenn das Leben zu Ende geht: Sie helfen Betroffenen vor dem Tod
Gudrun Wahlers (links) und Bärbel Klindworth aus Sauensiek bieten seit 2021 Letzte-Hilfe-Kurse an. Foto: Laudien
Tod, Sterben und Trauer: Themen, die früher oder später jeden betreffen. Wie ein Kursus in Sauensiek dabei helfen kann.
Sauensiek. Es ist ein Teil des Lebens, über den die meisten nicht gerne sprechen und der daher oft verdrängt wird: Der Tod und das Sterben sind häufig ein Tabu-Thema. Das sollte sich unbedingt ändern, um Schrecken und Ängste zu nehmen, finden Gudrun Wahlers aus Rotenburg und Bärbel Klindworth aus Sauensiek.
Die beiden Frauen bieten Letzte-Hilfe-Kurse an - ähnlich wie Erste-Hilfe-Kurse. Bei Unfällen oder Notfällen sei es selbstverständlich und gesetzliche Pflicht zu helfen. Um schwerkranken und sterbenden Menschen beizustehen, sollte es ihrer Meinung nach genauso normal sein.
„Ob Landfrauen, Mitarbeiter der Rotenburger Werke oder Pflegekräfte - etliche Kursteilnehmer haben wir mit unserem Handwerkskoffer für die Sterbebegleitung bereits ausgerüstet“, sagt die 67-jährige Gudrun Wahlers. Unter den Teilnehmern war eine 18-jährige Rettungssanitäterin ebenso wie ein 86-Jähriger.
Im letzten Kursus war eine Familie, die ihr Kind verloren hat. Es war im Hospiz gut aufgehoben. Doch die Eltern wollten für andere Angehörige wie ihre Eltern künftig besser vorbereitet sein, berichten die beiden Frauen.

Das kleine Buch für die Letzte Hilfe bieten Gudrun Wahlers (links) und Bärbel Klindworth zusätzlich zu ihren Kursen. Foto: Laudien
Gudrun Wahlers hat 47 Jahre im Gesundheitswesen gearbeitet, unter anderem auf Krankenhaus-Stationen. Sie weiß daher genau, wie wichtig der richtige Umgang mit schwerkranken Patienten ist.
„Unser Kursus vermittelt Basiswissen sowie einfache Handgriffe, die das Leben mit Sterbenden leichter machen“, sagt Wahlers. Auch ihr selbst hätten die Kursinhalte geholfen, etwa beim Tod ihrer Mutter, als sie diese in ihrer Lieblingsbettwäsche im Sarg beerdigen lassen konnte. „Beigaben sind beim Sterben sehr wichtig.“
Bärbel Klindworth ist Krankenschwester am Rotenburger Krankenhaus und hat eine Zusatzausbildung zur Palliativcarefachkraft. In der onkologischen Tagesklinik begleitet sie Menschen am Ende ihres Lebens. „Gute Vorsorge erleichtert aber den Trauervorgang enorm und nimmt Ängste und Schrecken“, sagt die Sauensiekerin.
Cola und Rotwein wecken positive Erinnerungen
Die Letzte-Hilfe-Kurse sind in vier Module unterteilt, jedes dauert 45 Minuten, dazwischen gibt es kurze Pausen. Es wird über die Normalität des Sterbens gesprochen. Aber auch formelle Dinge wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind ein Teil, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.
„Ohne Regelung kann es zu Konflikten kommen, etwa unter den Familienangehörigen, aber auch zu finanziellen Sorgen“, weiß Wahlers aus ihrer langjährigen Erfahrung. „Vieles erzählen wir auch aus dem eigenem Nähkästchen“, sagt sie.

Wie man richtig die Hand eines Schwerkranken hält, auch das vermitteln die beiden Kursleiterinnen. Foto: Laudien
Im dritten Modul geht es um die Linderung des Leidens. Hier können schon einfache Dinge wie etwa eine Handmassage oder eine Mundpflege hilfreich sein. „Den Mund des Schwerkranken mit Cola oder Rotwein befeuchten, bringt positive Erinnerungen. Man muss es dem Sterbenden so angenehm wie möglich machen“, sagt Wahlers.
Aber auch medizinische Kenntnisse zum Sterbeprozess, was mit einem Menschen passiert, dass sie etwa nicht mehr trinken und essen wollen, was ein völlig normaler Prozess sei, ist sowohl für Angehörige als auch für die Schwerkranken äußert hilfreich zu wissen, berichten die Kursleiterinnen.
Überforderung durch eine Vielzahl an Entscheidungen
Im letzten Teil des Kurses geht es um das Abschied nehmen. „Oftmals handeln Angehörige aus Unwissenheit und machen sich und dem Sterbenden dadurch unnötig Stress“, sagt Klindworth. Auch die Phase nach dem Tod eines Angehörigen ist für die Hinterbliebenen entscheidend. Zeit und Ruhe zum Handeln sind dann besonders wichtig.
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Mit der Vielzahl an Entscheidungen, die Angehörige zu treffen haben, sind viele überfordert. Welcher Arzt muss gerufen werden, wo soll die Aufbahrung stattfinden, welche Bestattungsform soll es sein und vieles mehr ist dann zu regeln.
Asche in einen Pflanzkübel
„Meine Asche soll in einen Pflanzkübel kommen, auf dem ein Baum wächst. Dafür muss die Asche nach Holland geschickt werden, wo es diese Möglichkeit gibt“, erzählt Gudrun Wahlers. Das habe sie auch schon mit ihrem Mann und den Kindern besprochen.
Bärbel Klindworth möchte im Friedwald beerdigt werden. Die beiden Frauen gehen völlig ungezwungen mit dem Thema Tod um. Es sei in erster Linie besonders wichtig, gut Abschied zu nehmen. Wenn bereits vieles vorher geregelt wurde, ist das äußerst hilfreich.
Die Idee für Letzte-Hilfe-Kurse wurde von Georg Bollig 2008 beschrieben. 2015 fand der erste Kursus in Deutschland statt. Die Kurse von Gudrun Wahlers und Bärbel Klindworth kosten 20 Euro pro Teilnehmer. Im April ist ein Letze-Hilfe-Kursus im Vietshof in Sauensiek geplant, ein genauer Termin steht noch nicht fest. www.letztehilfe.info, gudrun.wahlers@web.de, Telefon 04288-9279944.
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