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T Feuerwehr im Landkreis Stade: Spezialteam leistet Hilfe für die Seele

Sie bilden die neue Gruppe für Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehr Stade (von links): Jan Lohrengel, Vanessa von Bremen, Andreas Hellmich und Britta Diercks.

Sie bilden die neue Gruppe für Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehr Stade (von links): Jan Lohrengel, Vanessa von Bremen, Andreas Hellmich und Britta Diercks. Foto: Sulzyc

Der Landkreis Stade stellt in Jork seinen Plan einer App für Ersthelfer vor. Hilfe und Unterstützung gibt es auch für die Einsatzkräfte selbst - ein neues Team kümmert sich darum.

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Von Thomas Sulzyc
Montag, 27.04.2026, 09:51 Uhr

Landkreis. Beißender Brandgeruch hängt in der Luft - oder auch der Gestank von Benzin. Verletzte weinen oder stöhnen vor Schmerz. Feuerwehrleute sind solchen Situationen ausgesetzt - und manchen belasten sie.

Wenn der Stress abfällt und die Seele zu brennen beginnt, leistet den Rettern demnächst eine neues Spezialteam Hilfe. Ab 1. Mai nimmt in der Kreisfeuerwehr Stade die sogenannte PSNV-E-Gruppe die Arbeit auf. Die Buchstabenkombination ist Feuerwehrfachjargon und steht für Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte.

Henning Klensang, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Stade, steht beim Verbandstag in der Festhalle in Jork vor den rund 300 Delegierten und Besuchern.

Henning Klensang, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Stade, steht beim Verbandstag in der Festhalle in Jork vor den rund 300 Delegierten und Besuchern. Foto: Sulzyc

Beim Kreisfeuerwehrverbandstag am Sonnabend in Jork stellte sich das Einsatzteam vor 300 Feuerwehrdelegierten und Gästen vor. Der Pastor und Feuerwehrmann Andreas Hellmich aus Brest, die hauptberufliche und freiwillige Feuerwehrfrau Vanessa von Bremen (Feuerwehr Burweg), Jan Lohrengel (Feuerwehr Buxtehude) und die Psychologin Britta Diercks bilden es.

Wichtig sei, dass Feuerwehrleute die Psychosoziale Notfallversorgung leisten, sagte Jan Lohrengel im Gespräch mit dem TAGEBLATT. Sie genießen ein besonderes Vertrauen, weil sie aus den eigenen Reihen stammen. Das neue Einsatzteam ergänzt die Arbeit der Notfallseelsorge, die meist nach Unfällen Betroffene, Angehörige und Einsatzkräfte direkt vor Ort unterstützt.

So kontaktieren Retter die Traumata-Hilfe

Noch während eines Einsatzes können Feuerwehrleute über die Einsatzleitzentrale die Psychosoziale Notfallversorgung mit einem Anruf anfordern. Tage später können sie die Traumata-Hilfe mit einer E-Mail kontaktieren: psnv-e@kfv-stade.de

Besonders belastend sind zunehmende Angriffe auf Einsatzkräfte. In Niedersachsen ist die Anzahl im vergangenen Jahr auf 360 gestiegen - das sind 50 mehr als im Vorjahr. Retter werden beschimpft, bedroht, bisweilen körperlich attackiert.

Politikerinnen verurteilen Angriffe auf Einsatzkräfte

In ihrem Grußwort beim Kreisfeuerwehrverbandstag appellierte die CDU-Landtagsabgeordnete Birgit Butter aus Buxtehude-Hedendorf an die Gerichte, Angriffe auf Einsatzkräfte zu bestrafen. Zu viele Verfahren würden ihrer Ansicht nach eingestellt. Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange aus Deinste verurteilte in ihrem Grußwort Angriffe auf Einsatzkräfte.

Andreas Hellmich indes wirbt um zusätzliche Helferinnen und Helfer in der Psychosozialen Notfallversorgung. Im Frühjahr 2027, so der Plan, starte die Ausbildung mit Zertifikat.

Landkreis plant Erste Hilfe per App

Mit der Einführung einer Erste-Hilfe-App will der Landkreis Stade bei medizinischen Notfällen die Überlebenschancen von Betroffenen erhöhen. Den Plan erläuterte der Leiter der Feuerwehr-und Rettungsleitstelle, Andre Holst, beim Kreisfeuerwehrverbandstag.

Dabei handelt es sich um eine auf dem Smartphone basierende Erst-Helfer-Alarmierung. Wird der Notruf 112 bei einem Herz-Kreislaufstillstand gewählt, werden die Helfer, die in der Nähe sind, per App alarmiert. Sie sollen die Zeit überbrücken bis die sogenannte AED-Gruppe der Feuerwehren oder der Rettungswagen eintrifft.

„Wir geben noch mehr Menschen die Chance, Erste Hilfe leisten zu können“, sagte Andre Holst. Zum Beispiel Ärzten auf dem Heimweg oder Berufspendlern aus Nachbarkreisen. Anfang 2027 soll die Registrierung der Ersthelfer beginnen.

Die Ersthelfer-App soll die Arbeit der AED-Gruppen ergänzen, betonte Landrat Kai Seefried (CDU) in seiner Rede beim Kreisfeuerwehrtag. AED steht für Automatisierter Externer Defibrillator. Dabei handelt es sich um spezialisierte Einheiten der Freiwilligen Feuerwehren, die bei medizinischen Notfällen wie Herzinfarkten oder Reanimationen helfen.

So wichtig sind die AED-Gruppen

Ausdrücklich lobte Kai Seefried die Arbeit der insgesamt 49 AED-Gruppen der Feuerwehren im Landkreis Stade. 1200 Ehrenamtliche gehören ihnen an. Ihr Leiter ist Matthias Block. Der machte deutlich, wie wichtig die AED-Gruppen sind: „Wir hatten im vergangenen Jahr 16 Prozent mehr Alarmierungen, insgesamt 402 Einsätze.“

Von einem Sammelparkplatz im Gewerbegebiet Ostfeld transportiert die Feuerwehr Delegierte in einem Shuttle-Verkehr zur Festhalle. In Jork herrscht Parkplatznot, weil das Blütenfest und der Kreisfeuerwehrverbandstag gleichzeitig stattfinden. Auf dem Bild steigen die Feuerwehrleute Dominik Dölling (vorne) und Claas Brüggemann aus dem Transporter.

Von einem Sammelparkplatz im Gewerbegebiet Ostfeld transportiert die Feuerwehr Delegierte in einem Shuttle-Verkehr zur Festhalle. In Jork herrscht Parkplatznot, weil das Blütenfest und der Kreisfeuerwehrverbandstag gleichzeitig stattfinden. Auf dem Bild steigen die Feuerwehrleute Dominik Dölling (vorne) und Claas Brüggemann aus dem Transporter. Foto: Sulzyc

Auch Gesprächsstoff beim Kreisfeuerwehrverbandstag: 300 Feuerwehrleute und Gäste versammeln sich ausgerechnet dann, wenn Jork das Altländer Blütenfest feiert. Eine nicht beabsichtigte Terminkollision. Verantwortlich sei die Gemeinde, beichtete Jorks Bürgermeister Matthias Riel (parteilos).

Weil seit Jahren die Kirschblüte frühzeitiger einsetzt, sei das traditionelle Blütenfest erstmals eine Woche vorverlegt worden. Vor dieser Entscheidung hatte die Feuerwehr bereits die Festhalle in Jork gebucht. In diesem Jahr fand der Kreisfeuerwehrtag in Jork statt, weil die Ortsfeuerwehr Borstel 100-jähriges Bestehen feiert.

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