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Gastronomie

T „Ruppiger Ton“: Koch aus Scheeßel gewinnt TV-Show „Mälzers Meisterklasse“

Gute Ratschläge: Noch heute pflegt Philipp Zitterbart (links) den Kontakt zu seinem Mentor Tim Mälzer.

Gute Ratschläge: Noch heute pflegt Philipp Zitterbart (links) den Kontakt zu seinem Mentor Tim Mälzer. Foto: RTL/Hendrik Lüders

Philipp Zitterbart aus Scheeßel hat „Mälzers Meisterklasse“ gewonnen – und zeigt, dass Herz, Kreativität und Persönlichkeit genauso zählen wie Kochkunst. So geht es für ihn weiter.

Von Ulla Heyne Samstag, 17.01.2026, 13:00 Uhr

Landkreis Rotenburg. Wenn Philipp Zitterbart dieser Tage von Wildfremden angesprochen wird, im Supermarkt an der Kasse oder in der Kita, dann kann es passieren, dass er rot wird. Peinlich ist dem Wahl-Scheeßeler der Ruhm nicht, „aber ein bisschen positiv peinlich berührt“ ist der gelernte Koch doch, wenn er mit dem Satz begrüßt wird: „Kenne ich Sie nicht aus dem Fernsehen?“ Gerade einmal vier Wochen ist es her, dass der 36-Jährige die jüngste Staffel von Tim Mälzers TV-Castingshow gewann: „Mälzers Meisterklasse“ – an diesem Format hatte der gelernte Koch zunächst gar nicht teilnehmen wollen.

Koch und Content Creator Philipp Zitterbart hat gut lachen: Er setzte sich bei dem TV-Kochduell gegen elf Mitstreiter durch.

Koch und Content Creator Philipp Zitterbart hat gut lachen: Er setzte sich bei dem TV-Kochduell gegen elf Mitstreiter durch. Foto: Heyne

Von mehreren Bekannten und Freunden auf den Aufruf zum Casting angesprochen, in dem „der beste Charakterkoch von morgen“ gesucht wurde, war der Süddeutsche zunächst skeptisch: „Man weiß ja nicht, wie man im Fernsehen dargestellt wird.“ Kamerascheu war Zitterbart indes nicht – schließlich ist der Bad Waldseer, der in namhaften Häusern kochte, seit dem Ende der Pandemie in den sozialen Medien mit „Koch-Content“ vertreten.

Auch das habe sich so ergeben, verrät der zweifache Vater im Gespräch. Aus dem gemeinsam mit einem Freund betriebenen Restaurant war er ausgeschieden. Seine Mitarbeit bei der Kochplattform chefkoch.de, für die er Kochvideos erstellte, führt er bis heute fort. Dazu kamen Videos, Projekte und Kampagnen, unter anderem für eine große Supermarktkette. Content Creator heißt die Berufsbezeichnung offiziell, „aber im Grunde meines Herzens bin und bleibe ich Koch.“

In „Mälzers Meisterklasse“ zählen Charakter und Persönlichkeit

In der deutschen Koch-Castingshow sucht Spitzenkoch Tim Mälzer als Mentor den „Charakterkoch von morgen“. In der Sendung treten zwölf handverlesene Köchinnen und Köche gegeneinander an, wobei nicht nur ihre Kochtechnik, sondern vor allem Kreativität, Persönlichkeit und individuelle Handschrift im Vordergrund stehen. In jeder Folge müssen die Teilnehmenden unterschiedliche Kochaufgaben meistern, Entscheidungen trifft Mälzer gemeinsam mit weiteren Experten. Nach und nach scheiden Kandidaten und Kandidatinnen aus. Für den Sieg gibt es ein Preisgeld von 50.000 Euro sowie ein einjähriges Mentoring durch Mälzer, inklusive eines Kochduells im Rahmen der Sendung „Kitchen Impossible“.

Irgendwann, so vor zwei Jahren, stellte er sich die Frage, die seine berufliche Vita bis heute prägt: „Warum immer nur für andere Inhalte für die Sozialen Medien erstellen?“ Seitdem baut er sich als Marke konsequent aus, hat mehr als 60.000 Abonnenten auf Instagram. Insofern kam das Casting für Mälzers Kochformat nicht ungelegen; um Reichweite oder Präsenz in der Öffentlichkeit sei es ihm aber nie gegangen, sondern „um die Erfahrung und darum, Tipps und Tricks mitzunehmen“.

Beides sollte sich bewahrheiten – nach dem eingesandten Video ging es zum Casting, inklusive Probekochen und der Zusammenstellung einer imaginären Speisekarte. Am Ende hatte Mälzer, der die Kandidaten bei seinem laut Zitterbart wohl persönlichsten Projekt handverliest, eine dicke Mappe über jeden der 15 von rund 600 Bewerbern, die zum dreiwöchigen Dreh eingeladen wurden – und eine Vorstellung von den „Eigenheiten und Charakterzügen, die man herausbringen und glänzen lassen kann“.

Gewinner Philipp Zitterbart verrät: kein Skript bei „Mälzers Meisterklasse“

Gestellt sei vor der Kamera jedoch nichts gewesen: „Es gab kein Skript oder keine Vorgaben darüber, was wir zu sagen oder wie wir zu agieren hatten“ – Authentizität hatte höchste Priorität. Das galt auch fürs Kochen. Schnell stellte der Schwabe, der im Hotel Landgasthof Mattenhaus in Bad Waldsee gelernt hatte, fest: „Da waren einige dabei, die mir kochtechnisch haushoch überlegen waren.“

Nicht der einzige Grund, an sich zu zweifeln: „Man kam sich vor wie bei einer Lehrprüfung.“ Dabei ging es auch darum, sich selbst kennenzulernen: „Ich dachte, ich bin frei von Zwängen, von Druck, und gehe unkompliziert an die Sache heran – musste aber feststellen, dass man doch seine Schemata im Kopf hat, die man über Bord werfen muss.“

Anfänglich war die Konkurrenz noch groß, im Finale kocht Zitterbart (Mitte) gegen zwei Kontrahenten.

Anfänglich war die Konkurrenz noch groß, im Finale kocht Zitterbart (Mitte) gegen zwei Kontrahenten. Foto: RTL+/Hendrik Lüders

Denn in der Show ging es auch darum, alte Mantras zu hinterfragen und Prozesse auf den Kopf zu stellen. „Tim wollte, dass wir uns mit unserem Wertebild, unserer Philosophie auseinandersetzen.“ Dass der für seine Kodderschnauze bekannte Meisterkoch seine Kandidaten nicht gerade mit Samthandschuhen anfasste, nimmt Zitterbart seinem Mentor nicht übel.

„Man fühlte sich zum Teil vor den Kopf gestoßen, aber der ruppige Ton hat dazu geführt, dass man sich mit sich selbst auseinandersetzt.“ Die dreiwöchige Drehzeit hat Zitterbart als intensiv empfunden, eine Zeit voller Prüfungsängste wie früher und „nach der Geburt meiner Kinder die intensivste Zeit meines Lebens“. Heute sagt er: „Die Zeit war besser als eine Therapie.“

Emotionale Momente, die Zitterbart zweifeln lassen

Aber auch die konkreten Tipps verschiedener externer Mentoren und von Tim Mälzer selbst lernte er umzusetzen. „In den ersten zwei Folgen dachte ich: Was will der von mir?“ Doch dann habe er gelernt, sich zu öffnen. Konkret half Mälzer Zitterbart, aus Mustern auszubrechen, an seine Grenzen zu gehen, seine eigene Handschrift zu entdecken und Produkte anders zu präsentieren. Aber auch, weniger chaotisch zu kochen, sich nicht zu verlieren.

Zitterbart verschweigt aber auch nicht die emotionalen Momente, in denen auch mal Tränen flossen – allen voran der, als im Finale der Schweinebauch anbrannte: „Da dachte ich, es ist für mich gelaufen.“ Eigentlich habe es in jeder Folge einen Moment des Zweifels gegeben, den Gedanken: „Das wird nichts.“

Dass Zitterbart sich im Finale unter den letzten drei Kandidaten durchsetzen würde, daran hätte er selbst nicht geglaubt. Ebenso wichtig wie die 50.000 Euro Preisgeld ist das einjährige Mentoring durch Mälzer. Pläne hat Zitterbart einige: Zum einen habe ihm die Show gezeigt, „dass ich wieder in die Gastro will“. Die Suche nach einem geeigneten eigenen Restaurant zusammen mit einem Kumpel, voraussichtlich im Hamburger Raum, läuft.

So geht es jetzt mit dem Gewinner von „Mälzers Meisterklasse“ weiter

Darüber hinaus bekommt seine Agentin zunehmend Anfragen für Gastauftritte in renommierten Häusern. Nicht alle nimmt er an, sondern lässt es ruhig angehen: „Das muss auch passen.“ Aber auch die zweite Schiene seiner beruflichen Aktivitäten, nämlich das Kochen vor der Kamera, will er nicht missen. Auch hierfür sei die Präsenz im Fernsehen ein Sprungbrett.

Bis jetzt entstanden seine Videoclips vornehmlich in der heimischen Küche in Scheeßel vor der eigenen Handykamera. Mehr Platz war einer der Gründe für den Umzug der Familie „aufs große Dorf“, wo er kurze Wege, den dörflichen Gemeinsinn und die gute Versorgungslage schätzt – und dass die Kinder überall mit dem Rad hinfahren können.

Nach dem gewonnenen Finale ist Zitterbart überzeugt: „Das kann das Leben komplett verändern – man muss die Chance aktiv nutzen.“ Und dann ist da ja noch der dritte Teil des Gewinns: ein Kochduell im Rahmen der TV-Show „Kitchen Impossible“ gegen Mälzer persönlich. „Ich freue mich auf die Herausforderung auf Augenhöhe“, verkündet der charismatische Durchstarter mit einem Augenzwinkern.

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