Zähl Pixel
Orte der Generationen

T100.000-Euro-Investition: Grundschule Wischhafen will Plauderplatz werden

Schulleiterin Verena Marx-Dieckmann: „Wir möchten Raum für Begegnungen von außerhalb schaffen.“

Schulleiterin Verena Marx-Dieckmann: „Wir möchten Raum für Begegnungen von außerhalb schaffen.“ Foto: Helfferich

Das Bildungshaus Wischhafen will Räume für Begegnung und Bildung schaffen. Plauderplatz heißt das Projekt. Doch dafür muss die Gemeinde ordentlich Geld in die Hand nehmen.

author
Von Susanne Helfferich
23.10.2026, 17:00 Uhr

Wischhafen. „Schulen müssen immer der schönste Ort im Dorf sein“, ist Schulleiterin Verena Marx-Dieckmann überzeugt. Das Bildungshaus Wischhafen - mit Grundschule, Kindertagesstätte und Bücherei - will dafür zwei Plauderplätze einrichten. Die Idee: Sie sollen Gemeinschaft, Bildung und Erholung fördern - ein Ort für alle Generationen. Doch dafür muss die Gemeinde ordentlich Geld in die Hand nehmen.

Zwei bisher wenig genutzte Innenhöfe sollen neu gestaltet und eine Art Dorfplatz werden. „Wir möchten Raum für Begegnungen von außerhalb schaffen“, sagt Schulleiterin Verena Marx-Dieckmann, „und dafür eignen sich die beiden Innenhöfe perfekt.“

Seit Beginn des neuen Schuljahres arbeitet das Bildungshaus mit Kindern verschiedener Altersstufen und bietet umfassende Ganztagsangebote an. „Die vorhandenen Innenhöfe verfügen über viel Potenzial, wurden aber bisher nur eingeschränkt genutzt“, heißt es in der Konzeption.

Mit der Ganztagsschule steigt der Raumbedarf

Es fehlen attraktive Bereiche für Aufenthalt, Begegnung und naturnahe Gestaltung. Gleichzeitig verbringen Kinder wegen der Ganztagsschule immer mehr Zeit in den Schulen. Dadurch steige der Bedarf an gut gestalteten Außenräumen, die nicht nur Bewegung ermöglichen, sondern auch Begegnung, Erholung, Lernen und Gemeinschaft.

Die Plauderplätze sollen multifunktional den Bedürfnissen einer modernen Ganztagsschule entsprechen und eine Öffnung der Schule nach außen ermöglichen. Denn Kinder entwickelten sich nicht allein durch Unterricht, sie benötigten auch Vorbilder und Orte, an denen Gemeinschaft erlebt wird, heißt es in der Konzeption.

Sie ist eine Einladung an die Wischhafener, Schule mitzugestalten. „Wir vertreten die feste Überzeugung, dass sie einen großen Teil zur hochwertigen Bildung beitragen können“, sagt Verena Marx-Dieckmann. Umgekehrt profitierten Menschen jeden Alters von unterschiedlichen Austauschmöglichkeiten.

Die Wischhafener sollen Schule mitgestalten

Echte Begegnungen würden immer seltener werden. Stattdessen gebe es Anzeichen von zunehmender Vereinsamung - bei Kindern und Erwachsenen. Um das zu ändern, sollen die Innenhöfe generationsübergreifende Bildungsräume werden - öffentliche Plauderplätze, um miteinander ins Gespräch zu kommen. „Sie sollen schön sein, damit sich die Kinder wohlfühlen“, so die Schulleiterin. Bei schönem Wetter könnten Kita-Kinder und Schüler auch spontan gemeinsam frühstücken.

Noch liegen die beiden Innenhöfe der Grundschule brach. Das soll sich dank eines ordentlichen Zuschusses aus dem Dorfentwicklungsprogramm ändern.

Noch liegen die beiden Innenhöfe der Grundschule brach. Das soll sich dank eines ordentlichen Zuschusses aus dem Dorfentwicklungsprogramm ändern. Foto: Helfferich

Aber auch Erwachsene sollen ins Bildungshaus kommen. „Wohnungen für Ältere werden immer kleiner, da ist kein Platz für Besuch von mehreren Leuten“, hat Marx-Dieckmann festgestellt. „Hier könnten sich Handarbeitsgruppen treffen und gemeinsam häkeln oder stricken.“ Und Kinder könnten zugucken und vielleicht mitmachen.

Ein schöner Ort motiviert Kinder zu Gemeinsamkeit

Wieviel so ein schöner Ort ausmacht, erlebten Kita und Schule mit der neuen Aula, deren Renovierung mit dem ersten Schultag nach den Sommerferien abgeschlossen wurde. Sie wird nicht nur als Speisesaal genutzt, sondern auch als Raum für gemeinsames Arbeiten und Kreativität.

Einer der beiden Innenhöfe liegt direkt neben der Aula. Daher könnten Kinder bei gutem Wetter draußen essen. Gewollt ist auch, dass sich Kinder unterschiedlichen Alters treffen. Vereine und pädagogische Fachkräfte können sich austauschen.

Die Plauderplätze sollen Mittelpunkte gemeinschaftlichen Lebens sein. Sie können grüne Klassenzimmer werden, mit Gartenprojekten und Umweltbildung. Sie können aber auch Orte der Ruhe sein, an denen gelesen und sich ausgetauscht wird.

Das kostet das Projekt Plauderplatz

Bleibt die Finanzierung: Beide Innenhöfe werden mit je einer Holzterrasse ausgestattet. Der Innenhof neben der Aula bekommt zusätzlich eine Überdachung und wetterfeste Holzmöbel.

Der andere Innenhof wird insgesamt etwas günstiger ausgestattet. Unterm Strich kosten die Plauderplätze etwa 100.000 Euro, 65 Prozent werden aus der Dorfentwicklung erwartet.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel