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Brobergen

T103 Jahre und allseits beliebt: Die Prahmfähre startet in die neue Saison

Die Prahmfähre Brobergen auf dem Trockenen. Ab Freitag legt sie wieder in der Oste ab.

Die Prahmfähre Brobergen auf dem Trockenen. Ab Freitag legt sie wieder in der Oste ab. Foto: Fährverein

Saisonauftakt für die Ostefähre in Brobergen. Rundum erneuert legt sie wieder ab. Aber wie kommt sie eigentlich zur Werft? Der findige Fährverein hatte eine Lösung.

Von Redaktion Donnerstag, 30.04.2026, 13:50 Uhr

Brobergen. Sie ist 103 Jahre alt und sie wird geliebt. Vom Fähr- und Geschichtsverein Brobergen und von Radfahrern und Ausflüglern, die an der Fährstelle mit dem Oldie über die Oste setzen. Der Saisontrubel beginnt, aber auch die Winterpause hatte es in sich für den Fährverein.

Alle fünf Jahre wird die Prahmfähre bis auf den letzten Quadratzentimeter Stahl geprüft. Dafür muss sie aus dem Wasser der Oste an Land. Burkhard Ziemens ist Pressewart und selbst ehrenamtlicher Fährmann an Bord. Er schildert, wie aufwändig es ist, die 30-Tonnen-Fähre instandzusetzen. Erstmal: Die Tide muss stimmen.

Reparatur ist nur vor Ort vor der Deichlücke möglich

Im November letzten Jahres passte es. Das Helferteam des Fährvereins rückte mit schwerem Gerät an. Bei Hochwasser schoben sie einen kräftigen Trailer unter das Gefährt. Leistungsstarke Traktoren zogen den Trailer samt Fähre aus dem Wasser. Das ist etwas für Helfer mit Erfahrung und Gespür. „Leider ist die Deichdurchfahrt zu schmal für die Fähre, sodass sie direkt vor der Deichlücke gesichert wird“, erklärt Ziemens. Damit ist klar: Eine Reparatur ist nur vor Ort möglich, die Werft muss zur Fähre kommen.

Die Fähre komplett saniert und mit neuem Anstrich am Ufer.

Die Fähre komplett saniert und mit neuem Anstrich am Ufer. Foto: Fährverein Brobergen

Das Unterschiff stellte sich nach der Reinigung als „erstaunlich gut“ heraus, so Ziemens. Der genietete Rumpf wurde mit Spezialfarbe beschichtet. Der TÜV prüfte den Rumpf und die Stärke des alten Stahls - ohne Beanstandungen. „Wenn die wichtigste Substanz in Ordnung ist, ist das erleichternd für die Vereinsmitglieder“, sagt Ziemens.

Schwimmkammern machen Fähre unsinkbar

Die hermetisch verschlossenen Schwimmkammern mussten zugänglich gemacht, speziell gereinigt und überprüft werden. „Die Schwimmkammern machen die alte Fähre quasi unsinkbar“, sagt Ziemens.

Auch das Deck benötigte einen neuen Belag, der alte Asphalt war spröde geworden. Wenn Wasser durch die Risse dringt, schadet das dem Stahlboden. „Eine aufwändige Arbeit in der Enge des Stellplatzes vor der im Winter geschlossenen Deichdurchfahrt“, blickt Ziemens auf die Arbeiten zurück.

Schließlich bekam die Fähre noch einen Spezial-Anstrich, alle Rumpfteile in der Originalfarbe Schwarz, alle Aufbauten in Weiß.

Das Fährseil sorgt für straffe Überfahrt

Die rundum sanierte Fähre musste aber auch zurück ins Wasser - ebenso wie das Fährseil, an dem das schwimmende Denkmal von einem Oste-Ufer zum anderen gleitet.

Das Stahlseil ist eine Spezialanfertigung und 120 Meter lang. Allein das Seil kostet 1400 Euro, und ein Reserveseil liegt für den Notfall immer bereit.

Mit schwerem Gerät wird die Fähre bewegt.

Mit schwerem Gerät wird die Fähre bewegt. Foto: Fährverein

Bricht das Fährseil, kann die Fähre mit der Tide abtreiben, schildert Ziemens. Das Seil hält zwei bis drei Jahre. Der Verschleiß entsteht am Grund der Oste, durch Steine und Kies. Dort liegt das Seil die meiste Zeit, um den Wasserweg für die Boots- und Schifffahrt freizuhalten. Nur, wenn die Fähre fährt, wird es gestrafft und angehoben.

Fährleute hoffen auf Verstärkung

So liegt die Fähre komplett überholt vor dem Saisonstart am Freitag, 1. Mai, an der Fährstelle mitten im Grünen, wo die Landkreise Stade, Rotenburg und Cuxhaven aneinander grenzen. Die Sanierung gelang durch die Unterstützung der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten, der Gemeinde Kranenburg und durch Fördergelder aus dem Leader-Programm Kehdingen-Oste. Dennoch gibt es auch Sorgen beim Fährverein.

Die Fährleute machen ehrenamtlich Dienst - und das Team wird kleiner. „Um den Betrieb in den fünf Monaten der Sommersaison zuverlässig aufrecht erhalten zu können, bedarf es rund 20 aktiver Fährleute. „Noch lässt sich der Fährplan mit Mühe füllen. Je mehr Leute zur Verfügung stehen, desto geringer wird die individuelle Verpflichtung“, sagt Ziemens.

Schnupperfahrten für interessierte Neueinsteiger

Neue Fährleute sind gefragt. „Zielgruppe“ sind Menschen, die kurz vorm Ruhestand stehen und Lust auf ein außergewöhnliches und abwechslungsreiches Hobby haben. Auch „Schnupper-Mitfahrten“ sind jederzeit möglich. Auskunft unter 04140/8154. Auch technisch interessierte Mitglieder sind im Fährverein gern gesehen.

Die Fähre im Abendlicht.

Die Fähre im Abendlicht. Foto: Fährverein

Die Fährsaison beginnt am Freitag, 1. Mai, um 10 Uhr. Anfahrt: Hollander Höfe (Fährstraße 16, Brobergen). Auch der Fährkrug lädt zum Besuch ein, serviert werden Kaffee und Schlicktorte. Die Fährzeiten: Im Mai und September, montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr; Juni bis August: Montag und Dienstag 10 bis 13 Uhr, Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Der Fährkrug ist Samstag und Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. (gh)

www.faehre-brobergen.de

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