T15 dicke Punkte: Das hat der Stader Rat in fünf Jahren beschickt
Bundesweites Thema: Das Spezialschiff und schwimmende LNG-Terminal Energos Force legt im Industriehafen Stade-Bützfleth an. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Fünf Jahre sind ins Land gegangen, in denen der alte Rat der Stadt Stade gewirkt hat. Vieles ist im Fluss. Ein Überblick über zentrale Projekte der Stadtentwicklung.
Stade. Nahezu mit hanseatischem Understatement leitete der Vorsitzende des Rates der Stadt Stade, Karsten Behr (CDU), seine Bilanz der zu Ende gehenden Ratsperiode ein: „Das waren relativ unspektakuläre fünf Jahre.“ Seine Auflistung hört sich dann schon ganz anders an.
Stadtrat und Kämmerer Carsten Brokelmann hat die Zahlen im Blick. Foto: Strüning (Archiv)
1. Im Juni 2022 wurde Carsten Brokelmann zum Stadtrat gewählt. Er gehört seitdem der Verwaltungsspitze im Rathaus an. Die Wahl fand noch zu Corona-Zeiten und deswegen im weitläufigen Stadeum statt. „Mit dieser Wahl haben wir nix verkehrt gemacht“, sagte Behr. Sollte wohl ein Lob werden.
Ein neuer Anleger an der Elbe für 300 Millionen Euro
2. Der Industriehafen in Stade-Bützfleth wurde für 300 Millionen Euro von Land und Bund ausgebaut und um einen Anleger für verflüssigte Gase wie LNG erweitert. Seit September liegt dort tatsächlich auch das Spezialschiff Energos Force, ein schwimmendes Terminal, das schon bald LNG zurück zu Erdgas wandeln und ins bundesdeutsche Netz einspeisen soll. Der Rat hatte dafür planerisch die Weichen gestellt - wie auch fürs geplante Holzkraftwerk nebenan im Industriegebiet.
T Sie ist wieder da: LNG-Schiff liegt jetzt wieder in Stade-Bützfleth
3. Den Rat beschäftigte auch der Surfpark im Süden der Stadt. Hier legte er die planerischen Grundlagen für den Bau. Wegen Klagen vom Umweltverband BUND lag das Thema bis vergangene Woche beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. Es hat entschieden, dass die Pläne jetzt okay sind und der Surfpark gebaut werden darf.

Leuchtturmprojekt: Thomas Friedrichs (von links), Alexander Eßer, Cordula Wuttke, Maren Wefer und Carsten Brokelmann vor dem Bildungscampus Riensförde (BCR). Foto: Stehr
4. 2023 ging der BCR, der Bildungscampus in Riensförde, in Betrieb. Kita, Grund- und Oberschule sind hier vereint. Zusammen mit einer großen Sporthalle kostete das die Stadt 74 Millionen Euro.
5. Die Firma Lindemann treibt den Bau des neuen Wohnparks auf den Flächen von Gummi Schmidt voran, zentrumsnah und doch ruhig. Die Stadt begleitete das Vorhaben aktiv und stellte auch hier die planerischen Weichen. Der erste Spatenstich wurde im Sommer gesetzt. Für 80 Millionen Euro sollen hier 150 Wohnungen entstehen.

Neue Wohnungen braucht die Stadt: das Projekt Gummi Schmidt in der Visualisierung aus der Vogelperspektive. Foto: Lindemann
6. Von 2021 an lief die breit angelegte Bürgerbeteiligung zum ISEK 2040, dem integrierten Stadtentwicklungskonzept. Die Ideen der Bürger fließen in die Umsetzung mit ein.
7. Die Viebrock AG aus Harsefeld baut im großen Stil Wohnungen im Altländer Viertel.
8. In Hahle wurde ein Quartiersmanagement etabliert, um den Stadtteil und seine Menschen besser zu betreuen.
Stadt baute Kindergärten und schuf neue Plätze
9. Sehr aktiv waren Politik und Verwaltung bei Investitionen in die Kinderbetreuung. Die baugleichen Kitas in Schölisch und Benedixland wurden eröffnet. Auch in Bützfleth (Am Fleet) und im Kopenkamp investierte die Stadt. In Stade, so Behr, erhalten alle Kinder einen Kita-Platz. Die Zeiten langer Wartelisten scheinen vorbei zu sein.
10. Ein weiterer Schwerpunkt war die Bildung, auch jenseits des BCR. Die Montessorischule im Altländer Viertel und die Realschule Camper Höhe erhielten eine Mensa. Die Pestalozzi-Grundschule zog in das Gebäude der Hauptschule, die im BCR mit aufging. In den Grundschulen wurde die Ganztagsbetreuung etabliert. Die IGS wurde aufwendig energetisch saniert.

Freie Fahrt auf der Harsefelder Straße in beide Richtungen und auf dem neuen Radweg auf der Ostseite. Frühestens 2030 wird der Geh- und Radweg zwischen Sachsenstraße und Thuner Straße auf der westlichen Seite erneuert. Foto: Stehr
11. Für viele spürbar ist der Bau des Radwegs entlang der Harsefelder Straße, Teil eines neuen Radwegekonzepts der Stadt. Zurzeit läuft hier der Verkehr, aber weitere Bauarbeiten, auch für eine neue Brücke im Zuge der B73, sind schon in Vorbereitung. Parallel wird ein Ersatzbau für die Brücke übers Gleis in der Harburger Straße erstellt.
12. Die Parkhäuser am Pferdemarkt, am Sande und am Bahnhof wurden an die Stader Versorgungs- und Bädergesellschaft (Stadtwerke, Solemio) übergeben.
Flüchtlinge - heute kein Thema mehr in der Stadt
13. Fortlaufende Aufgabe war die Unterbringung und die Integration von Flüchtlingen. Die Stadtverwaltung war und ist hier gut aufgestellt, das Thema habe sich beruhigt, so Behr.
14. Das gilt auch für das Reizthema Ankerplatz am Sande. Das Containerdorf darf weitermachen.

Karsten Behr (CDU) ist der Vorsitzende des Stader Rates. Foto: Stehr
Behr sprach angesichts der diversen Punkte dann doch von „wegweisenden Beschlüssen“, die im Rat von breiten Mehrheiten getragen wurden.
Stade hat Ende 2029 mehr als 250 Millionen Euro Schulden
15. Das gilt auch für die Finanzpolitik. Die lief „ausgesprochen entspannt“. Behr lobte die Disziplin der Fraktionen und deren zurückhaltende Ausgabenpolitik. Trotzdem sei die Entwicklung der Gesamtschulden der Stadt mit mehr als 250 Millionen Euro Ende 2029 „besorgniserregend“. Eine Folge der zahlreichen Investitionen.
Bei Behr, als Ratsvorsitzender der Neutralität verpflichtet, schwang bei diesen Worten ein bisschen Wehmut in der Stimme mit. Er hatte sich früher gern mit dem politischen Gegner gestritten: „In den 90er Jahren haben wir uns mehr gefetzt im Rat.“
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