T17-jährige Fabienne Nickel fordert auch Tischtennis-Herren heraus
Fabienne Nickel trainiert derzeit insbesondere die Vorhand Topspin. Foto: Wertgen
Während Tischtennis bundesweit überaltert, setzt der TTC Drochtersen erfolgreich auf den Nachwuchs. Die 17-jährige Fabienne Nickel ist das beste Beispiel.
Drochtersen. Ping-Pong, Ping-Pong. Der kleine weiße Ball tanzt in der Halle in Drochtersen in einem hypnotischen Rhythmus über die grüne Platte. Fabienne Nickel und Ivette Robertus stehen sich im Training gegenüber. Ihre Bewegungen sind fließend und präzise wie ein Uhrwerk. Rund 100 km/h erreichen die Bälle bei ihren Topspin-Duellen.
Nachwuchstalent spielt in drei Teams
Nickel ist das Aushängeschild des TTC Drochtersen. Die Gymnasiastin spielt in der Verbandsliga Nord bei den Damen und misst sich in der Bezirksliga Nord mit den Herren. „Männer spielen schneller, variabler und mit mehr Schnitt“, erklärt die 17-Jährige die Herausforderung.
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Mit der U19 des MTV Engelbostel-Schulenburg führt sie die Niedersachsenliga mit makelloser Bilanz an. Die langen Fahrten nach Langenhagen nördlich von Hannover nimmt ihr Vater gerne in Kauf: „Sie ist verrückt nach Tischtennis und solange sie hinfahren möchte, fahre ich sie“, sagt Frank Nickel, der der 1. Vorsitzende des TTC ist.

Ihr bester Schlag ist die Vorhand Topspin. Foto: Wertgen
Auswärtsfans machen Nickel sauer
Nickels Weg begann in der dritten Klasse bei einer Mini-Meisterschaft für Anfänger. Von dort qualifizierte sie sich über Kreis- und Bezirksmeisterschaften bis zu den Landesmeisterschaften.
Aus der einst zurückhaltenden Spielerin ist längst eine selbstbewusste Sportlerin geworden. „Ich habe früher gar nicht gejubelt. Ich war viel zu schüchtern“, erinnert sich Nickel.
Ein unfaires Auswärtspublikum, das bei Fehlern jubelte, legte den Schalter um. Es ist im Tischtennis ein ungeschriebenes Gesetz, nur bei siegreichen Schlägen zu applaudieren. „Das Verhalten hat mich so sauer gemacht“, so Nickel, die seither ihre eigenen Punkte bejubelt.

Ihr bester Schlag ist die Vorhand Topspin. Foto: Wertgen
Jung gegen Alt als Herausforderung
Während Nickel die Anekdote erzählt, spielt im Hintergrund die dritte Herren. Marissa Salewski spielt mit. Das ist im Tischtennis möglich. Die 15-Jährige sammelt Spielpraxis, gewinnt ein Einzel und ein Doppel.
„Ihre Mitspieler und Gegner sind mindestens 60 Jahre alt“, sagt Frank Nickel und verweist auf ein grundsätzliches Problem: „Tischtennis ist überaltert.“ Laut DOSB sind nur 23,4 Prozent der Tischtennisspieler unter 18 Jahre alt - im Basketball sind es 66 Prozent.

Ivette Robertus und Fabienne Nickel führen die Drochterser Damen in der Verbandsliga an. Foto: Wertgen
Nachwuchsarbeit als Herzstück
Selbst das Olympia-Märchen der deutschen Frauen in Paris 2024, angeführt von der 18-jährigen Annett Kaufmann, löst keinen Boom aus. „Solche Events bringen im Tischtennis leider nichts“, bedauert Nickel.
Der TTC setzt daher auf eigene Initiativen. Ende Januar führt der Verein in Kooperation mit der Grundschule wieder ein spezielles Event für Zweit- und Drittklässler durch. „Wir drücken den Kindern nicht einfach einen Schläger in die Hand“, betont Frank Nickel.
Stattdessen lockt der Verein mit spannenden Stationen und einer Ballmaschine als Highlight. Aus solchen Aktionen bleiben meist 5 bis 15 Schüler dabei.

Sie sind der jüngste Tischtennis-Nachwuchs in Drochtersen: Lotta Delger, Lina Lau, Alma Ronge, Adelina Schmidke, Luisa Wisnagel und Milana Kunz (von links). Foto: Wertgen
Nächste Talente bereits am Schläger
Ivette Robertus gilt als erstes größeres Vereinstalent, das aus solchen Projekten hervorgegangen ist. Die heute 25-Jährige kam als junges Mädchen durch ein Ferienangebot zum TTC und spielt heute in der Verbandsliga. „Niemand in der Familie hat Tischtennis gespielt. Ich wollte es mal ausprobieren“, so Robertus. So einfach kann es gehen.

Ivette Robertus kam einst über den Ferienspaß zum Tischtennis. Foto: Wertgen
Aktuell trainieren etwa 20 Kinder im Verein. Dass manchmal 10-Jährige gegen 18-Jährige antreten, kommt vor. Die Talente halten mitunter problemlos mit, so Frank Nickel. Die Herausforderung mache sie besser.
Auch die hochtalentierte Adelina Schmidke profitiert. Die 11-Jährige vertrat Niedersachsen bereits beim DTTB-Teamcup. „Sie kann so gut wie Fabienne werden“, schwärmt Trainer Torsten Reher, der seit über 20 Jahren wichtigstes Element im TTC-Nachwuchs ist.