T20 Mücken zum Überleben: Bachstelzen leiden unter der Insektenarmut
Die Bachstelze macht sich bald auf den Weg nach Nordafrika. Foto: Paulin
Dieser kleine Vogel ist bekannt: schwarz-weiß gemustertes Gefieder, auf langen Beine stelzend laufend, langer, immerzu wippender Schwanz. Im Norden bekannt als „Wippstert“.
Landkreis. Die Bachstelze steht nie still. Benannt ist sie auch nach ihrem Habitat, in dem sie sich früher gern aufhielt: im Bereich von Bächen und feuchten Arealen. Heute trifft dies nicht mehr zu. Sie hat als Kulturfolgerin im Verlauf der letzten Jahrhunderte vermehrt Brutplätze in der Nähe von menschlichen Siedlungen aufgesucht. Ein immer am Bach lebender Stelzvogel ist sie schon lange nicht mehr.
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Bachstelzen sind fast ausschließlich Insektenfresser. Weshalb sind Dörfer und Städte für Bachstelzen so attraktiv? Außerhalb der Siedlungen gibt es genug Grünland. Doch, das zeigen Untersuchungen, es ist extrem arm an Insekten.
Bachstelze mag ebene Flächen
Und von Rindern genutzte Wiesen, auf denen Bachstelzen an Kuhfladen Insekten finden können, sind rar. Aber Siedlungen haben neben den Gebäuden viele freie Flächen wie Parkplätze, Rasen, Müllplätze, begrünte Dächer oder Straßen. Solche ebenen und flachen Plätze mag gerade dieser Vogel.
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Die Bachstelze, die immerzu läuft, die rastlos trippelt und Insekten aufscheucht und sucht, kann in solch übersichtlichen Biotopen immer etwas Nahrung finden. Ihr Plan scheint zu sein, fast ununterbrochen zu arbeiten und niemals stillsitzen zu wollen.
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Beobachtungen ergaben, dass eine Bachstelze an einem Herbsttag nur etwa zehn Prozent der Tageszeit für Ruhe und Putzen nutzt. Der Vogel, der im dichten Gestrüpp nach Nahrung wühlt und sucht, ist sie nicht. Lieber kontrolliert sie Hausdächer, auf denen Insekten sitzen.
Auch Ameisen stehen auf der Speisekarte
Während ihrer Arbeit kann sie eine Menge Nahrung finden: Mücken, Fliegen, Käfer, Spinnen, Hautflügler, Heuschrecken, Schmetterlinge oder Wanzen. Im Sommer kann sie sich an den vielen Ameisen bedienen, die das Kreuzen eines Weges riskieren. Sucht sie in Wassernähe nach Nahrung, dann nimmt sie auch dort fast alles, was ihr zu nahe kommt: Minischnecken, Kleinkrebse, Köcherfliegen oder Zuckmücken.
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Die meisten Bachstelzen aus dem Raum Stade sind jetzt unterwegs in Richtung Mittelmeer und Nordafrika. Manche ziehen nur kurze Strecken, bleiben zum Beispiel in Frankreich. Mitte Oktober ist der Höhepunkt des Zuges. Etliche Nachzügler bleiben bis November bei uns. Sie finden dann noch ausreichend Spinnen.
Die Wilde Möhre fühlt sich in großer Hitze wohl
Einige wenige Vögel zieht es nicht weg, sie bleiben hier. Wintermücken oder Blattläuse können sie finden. Doch mit der Nahrungsbeschaffung wird es eng. Beobachtungen zeigen, dass eine Bachstelze an einem Wintertag etwa 20 Wintermücken zum Überleben benötigt. Ist die Not groß, pickt sie an Brotresten oder findet darin versteckt sogar kleine Insekten.
Risiko im Winter: Einige bleiben zu Hause
Das Ausharren im Winter scheint sich für diese Männchen zu lohnen: Wenn sie hierbleiben oder bereits Ende Januar/Februar zu uns fliegen, sind sie die Ersten, die ihr Revier bereits besetzen können.
T Der Ameisenlöwe hat perfekte Tricks als Insektenräuber
Zum Erhalten einer kräftigen und fitten Vogelpopulation sind solche risikofreudigen Tiere nötig. Sie machen es möglich, dass im Verlauf von Klimawandel und Wetterkatastrophen der Bestand hoffentlich erhalten bleibt. Zählungen in Deutschland zeigen aber: Sogar Allerweltsvögel wie Bachstelzen kommen in der von großer Insektenarmut geprägten Landschaft nicht mehr gut zurecht.
Der Autor, die Serie, das Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur.
Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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