T22-Jährige traut sich was in Frankenmoor: Kuscheln mit Hühnern
Sina Bernhard und ihre zweijährige Tochter Elia mit einem besonderen Huhn. Die junge Mutter will eine Ranch mit tiergestützten Angeboten eröffnen. Foto: Meyer
Sina Bernhard will in Frankenmoor tiefgründige Mensch-Tier-Momente erlebbar machen. Über ihr ungewöhnliches Konzept, einen Therapietrend und Selbstreflexion im Hühnerstall.
Bargstedt. Cheeseburger, Spaghetti und Funghi: Wer das hört, stellt sich Essen auf dem Teller vor. Sina Bernhard (22) würde bei den drei Begriffen zuerst an ihre Hühner denken. Bald sollen Interessierte Cheeseburger umarmen, mit Spaghetti sprechen oder Funghi streicheln können - in Frankenmoor.
„Cheeseburger möchte immer gekuschelt werden“, sagt Bernhard. Tochter Elia (2) läuft durch die Pforte zu den Hühnern und auch zum Star unter den Hühnern. „Cheesy“, murmelt die Zweijährige freudig, als sie das braune Huhn sieht. Emotionale Tier-Mensch-Begegnungen sind der Zweck von „Sina's tierisch starker Ranch“.
Kann Bernhards Pony Pico kleine Wunder bewirken?
Bernhard sitzt auf einem Strohballen in der Solekammer für Pferde und dreht einen Strohhalm zwischen den Fingern. Diesen Ort und weitere Flächen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihres Schwiegervaters hat sie gepachtet. Jetzt steht sie kurz davor, ihren Traum von der Ranch zu verwirklichen: tiergestütztes Coaching und Therapien anzubieten und Kunden in allen Lebenslagen zu helfen.
Noch wohnt sie mit Tochter und Mann, der mit seinem Vater auf dem Hof arbeitet, bei ihren Eltern in Wedel. Die kleine Familie hofft, in Zukunft neben dem Hof ein Haus bauen zu dürfen.

Ein Pony, das Ruhe ausstrahlt: Pico kann helfen, ist Sina Bernhard überzeugt. Foto: Meyer
Mit Tieren ist sie groß geworden - und mit Menschen, die wegen Problemen die Nähe zu ihnen suchen. Sie erzählt: Früher wollte ihr kleiner Bruder, der unter ADHS litt, zu Pony Pico, wenn er schlechte Laune hatte. „Wenn er da saß und sauer war, hat Pico seinen Kopf bei ihm begraben. Und das war's.“ Für eine Viertelstunde war Ruhe und ihr Bruder konnte entspannen. „Wie kann das sein?“, fragte sich Bernhard jedes Mal staunend.
Dadurch sei ihr bewusst geworden, was Tiere bei Menschen bewirken können. Die 22-Jährige absolvierte eine Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie, Pädagogik und Coaching. Nach der Weiterbildung stand für sie fest, „was Eigenständiges aufzuziehen“ - die Ranch.
Eine pädagogische Grundausbildung will sie nachholen, damit sie auf der Ranch auch Therapien anbieten darf. Bernhard wirbt bereits für ihre Ranch und hat ein Gewerbe angemeldet, doch ein Schreiben fehlt noch.

Sina Bernhard versucht, ihr Wildpferd zum Lächeln zu bringen. Foto: Meyer
„Ich warte jetzt noch auf die letzte Genehmigung vom Veterinäramt“, sagt Bernhard. Erst mit dieser darf sie loslegen.
Lassen Hühner Menschen übers Leben nachdenken?
Es gilt als wissenschaftlich bewiesen, dass die Nähe zu Tieren den Blutdruck eines Menschen senken kann. In ihrer Ausbildung erlebte Bernhard skurrile Mensch-Tier-Momente.
„Manche haben seit Ewigkeiten mit keinem Therapeuten gesprochen, sprechen aber mit einem Schaf über die krassesten Probleme.“ Eine Klientin in ihrer Prüfung habe sich schlecht mit ihrem Vater verstanden. Die Klientin habe gesehen, wie ein Hahn eine Henne „gemaßregelt“ hat. Zu Bernhard sagte sie dann: „Bei meinem Vater war das auch immer so“. Hahn schimpft auf Henne, Vater auf Tochter.
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Dieses Nachdenken will Bernhard bei ihrem Coaching auch erreichen. Hühner können Menschen den Spiegel des eigenen Lebens vorhalten. Bernhard sagt, nach zwischenzeitlich siebenjähriger Funkstille habe die Klientin wieder mit ihrem Vater geredet.
Diese vier Tiere sollen Menschen helfen
„Sina's tierisch starke Ranch“ folgt einem Trend, denn tiergestützte Begegnungen und Behandlungen wie Kuhkuscheln werden beliebter.
Menschen hätten immer weniger das Bedürfnis, einem Therapeuten gegenüberzusitzen, so Bernhard. Besonders in schnelllebigen Zeiten wie diesen bräuchten Menschen es mal, „Fünfe gerade sein zu lassen“. Zum Beispiel in „Hasinki“.
Dort tummeln sich sieben der vielen Kaninchen um das Büfett und knabbern an Salat und Gurken. Während sie schmatzen, erzählt Bernhard, dass fast alle Kaninchen gerettete Tiere seien.

Blick nach „Hasinki“: Bernhard bringt den Kaninchen Salat und Gurken, die sieben Hungrigen futtern sofort in der Runde. Foto: Meyer
Der Weg führt zwischen Ställen und Maschinen hindurch zum „Chickingen“-Gehege von Cheeseburger & Co. Im Stall „Longhornkusen“ stehen Rinder der amerikanischen Rasse Texas Longhorn. Um ein Fahrsilo herum geht es nach „Pferdingten“ zu Pony Pico und einem Wildpferd, das Bernhards Ranch-Motto bestimmt.

Ein Texas Longhorn züngelt am Futter. Foto: Meyer
Bernhard lebt ihren Tierranch-Traum - mit Risiko
„Wo wilde Herzen ankommen dürfen“, lautet es. Die Ranch soll für jeden sein, ob für Menschen „mit oder ohne Diagnose“. Jeder brauche einen Ort, um Alltagssorgen hinter sich zu lassen. Es gibt bereits Interessierte, die das auf der Ranch versuchen wollen:

Keine zwei Wochen alt: Bei den Texas Longhorns gab es kürzlich Nachwuchs. Foto: Meyer
Eine Kleingruppe sechsjähriger Kinder, von denen zwei eine diagnostizierte psychische Krankheit haben und drei keine, aber in der Schule verhaltensauffällig sind. Eine Krebspatientin, die Einzelstunden hat. Das Konzept für die Ranch steht. Ist die Selbstständigkeit ein Wagnis?
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„Ja“, sagt Bernhard. Die Unsicherheit, ob die Ranch gut angenommen werde, und Zweifel, dass sie es nicht schaffe, den Gästen das zu vermitteln, was sie sich erträumt, seien da. Die Rückendeckung von Mann und Schwiegervater bestärken sie aber, es zu probieren.
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