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3. Liga Handball

T„60 Minuten geackert“: Fredenbeck gewinnt bei Müllers Heim-Comeback

Ein halbes Jahr lang musste Jesper Müller beim VfL Fredenbeck pausieren.

Ein halbes Jahr lang musste Jesper Müller beim VfL Fredenbeck pausieren. Foto: Potreck

Kampfspiel, Comeback und ein ausgekugelter Finger. Der VfL Fredenbeck bietet seinen 800 Fans etwas beim Heimspiel gegen Hagen. Zwei Punkte inklusive.

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Von Wilhelm Thiele
Sonntag, 01.02.2026, 11:52 Uhr

Fredenbeck. Die Drittliga-Handballer des VfL Fredenbeck schlagen den VfL Eintracht Hagen II mit 28:26 (9:8) und festigen mit 18:20 Punkten den siebten Tabellenplatz. Mehr als 800 Zuschauer sehen in der Geestlandhalle von beiden Teams großen Einsatz bis zur letzten Sekunde.

Schon vor dem Anpfiff war unter den Fans das Heim-Comeback Jesper Müllers Gesprächsthema. Nach einer halbjährigen Spielpause aufgrund einer schweren Schulterverletzung musste Müller auf der ungewohnten rechten Seite im Rückraum den verletzten Mannschaftskapitän Pelle Fick ersetzen.

Die Meinung war einhellig: Der Ausfall von Fick wiege schwer, schwerer als gedacht. „Aber der Jesper packt das, wie schon gegen Bissendorf“, sagte ein Fan. Jesper Müller selbst bekannte nach dem Spiel: „Das war super, geil, vor dieser Kulisse wieder aufzulaufen.“ Zwischen diesen beiden Aussagen lagen etwa 60 Minuten, die dem Gastgeber alles abverlangten.

Gegner Hagen sucht die Zweikämpfe

Der VfL Fredenbeck war von Anfang an da. Daniel Polak erzielte von Außen den ersten Treffer, Lauro Strothmann erhöhte auf 2:0 (4.). Es entwickelte sich auf beiden Seiten eine Abwehrschlacht. Hagen deckte offensiv, weit vorgezogen. Die Fredenbecker machten den Kreis dicht und gaben den immer wieder das Eins-gegen-Eins suchenden Hagenern so keinen Raum.

Über das ganze Spiel legten die Fredenbecker vor, konnten sich aber nicht absetzen. Individuelle Fehler prägten die Offensivbemühungen beider Mannschaften. Nervosität und Anspannung waren greifbar. Mit dem ersten Tempogegenstoß des Spiels in der 22. Minute warf Daniel Polak zur 8:5-Führung des VfL. Doch Hagen konterte über die Außen. Halbzeitstand: 9:8 für den VfL.

„Es war ein unglaublicher Kampf, die Mannschaft hat über 60 Minuten geackert, Hagen hat bis zur Schlusssekunde nicht nachgelassen, immer das Eins-gegen-Eins gesucht“, fasste Jesper Müller das Spiel aus seiner Sicht zusammen.

Diese Taktik bringt Fredenbeck den Erfolg

Zu Beginn der zweiten Halbzeit brachte Fredenbecks Coach Matthias Steinkamp den siebten Feldspieler und setzte damit für den Ausgang der Partie den entscheidenden Akzent. Marten Franke übernahm die Regie, machte das Fredenbecker Angriffsspiel schnell und unberechenbarer.

Niklas Itzen kam für Justin Rundt ins Tor und parierte zum Einstand einen Siebenmeter (32. Min.). Der VfL gewann Sicherheit, zog auf 19:13 (40.) davon. Hagen steckte keinesfalls auf, ohne entscheidend zu verkürzen (26:22, 53. Min.).

Schrecksekunde in der 54. Minute: Marten Franke kugelte sich bei einer Abwehraktion den Ringfinger der linken Hand aus. Physio Björn Staats renkte ihn vor Ort wieder ein. Die Schmerzen waren Franke anzusehen. Er biss auf die Zähne und stand in der 56. Minute wieder auf der Platte.

Steinkamp stellt die Erfahrenen auf die Platte

Matthias Steinkamp wechselte Justin Rundt in den Kasten zurück. Erfahrung war jetzt gefragt. Hagen verteidigte mit einer 3:3-Deckung, versuchte mit allen Mitteln, das Spiel zu drehen. 29 Sekunden vor Abpfiff setzten die Hagener den Anschlusstreffer (26:27).

Jesper Müller erhielt eine Zeitstrafe. Für ihn war das Spiel zu Ende. Müller spielte bei seinem Heim-Comeback bis dahin komplett durch. Gemeinsam mit Lauro Strothmann, Nils Schröder und Michel Brassait bildete er das Abwehrbollwerk des VfL. Bescheiden zog er nach dem Spiel ein persönliches Fazit: „Im Angriff war heute bei mir noch Luft nach oben, mit der Abwehrleistung bin ich zufrieden.“ Zurecht.

Längst stand die Halle kopf. Coach Steinkamp nahm die letzte Auszeit. Elf dramatische Sekunden trennten die Fredenbecker vom ersehnten Sieg. Steinkamp nahm den Torwart raus. Hagen ging volles Risiko, postierte einen Angreifer direkt vor dem leeren Fredenbecker Tor, verteidigte nur mit fünf Spielern am Kreis.

Spielmacher Franke krönt sich zum Matchwinner

Die Schiris pfiffen wieder an und hoben sofort den Arm wegen Zeitspiels. Dem VfL blieben vier Pässe. Marten Franke krönte seine herausragende Leistung als Spielmacher. Er sprach kurz mit Nils Schröder, passte den Ball zu ihm, Schröder zog in die Mitte, passte zurück. Franke brach auf der rechten Hagener Außenposition durch und erzielte das Tor zum 28:26-Endstand.

Marten Franke führte klug Regie im Angriff und erzielte das entscheidende Tor Sekunden vor Schluss.

Marten Franke führte klug Regie im Angriff und erzielte das entscheidende Tor Sekunden vor Schluss. Foto: Potreck

Die Fredenbecker jubelten. Die Halle tobte. Coach Steinkamp zollte dem Gegner Respekt. „Mit der heute gezeigten Leistung bleibt ihr in der Liga“, versuchte er, Hagens Trainer Mut zu machen. Für den VfL sei der Sieg ein großer Schritt zum Klassenerhalt gewesen. „Das Ergebnis macht mich stolz und zuversichtlich.“

Am nächsten Sonnabend erwartet der VfL Fredenbeck Aufstiegskandidat TuS Vinnhorst. Das Hinspiel war eine klare Angelegenheit. Die Fredenbecker verloren mit 23:35.

Tore: Brassait 6, J. Müller 2, Strothmann 5, Möller 1, Franke 5, Polak 3/1, Schröder 6.

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