T69-Jähriger in Stade vor Gericht: Bruder mit Axt angegriffen?
Bei dem Prozess am Landgericht Stade schilderte der Angeklagte am dritten Prozesstag seine Sicht der Dinge. Ihm wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Foto: Willing
Mit einer Axt soll ein Mann auf seinen Bruder in Beverstedt (Kreis Cuxhaven) losgegangen sein. Am Landgericht Stade äußert sich der Angeklagte zu den Vorwürfen - und spricht von Gewalt in der Familie.
Stade. Am dritten Prozesstag sagte nun der Angeklagte aus, der seinen Bruder mit seiner Axt angegriffen haben soll. Laut dem 69-Jährigen habe er nach einem Streit auf dem Grundstück seines Bruder zu einer Axt gegriffen, die neben einem Holzhaufen lag.
Er habe damit aus Wut zwei Fensterscheiben eingeschlagen, ehe sein Bruder ihm die Axt abnahm. Zu einem Angriff, bei dem er gezielt mit der Axt in Richtung Hals und Schulter seines Bruders gezielt haben soll, sei es nicht gekommen. Im Prozess wird wegen versuchten Totschlags ermittelt.
Streit um Geld
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Grund für den Streit war laut dem Angeklagten Geld, das sein Bruder ihm seit Jahren schulde. Demnach habe er diesem über Jahrzehnte hinweg mehrere Tausend D-Mark und Euro geliehen - insgesamt schulde sein Bruder ihm mittlerweile rund 63.000 Euro. Als der Angeklagte sich ein Haus kaufen wollte und das Geld zurückforderte, sei es mehrfach zu Streitigkeiten gekommen, in die auch der Neffe involviert gewesen sein soll.
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Als Bruder und Neffe mehrfach betont hätten, der Angeklagte würde dies nicht bekommen, habe dieser am Tatabend die Nerven verloren und zur Axt gegriffen. „Das ist eigentlich überhaupt nicht meine Art. Ich bin kein wütender Mensch“, so der Angeklagte. Ein körperlicher Angriff auf seinen Bruder sei aber nie seine Absicht gewesen, betonte der Angeklagte. „Ich weiß nicht, was da mit mir los war.“
Angeklagter spricht vor Gericht über Gewalt in seiner Familie
Auf die Frage des Richters, warum der Angeklagte seinem Bruder immer wieder Geld gegeben hätte, obwohl er es nie zurückbekam, antwortete dieser: „So sind wir nun mal erzogen worden. In einer Familie unterstützt man einander.“
Dann offenbarte der Angeklagte, dass es in den Jahren der Streitigkeiten sogar mal zu einem tätlichen Angriff vonseiten seines Neffen gekommen sein soll. Dieser hätte den Angeklagten mal mit einem Lederriemen verprügelt, weil dieser nicht aufhörte, sein geliehenes Geld von seinem Vater zurückzufordern.
„Und mein Bruder hat dabei zugesehen“, schilderte der Angeklagte. „Da habe ich jahrelang so viel Geld hingegeben und dann behandeln die mich so“, sagte der 69-Jährige mit brüchiger Stimme.
Angeklagter war vier Tage in psychiatrischer Klinik in Debstedt
Was nach dem Streit passierte, daran könne sich der Angeklagte kaum erinnern. So wisse er nicht mehr, dass er nach der Festnahme zunächst zur Polizei und anschließend in eine psychiatrische Klinik nach Debstedt gebracht wurde. Aufnahmen aus Bodycams von Polizisten während der Festnahme, die am zweiten Prozesstag gezeigt wurden, zeigten den Angeklagten beinahe regungslos, schwer atmend und mit geschlossenen Augen. Auf die Ansprache der Polizisten reagierte er nicht.
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Erst am nächsten Tag habe er von den Mitarbeitern erfahren, was er getan haben soll. Nach einem viertägigen Aufenthalt in der Klinik durfte er wieder nach Hause. Ein psychiatrisches Gutachten soll nun klären, inwieweit der Angeklagte handlungsfähig war.
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Am dritten Prozesstag traf die Familie erstmals seit einer Vernehmung am Amtsgericht wieder aufeinander. Sowohl der Bruder des Angeklagten als auch sein Neffe wurden in den Zeugenstand gerufen. Beide verweigerten die Aussage, erlaubten jedoch, dass die Angaben, die sie damals bei der Polizei gemacht hatten, verwendet werden dürfen.
Dies hat zur Folge, dass im weiteren Verlauf des Prozesses eine Ermittlungsrichterin vernommen werden muss. Da bisher nur zwei weitere Prozesstage angesetzt waren und das psychiatrische Gutachten ebenfalls noch aussteht, wurde die Verhandlung um zwei weitere Prozesstage im Juni und Juli ergänzt. Der Prozess wird vermutlich in der kommenden Woche fortgesetzt, spätestens jedoch Ende Juni.
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