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Klappbrücke

T800 Prozent zu viel Last: Das steckt hinter dem Baustopp in Dornbusch

Die Klappbrücke Dornbusch beschäftigt weiter Gutachter und Politik.

Die Klappbrücke Dornbusch beschäftigt weiter Gutachter und Politik. Foto: Knappe

Weil die Süderelbe Gezeiten hat, kann man direkt am Wasser schlecht bauen. Ein Kran soll das Problem lösen, auf die Gemeinde Drochtersen wartet da aber die nächste Herausforderung.

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Von Lars Wertgen
Dienstag, 12.05.2026, 14:00 Uhr

Dornbusch. Die Klappbrücke zwischen Dornbusch und Krautsand hätte längst in einer Werkshalle in Ostfriesland stehen sollen. Stattdessen steht sie noch immer an Ort und Stelle. Der Grund liegt buchstäblich unter der Erde: Der Boden neben dem Bauwerk kann keinen Schwerkran tragen.

Die gewählte Methode setzt aber zwingend auf einen Kran - denn direkt an der tidebeeinflussten Süderelbe lassen sich arbeitsschutzrechtlich kaum sichere Bedingungen schaffen, so das Bauamt.

Daher soll der Stahlbau abgebaut, auf einem Lkw nach Ihlow-Riepe im Kreis Aurich transportiert, in einer Werkshalle überholt und zurückgebracht werden.

Widersprüchliche Gutachten, monatelanger Stillstand

Bereits zu Projektbeginn gab es jedoch Verwirrung: Der örtliche Krandienstleister bestätigte offenbar gegenüber der Gemeinde zunächst die Eignung des Kranstellplatzes, erklärte gegenüber dem Auftragnehmer Wurpts Maschinen- und Stahlwasserbau aber, dort keinen Kran aufstellen zu wollen.

Ein Bodengutachten löste weitere Diskrepanzen aus: Ein vorhandenes Gutachten aus den 1980er Jahren sei „schlüssig, nachvollziehbar und konsistent“, so die von der Gemeinde beauftragten Bauingenieure.

Ein neues Gutachten von Geoservice Schaffert sollte die bestehenden Annahmen überprüfen. Dieses kam jedoch zu deutlich günstigeren Ergebnissen. Demnach sei eine sogenannte Flachgründung möglich - das Aufstellen des Krans direkt auf dem vorhandenen Untergrund.

Diese Einschätzung beruhe auf der Annahme einer fortgeschrittenen Bodenverfestigung. Für diese liege aber kein belastbarer Nachweis vor, bemängeln die Bauingenieure.

Deutlich über zulässigen Werten

Das Gutachten löste bei Wurpts erhebliche Bedenken aus, weshalb das Unternehmen einen eigenen Bodengutachter heranzog. „Das Ergebnis war eindeutig: Ohne eine Tiefgründung besteht keine realistische Möglichkeit, einen Kran sicher aufzustellen“, so die Bauingenieure. Die Belastung der ursprünglich vorgeschlagenen Gründung liege bei über 800 Prozent des zulässigen Wertes.

Neue Lösung: eine feste Kranstellfläche

„Im Ergebnis dieses intensiven Prüf- und Abstimmungsprozesses wurde festgestellt, dass für die sichere Durchführung der Maßnahme die Herstellung einer tiefgegründeten und dauerhaft tragfähigen Kranaufstellfläche zwingend erforderlich ist“, teilt die Gemeinde mit. Eine Tiefgründung bedeutet, dass Fundamente bis in tiefere, tragfähige Bodenschichten eingebracht werden.

Diese Fläche war nicht Teil der ursprünglichen Planung. „Sie ist aber die einzige technisch belastbare Lösung“, so die Gemeinde, die langfristig einen Mehrwert sieht. Die sogenannte Revisionsfläche könne unter anderem für Wartungsarbeiten genutzt werden.

Mehrkosten von rund 195.000 Euro

Die Herstellung einschließlich Tiefgründung schlägt mit rund 342.000 Euro zu Buche. Durch Einsparungen konnte ein Teil ausgeglichen werden. Der verbleibende Mehrbedarf liegt bei knapp 195.000 Euro.

Der Ausschuss für Bau und Verkehr empfiehlt, diesen Betrag zuzüglich eines Puffers von 20.000 Euro als überplanmäßige Ausgabe freizugeben.

Zur Gegenfinanzierung sollen Mittel aus dem Projekt „Sanierung der Brücke Johann-Grodtmann-Straße“ umgewidmet werden. Zusätzlich konnte die Gemeinde aus der Leader-Region Kehdingen-Oste weitere 15.000 Euro beschaffen. Eine Anfrage beim Förderfonds Hamburg-Niedersachsen auf Aufstockung der bisherigen 350.000 Euro blieb erfolglos.

Insgesamt liegt die Kostensteigerung bei rund zehn Prozent gegenüber dem ursprünglichen Auftragswert von gut 1,71 Millionen Euro.

Der Baubeginn war ursprünglich für Ende Februar oder Anfang März 2026 geplant, im Mai sollte die Brücke fertig sein.

Wann die Arbeiten beginnen können, liegt nun an der Politik. Der Ausschuss für Bau und Verkehr trifft sich am 12. Mai um 18 Uhr im Drochterser Ratssaal. Läuft alles nach Plan, könnte ein Baubeginn Anfang Juni realistisch sein.

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