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Mittel vom Bund

TAbwracken statt Krabbenfang: Fischer wollen ihre Kutter aufgeben

Krabben direkt vom Kutter? Sie werden immer mehr zur Delikatesse.

Krabben direkt vom Kutter? Sie werden immer mehr zur Delikatesse. Foto: dpa

Die Krabbenfischerei verliert immer mehr an Fahrt. Für ein Abwrackprogramm liegen auch Anträge aus regionalen Sielhäfen im Landkreis Cuxhaven vor. Die Fischer wollen ihre Kutter aufgeben. Es wird eine Rangfolge geben.

Von Ursel Kikker Sonntag, 10.05.2026, 08:05 Uhr

Landkreis Cuxhaven. Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ leistet gerade ganze Arbeit. In der „Nasses Land“-Produktion erzählt sie derzeit von Sielhäfen und den düsteren Zukunftsperspektiven der Krabbenfischer. Manchen Zuschauern wird erst jetzt klar, dass deren bunte Schiffe aus den kleinen Sielhäfen an der Nordseeküste mehr und mehr verschwinden. Vielleicht endgültig.

Eine Abwrackprämie soll die Fangflotte um 30 Prozent verkleinern und Fischern den Ausstieg erleichtern. Sie haben früher ihre Kutter häufig als eine Art Altersvorsorge genutzt, doch mittlerweile lassen sich die Schiffe nur noch schwer verkaufen.

20 Millionen Euro stellt der Bund zur Verfügung. Das reicht vermutlich nicht. Dreiviertel des Geldes sollen in die Krabbenfischerei fließen, ein Viertel für das Abwracken von Plattfischfängern.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wickelt das Programm ab. Seit Dezember 2025 bis Ende März 2026 sind dort 48 Anträge eingegangen, zeigt eine vorläufige Auswertung. „Davon stammen vier Anträge aus der Gemeinde Wurster Nordseeküste sowie drei Anträge aus dem Landkreis Wesermarsch“, teilt eine Sprecherin mit. Von Spieka-Neufeld, Dorum und Wremen fahren noch Krabbenkutter zum Fang raus, auch von Bremerhaven, Brake und Butjadingen.

Die nächsten Schritte bis zum Abwracken

Wie geht es weiter? Die Anträge werden nun individuell geprüft. Weil das Programm überzeichnet ist, wird von der BLE eine Rangfolge aufgestellt, welche Fischer gefördert werden und wer auf eine nächste Förderrunde hoffen muss.

Für die Krabbenfischer bedeutet das: Für die Bildung einer Rangfolge wird die Summe aus dem Fahrzeugalter und der Hälfte des Eigneralters gebildet. Die höhere Summe landet weiter vorn, hat also größere Chancen, berücksichtigt zu werden. Mit anderen Worten: Vor allem alte Fischereifahrzeuge sollen aus der Flotte genommen werden - mit Eignern höheren Semesters.

Im Fall der Plattfischfischerei wird eine Rangfolge auf Grundlage des Fahrzeugalters gebildet: Ältere Fahrzeuge haben beim Abwracken Vorrang vor jüngeren.

Die Krabbenfischerei in Norddeutschland steht vor vielen Herausforderungen. Um die wichtigsten aufzuzählen: Viele Kutter sind zu alt, ihr Betrieb verursacht hohe Kosten, emissionsfreie Antriebe fehlen, Eigner, die das Rentenalter erreicht haben, finden keinen Nachwuchs, Fanggebiete fallen weg, und die EU will die Grundschleppnetz-Fischerei bis 2030 verbieten. Das Krabbenaufkommen schwankt stark, die Klimaerwärmung verändert die Artengemeinschaft in der Nordsee.

In dem Abwrackprogramm sind insgesamt drei Förderrunden vorgesehen. Die erste Runde mit Abwrackhilfen von zwölf Millionen Euro ist nun geschlossen. Die BLE rechnet damit, dass die ersten Krabbenkutter und Plattfischfänger noch in diesem Jahr stillgelegt werden.

Neue Einnahmequellen und die Zukunft der Sielhäfen

Einige Fischer haben sich neue Nischen gesucht und bieten beispielsweise Touristenfahrten oder Seebestattungen an. Für Touristen sind die Kutter eine Attraktion. In Ostfriesland hat deshalb in der Vergangenheit ein Kurverein Krabbenkutter gekauft: unter anderem um das traditionelle Ortsbild zu erhalten.

An der Wurster Nordseeküste ist langsam eine öffentliche Diskussion in Gang gekommen. Darin geht es auch um die Zukunft der Sielhäfen.

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