T„Abzocke“: Reaktionen aus dem Kreis Stade auf steigende Spritpreise
Kritischer Blick: Beim Tanken muss Ursula Köpke heute deutlich mehr zahlen als noch vor einer Woche. Foto: Stehr
Die Spritpreise steigen seit Ausbruch des Iran-Kriegs rasant an. Was sagen die Menschen an der Zapfsäule dazu? Das TAGEBLATT hat sich bei Völksen in Hedendorf umgehört.
Buxtehude. Die Spritpreise an den Tankstellen sind seit dem Kriegsausbruch im Iran vielerorts schon deutlich über die 2-Euro-Marke gestiegen. An der Tankstelle Völksen in Hedendorf konnten Kunden am Donnerstagmittag noch Diesel für 1,93 Euro tanken. Super E5 kostete 1,91 Euro pro Liter. Vor wenigen Tagen lag der Dieselpreis hier noch stabil unter 1,70 Euro, ein Liter Super-E5 kostete weniger als 1,80 Euro.
„Der Preisanstieg ist Geldschneiderei“
„Ich befürchte, dass die Preise noch weiter steigen, bestimmt um zehn Prozent“, sagt Wolfgang Höft und tankt deswegen noch mal schnell voll. Vorher hat der Stader die Spritpreise online gecheckt und festgestellt, dass Völksen die günstigste Tankstelle in der Region ist.

„Grottenschlecht“ findet Wolfgang Höft die aktuellen Spritpreise. Foto: Stehr
Den schlagartigen Preisanstieg hält er für Geldschneiderei. „Die Öllager sind doch noch voll mit günstiger eingekauftem Öl“, sagt er. Das werde jetzt teuer weiterverkauft. „Und erst, wenn die Konzerne wieder günstiger einkaufen können, sinken die Preise für die Verbraucher wieder“, so Wolfgang Höft.

„Das ist reine Abzocke“, sagt Gerd Mennenga. Foto: Stehr
Von reiner Abzocke spricht auch Gerd Mennenga. Er betreibt einen Natursteinhandel in Aurich und tankt seinen Lkw bei Völksen heute extra nicht ganz voll. „Zu Hause habe ich noch einen 1000-Liter-Tank, den brauche ich erst mal auf“, sagt er. Den Anstieg der Spritpreise in Deutschland hält er für ungerechtfertigt. In Nachbarländern sei der Sprit ja auch noch günstiger.
„In anderen EU-Ländern läuft es doch auch anders“
Frank Hammann sieht das ähnlich. Er führt ein Transportunternehmen und macht für eine kurze Kaffeepause mit seinem Lkw bei Völksen halt. Dass die Spritpreise von Tankstelle zu Tankstelle teilweise um bis zu 20 Cent variieren, ärgert ihn.
„In anderen EU-Ländern läuft es anders. Aber bei uns gehen die Preise sofort nach oben, wenn einmal die Säbel rasseln“, sagt er. Pro Tag brauche er 150 bis 180 Liter Diesel und hat die Preise deswegen genau im Blick. Er tanke grundsätzlich nur spätabends, weil es dann immer am günstigsten sei.
Preise und Konjunktur
Was der Krieg für Verbraucher und Wirtschaft bedeutet
Etwas entspannter sieht es Ursula Köpke aus Buxtehude. Sie und ihr Mann tanken beide Autos voll und wollen gleich noch in die Waschanlage. „Wir fahren nicht mehr viel, zuletzt haben wir vor Weihnachten getankt. Wir müssen nicht mehr so genau auf die Preise achten“, sagt die Rentnerin.

Weil der Sprit in ihrem Heimatort Drochtersen teurer war, kam Heike Mahler zum Tanken nach Hedendorf. Foto: Stehr
Heike Mahler achtet dagegen sehr genau darauf, wie tief sie an der Zapfsäule in die Tasche greifen muss und checkt deshalb vor jedem Tanken ihre App. Weil der Sprit in ihrem Heimatort Drochtersen über 2 Euro kostete, nutzte sie am Donnerstag die Gelegenheit zum Tanken in Hedendorf auf dem Weg zu einem Termin. „Ich hatte zwar noch Benzin im Tank, habe aber für 40 Euro vollgetankt. Jetzt komme ich erst mal wieder 600 Kilometer weit“, sagt sie.
Verbraucher
Reiche lässt hohe Spritpreise überprüfen
Für knapp 80 Euro hat Cynthia Bruns aus Hedendorf ihr kleines Auto mit Kraftstoff versorgt. Vorher hat sie per App gecheckt, wo der Sprit am günstigsten ist. „Alles wird teurer, aber ich werde trotzdem weiter Auto fahren“, sagt sie.
„Wir versuchen, die Preise stabil zu halten“
Besonders am Montag und Dienstag sei an der Tankstelle die Hölle los gewesen, sagt Anna Völksen. „Viele Kunden befürchten weitere Preisanstiege und haben schnell noch mal vollgetankt. Es wird viel gemeckert, aber unsere Kunden sehen auch, dass wir versuchen, die Preise stabil zu halten.“

„Wir versuchen, die Preise für unsere Kunden stabil zu halten“, sagt Anna Völksen von der gleichnamigen Tankstelle in Hedendorf. Foto: Stehr
Anstiege seien dennoch unvermeidlich, weil auch die Freie Tankstelle Völksen bei großen Konzernen kaufe. Die hätten die Situation womöglich ausgenutzt. „Unsere Margen sind tendenziell gesunken, wir haben eher Nachteile“, sagt Anna Völksen.
Bei Völksen können die Kunden auf Rechnung tanken und müssen den Sprit erst im Folgemonat bezahlen. Bei gleichbleibendem Literumsatz sei nun der Betrag höher, den die Tankstelle als Kredit gewähre.
Empfehlungen kann Anna Völksen nicht geben: „Wie sich die Spritpreise in den kommenden Tagen entwickeln, können wir nicht vorhersagen.“
„Der Staat verdient unangemessen“
Die Raisa eG aus Stade, die im Elbe-Weser-Raum 39 Tankstellen betreibt, kritisiert den Staat im Hinblick auf hohe Spritpreise. Der verdiene unangemessen an den Verbraucherinnen und Verbrauchern und gefährde durch die Energiebesteuerung den Wirtschaftsstandort Deutschland und viele Arbeitsplätze. Das teilen Axel Lohse, Vorstand der Raisa eG, und Heiko Steffens, Abteilungsleiter Energie Raisa eG, in einer gemeinsamen Erklärung mit.
Ausgehend von 1,96 Euro pro Liter, die der Kunde zahlen muss, erhalte der Staat durch Steuern ohne jede eigene Leistung davon 1,12 Euro. Vor dem aktuellen Hintergrund gebühre allen Unternehmen in der Lieferkette Dank dafür, dass überall und jederzeit ausreichend Kraftstoff zur Verfügung stehe.
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