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Leiden unter Körpergewicht

TAdipositas-OP: Hier verliert eine ehemalige 200-Kilo-Frau ihr Fett

Bei der ersten Fettabsaugung an Tina Kuschels Beinen wurden rund acht Liter entnommen, in den Packungen befindet sich eine Mischung aus Fett und Blut – mindestens zwei weitere Eingriffe sind bisher geplant.

Bei der ersten Fettabsaugung an Tina Kuschels Beinen wurden rund acht Liter entnommen, in den Packungen befindet sich eine Mischung aus Fett und Blut – mindestens zwei weitere Eingriffe sind bisher geplant. Foto: Diakonieklinikum/Kreiszeitung

Eine erste Diät wirkte: Doch Frauen wie Tina Kuschel kämpfen nicht nur mit überflüssigen Kilos, sondern auch mit überschüssiger Haut. Im Diakonieklinikum Rotenburg bietet Dr. Dohse Hilfe.

Von Lea Borner Mittwoch, 02.04.2025, 08:50 Uhr

Rotenburg. Wer an Adipositas leidet und deutlich zu viele Kilos auf die Waage bringt, hat verschiedene Optionen. Doch egal, ob das Gewicht durch erfolgreiche Diät oder eine bariatrische Operation, wie einer Magenverkleinerung, reduziert wird, es bleibt überschüssige Haut zurück. Dr. Nils-Kristian Dohse, Chefarzt der Plastischen Chirurgie am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, nimmt Eingriffe vor, um diese überschüssige Haut zu entfernen.

„Adipositas-Patienten können durch einen Lebenswandel und eine Ernährungsumstellung einen Gewichtsverlust von bis zu 40 Kilogramm erreichen.“ Wer solche Schritte wage, vollende diese häufig mit einer Straffung und Fettabsaugungen. Seit einem Jahr gibt es das Adipositaszentrum im Diako, geleitet von Dr. Daniel Matz. In der Abteilung für Plastische Chirurgie finden 65 bis 70 Prozent der Straffungen bei Adipositas-Patienten statt, das sind circa 120 Operationen im Jahr. Gestrafft werden meist Brust, Bauch, Beine, Oberarme und das Gesäß, erläutert der Mediziner. „Straffungen bei Adipositas-Patienten sind hier in der letzten Zeit stark angestiegen“, sagt der Chirurg.

Hartnäckiges Fett und viel Haut

Tina Kuschel aus der Samtgemeinde Sittensen kam genau aus diesem Grund zu ihm. Nach einer Magenverkleinerung und Diät hatte sie zwar 90 Kilo abgenommen, trotzdem wog sie noch rund 130 Kilo und fühlte sich noch nicht wohl. Das hartnäckige Fett ging einfach nicht weiter zurück und unter anderem im Bauchbereich war nun viel Haut übrig. „Trotz des Gewichtsverlusts fühlen sich Patienten oft noch nicht gesund, wegen der überschüssigen Haut“, erläutert auch Dr. Dohse.

Dr. Nils-Kristian Dohse ist Chirurg am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg und hat Tina Kuschel bei ihrer Fettabsaugung operiert.

Dr. Nils-Kristian Dohse ist Chirurg am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg und hat Tina Kuschel bei ihrer Fettabsaugung operiert. Foto: Borner/Kreiszeitung

Deshalb hat er bei Kuschel, wie bei vielen Adipositas-Patienten, eine Bauchdeckenplastik durchgeführt. Dabei wird die überschüssige Haut im Bauchbereich entfernt, zehn Kilo wurden bei ihr weggeschnitten. Er habe aber auch schon Fälle behandelt, bei denen über 30 Kilogramm entfernt wurden. „Das kann natürlich starke Auswirkungen auf den Kreislauf haben“, betont der Chefarzt. In vielen Fällen bleibe es bei diesem einen Eingriff. Bei Tina Kuschel leider nicht. In ihrem speziellen Fall sei viel Fett übrig, weil sie an einer Fettverteilungsstörung (Lipohypertrophie) leidet. Deshalb ging es bei ihr mit einer Fettabsaugung an ihren Beinen weiter.

Eine Belastung für den Körper

„Eine Fettabsaugung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Auch wenn es sich hierbei um eine schonende Technik handelt, bei der Blut- und Lymphgefäße sowie Nerven nicht beschädigt werden“, warnt der Chefarzt. Bis zu acht Prozent des Körpergewichts an reinem Fett können abgesaugt werden. Das sind maximal acht bis zehn Liter. Die Narben, die zurückbleiben, seien zwar an unauffälligen Stellen und 0,5 Zentimeter klein, trotzdem sei so ein Gewichtsverlust erst mal eine Belastung für den Körper. Die Straffung hinterlässt laut Dohse auffälligere Narben, die jedoch zum Beispiel an der Schenkelinnenseite „versteckt“ werden. Jedes Mal schätzt er aufs Neue ein, welches OP-Ausmaß er seinem Patienten zumuten kann.

Weiterhin erklärt er: „In manchen Fällen ist es sinnvoll, erst einige Fettabsaugungen durchzuführen und dann die Haut zu straffen. Eine sofortige Straffung erreicht entweder nicht den maximalen Effekt oder kann bei radikaler Durchführung die Durchblutung der Haut stark gefährden.“ Auch für Kuschel bedeutet das, dass sie sich noch weiteren Fettabsaugungen unterziehen muss, bis ihr Chirurg die Straffung durchführen kann. Wie vielen genau, das könne er noch nicht mit Sicherheit sagen, aktuell rechnet er mit zwei weiteren. Normalerweise folgt nach sechs bis acht Wochen die nächste Fettabsaugung, da Kuschels Fall jedoch speziell ist, will der Arzt gemeinsam mit seiner Patientin abwarten und den Termin vielleicht nach hinten verschieben. Erst müssen sich Kuschel und ihr Körper erholen.

Krankenkasse bezahlt nicht immer den Eingriff

Diese Eingriffe werden bei Kuschel von der Krankenkasse übernommen. Werden weitere notwendig, muss sie diese neu beantragen. Hierzu werden ärztliche Atteste erstellt, da nachgewiesen werden muss, dass es durch die überschüssige Haut zu therapiebedürftigen Hautreizungen und Entzündungen kommt. Nicht immer genehmige die Krankenkasse die Absaugung, eine Eigenfinanzierung sei natürlich auch möglich. „Es ist manchmal schade, wenn Patienten so viel Initiative für ihre Gesundheit gezeigt haben und ihnen dieser abschließende Schritt dann verwehrt bleibt“, findet der Arzt. Eine Fettabsaugung kostet nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische-Plastische Chirurgie zwischen 1.000 und 10.000 Euro, findet sie aus rein ästhetischen Gründen statt, sei sie teurer.

Von einer Fettabsaugung oder Straffung im Ausland rät Chefarzt Dr. Dohse allerdings ab, da eine konsequente Nachsorge dabei selten gegeben sei. Sein Rat: „Am besten lässt man alle Operationen im gleichen Krankenhaus beziehungsweise der gleichen Praxis machen. Und es sollte auch in der Nähe des Wohnorts sein, was die Qualität der Nachbetreuung deutlich verbessert.“ (rk)

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