TÄrzte protestieren heute gegen Gesundheitsreform – auch im Kreis Stade
Der niedergelassene Kardiologe und Sportmediziner ist Bezirksausschuss-Vorsitzender der Bezirksstelle Stade der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Foto: Wisser
Die Gesundheitsreform sorgt für Aufruhr: Ärzte streiken, um gegen Honorarkürzungen und längere Wartezeiten zu protestieren. So sind die Auswirkungen für Patienten im Landkreis Stade.
Landkreis. Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte lehnen die geplante Gesundheitsreform entschieden ab. Deshalb wollen sie am Mittwoch, 10. Juni, unter dem Motto „Kahlschlag der ambulanten Versorgung stoppen“ bundesweit streiken. Mehrere Berufsverbände rufen wegen der Reformpläne zu diesem Protest auf. Was bedeutet das für die Patienten?
Praxenstreik: Notfallversorgung ist sichergestellt
„Das wird am Mittwoch Auswirkungen auf die ambulante Versorgung haben“, sagt Dr. Stephan Brune. Der niedergelassene Kardiologe und Sportmediziner ist Bezirksausschuss-Vorsitzender der Bezirksstelle Stade der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Er vertritt knapp 1000 Ärzte zwischen Hamburg und Bremerhaven.
Alle Praxen sind verpflichtet, eine Notfallversorgung für die Patienten aufrechtzuhalten. Patienten müssen sich also nicht sorgen, dass sie vor verschlossenen Türen stehen. Brune geht davon aus, dass weniger Termine für den Mittwoch vergeben worden sind. Seine eigene Praxis in Stade bleibt geöffnet. „Das geht nur zulasten unserer Patienten“, sagt Brune.
Müssen Patienten bald 50 Tage und länger auf einen Arzttermin warten?
Inhaltlich teilt Brune die bundesweite Kritik an den Reformplänen voll und ganz. Die Kassenärzte fürchten starke Einschnitte bei Honoraren und Facharztterminen. „Eine Folge der Reform wird sein, dass die Wartezeiten auf Facharzttermine deutlich länger werden“, sagt Brune.
Übernehme die Politik die Vorschläge unverändert, „dann müssen sich die Patienten darauf einstellen, schon bald 50 Tage und mehr auf einen Facharzttermin zu warten“, sagt auch Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
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Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse zeigt die aktuellen Terminprobleme in Niedersachsen: 57 Prozent der Befragten warten schon jetzt länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin, 38 Prozent sogar mehrere Monate. Einen Hausarzttermin bekommen die meisten schneller: 71 Prozent erhalten ihn innerhalb weniger Tage, 15 Prozent warten bis zu zwei Wochen.
„Besonders die Praxen und die Patienten im ländlichen Raum sind betroffen“, sagt Brune. Hier gebe es ohnehin in bestimmten Bereichen eine ärztliche Unterversorgung. Er bedauere, dass gut versorgte, städtische und die ländlichen Räume nicht differenziert betrachtet werden.
Deshalb lohnt sich die Mehrarbeit der Ärzte nicht
Im Kern der Debatte stehen die Zuschläge für Termine, die über Terminservicestellen oder Hausärzte vermittelt werden. Fielen diese Zuschläge weg, böten Praxen nur noch bezahlte Termine an, argumentieren die Kassenärzte. Jeder elfte Termin könnte dann entfallen. Facharztpraxen unterliegen einer Budgetierung.
Die abrechenbaren Leistungen sind begrenzt. Überschreitet eine Praxis ihr Budget, drohen Honorarkürzungen oder nur anteilige Auszahlungen. Zusätzliche Patienten lösen in der Praxis Kosten aus, die der Arzt aus eigener Tasche finanzieren muss.
Brune sieht das größte Sparpotenzial bei den Krankenhäusern. „Die ambulante Versorgung durch niedergelassene Ärzte ist die günstigste Variante, die Patienten zu versorgen.“ Seine Argumente stützt er mit Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): 97 Prozent der ambulanten Behandlungsfälle werden mit nur 16 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen finanziert.
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