TAfD-Landratskandidat in Stade: Wer ist Werner Jacobs?
Ein unbekannter AfD-Kandidat tritt überraschend gegen den favorisierten Landrat Kai Seefried an - wer ist Werner Jacobs und was sind seine politischen Ziele?
Landkreis. Werner Jacobs war selbst AfD-Mitgliedern unbekannt, bis seine Partei kurz vor Fristende seine Kandidatur ankündigte. Am 13. September tritt Jacobs bei der Landratswahl an. Er hatte nie ein politisches Amt und trat erst letztes Jahr der AfD bei. Es gab auch keine auffindbaren Aktivitäten in den sozialen Medien.
Wer ist dieser Mann, der gegen den amtierenden Landrat Kai Seefried (CDU, 48) antritt? Seefried gilt als Favorit, unterstützt von CDU, Freier Wählergemeinschaft und FDP.
Landesweit liegt die AfD in Niedersachsen bei 20 Prozent. Werner Jacobs ist 61, lebt in Brest und geht nächstes Jahr in den Ruhestand. Er wuchs in Buxtehude auf und ist Tischlergeselle sowie Maurer- und Betonbaumeister. Warum AfD? „Ich habe die AfD oft gewählt“, sagt er. Früher verfolgte er eine andere politische Richtung.
Was der Verfassungsschutz sagt, interessiert Jacobs nicht
Nach den Hartz-Reformen unter SPD-Kanzler Schröder wählte er lange nicht mehr. „Ich fand keine andere Partei, die demokratisch arbeitet“, erklärt er seine Wahl. Andere Parteien behaupteten, demokratisch zu sein, doch das entspreche nicht seiner Vorstellung von Demokratie. Eine Gesetzesänderung der rot-grünen Landesregierung, die die Möglichkeit eröffnete, AfD-Kandidaten das passive Wahlrecht zu entziehen, bestärkt ihn in dieser Sicht.
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Dass der Verfassungsschutz die AfD als rechtsextremistisch einstuft, interessiert Jacobs nicht. Die ständigen Warnungen des Verfassungsschutzes beeindruckten die Leute nicht mehr. Er fühlt sich dem Grundgesetz verpflichtet.
„Ich habe mich immer über Missstände aufgeregt. Irgendwann sagte meine Frau: Hör auf zu meckern, mach was“, beschreibt Jacobs seinen Antrieb. Er steht für die veränderte Lage der AfD. Vor fünf Jahren fand die Partei kaum Kandidaten, die sich öffentlich bekennen wollten. Diesmal gibt es mehr als 100 Kandidaturen. Jacobs lebt das AfD-Bekenntnis offen aus. Vor seinem Haus steht ein großes Plakat, im Garten weht die AfD-Fahne über der Deutschland-Fahne. In drei Jahren hat sich der Mitgliederbestand verdreifacht. Jetzt sind es 375. Zum Vergleich: Die Grünen im Landkreis Stade haben 380 Mitglieder. CDU (1000) und SPD (700) führen die Statistik an.
Jacobs schimpft auf den Landrat und die Parteien
Auf die Frage, warum er sich den Job des Landrats zutraut, reagiert Jacobs so: „Sonst hätte ich mich doch gar nicht aufstellen lassen.“ Auf die Nachfrage, dass der Landrat eine Verwaltung mit 1066 Beschäftigten leite, sagt der AfD-Bewerber: „Wenn ich sehe, was daraus gemacht wird, frage ich mich, warum man sich nicht aufstellen sollte.“ Er habe sich sein Leben lang weitergebildet. Als neuer Landrat bringe er den Blick von außen mit.

Werner Jacobs und der AfD-Sprecher Helmut Wiegers (links). Foto: Wisser
In seinen Videos für die Kommunalwahl schimpft Jacobs auf den Landrat und „die Politik“. Diese Clips produziert er selbst, im Gegensatz zur restlichen AfD-Kommunikation, die der Kreisvorstand strikt kontrolliert.
Der Kandidat will das Bildungsbüro abschaffen
Einige inhaltliche Punkte: Jacobs will den Personalzuwachs bei der Kreisverwaltung stoppen und kritisiert die vorzeitige Verlängerung der Verträge des Ersten Kreisrats Thorsten Heinze und der Kreisbaurätin Madeleine Pönitz. „Das hätte der neue Kreistag entscheiden sollen“, sagt er. Das Bildungsbüro des Landkreises hält er für überflüssig. Jacobs kritisiert die Vergabe von Bauanträgen, da er selbst schlechte Erfahrungen gemacht hat. Er fordert, dass das Ordnungsamt weniger Geschwindigkeitsverstöße kontrolliert und Präsenz auf der Straße zeigt.
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Die Zukunft der Elbe Kliniken Stade-Buxtehude ist für ihn ein wichtiges Thema. Eine klare Meinung dazu könne er erst abgeben, wenn er den internen Einblick habe. Derzeit sind die Elbe Kliniken kommunal, gehören zu 100 Prozent dem Landkreis Stade.
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„Kai Seefried ist nicht mein Feind, er ist mein politischer Gegner“, sagt Werner Jacobs. Am Wahlsonntag will er ins Kreishaus kommen und entweder Seefried zum Sieg gratulieren oder selbst die Glückwünsche als Sieger entgegennehmen.
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