TAktionstag fürs Handwerk: Wie Viebrockhaus um Nachwuchs wirbt
Matthias Steffen von der Handwerkskammer, Viebrockhaus-Personalvorständin Kerstin Gerß und die beiden Chefs des Familienunternehmens, Dirk und Lars Viebrock (von links) versuchten, 200 Schüler vom Handwerk zu begeistern. Foto: Fehlbus
Arbeit gibt es genug, Handwerker zu wenige. Bei einem Aktionstag bei Viebrockhaus schnupperten 200 junge Menschen in diesen Wirtschaftszweig. Sie hatten konkrete Fragen.
Harsefeld. Sie kommen mit dem E-Roller, mit Bussen und zu Fuß vom nahe gelegenen Bahnhof: Auffallend viele junge Menschen sind an diesem Tag in Harsefeld unterwegs. Ihr Ziel: das Bauunternehmen Viebrockhaus in Weißenfelde. Dort erwartet sie der Hausbauhelden-Aktionstag. Dieser richtet sich gezielt an Acht- und Neuntklässler, für die schon bald der Schritt in die Berufswelt ansteht. Die Oberschulen aus Stade, Apensen, Harsefeld und Fredenbeck sind mit Lehrkräften und ganzen Klassen vor Ort.
Handwerkslehre als Plan A für das Berufsleben
Zur Eröffnung spricht Unternehmenschef Dirk Viebrock die jungen Leute direkt an, verbunden mit einer persönlichen Geschichte. Er habe nach der Schule zuerst eine Maurerlehre absolviert. „Ich habe dort gelernt, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er.
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Nach der Lehre habe er noch Abitur gemacht und studiert. Aber das gute Gefühl, selbst etwas erschaffen zu haben, das habe er zum ersten Mal in der Lehre, an der Seite von Kollegen, gehabt. „Eine Handwerksausbildung ist kein Plan B, es ist ein Plan A, weil ihr später etwas daraus machen könnt“, sagt Dirk Viebrock.
Karrierechancen und Innovationspreise
Auch bei Viebrockhaus selbst gebe es vielfältige Karrierechancen, unterstreicht Personalvorständin Kerstin Gerß. Und wer gute Ideen hat und kreativ ist, könne Preise damit gewinnen. Die hauseigene Innovationsabteilung prüfe regelmäßig Vorschläge von Mitarbeitenden auf ihre Praxistauglichkeit. Führen diese zu echten Vorteilen am Bau, werden sie umgesetzt. „Hier denkt jeder mit“, sagt Gerß. Die jeweils besten Innovationen werden zudem hausintern prämiert.
Sieben Stationen: Wann muss ein Handwerker aufstehen?
Die Frage, die sich Kerstin Gerß und ihr Team vor der Messe gestellt haben, lautet: Wie begeistert man junge Menschen für das Handwerk und welche beruflichen Perspektiven bietet der Hausbau? Sieben Stationen sind vorbereitet.
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Für die Schülerinnen und Schüler zählen bei der Erkundungsrunde klare Fakten rund um den Beruf: Was verdiene ich im ersten Ausbildungsjahr? Wie komme ich zur Baustelle oder zu den Ausbildungsangeboten? Wann muss ich anfangen und wann kann ich nach einem Arbeitstag wieder zu Hause sein?
Für sie gibt es detaillierte Antworten aus erster Hand. Immer ein junger Mitarbeiter, der noch nicht lange die Ausbildung abgeschlossen hat, steht ihnen Rede und Antwort. Um 6 Uhr morgens starten, ja. Aber dann ist auch um 15 Uhr Schluss, ist eine Botschaft, die für sehr interessierte Gesichter sorgt. Auch die angegebenen Gehälter gefallen.
Ergänzung zum berufsorientierten Unterricht
Mauersteine setzen, einen Gabelstapler fahren und dabei ein Kugellabyrinth absolvieren oder Trockenbauwände verschrauben - die Praxisangebote sorgen für hörbar gute Laune auf dem Gelände in Harsefeld. Auch, weil die Lehrkräfte selbst die Arbeit nicht scheuen.

Die Harsefelder Oberschullehrerin Christina Ehlers lobt die Aktion. Foto: Fehlbus
Lehrerin Christina Ehlers von der Oberschule Harsefeld setzt unter Beobachtung einiger Schüler einen Mauerstein. Sie unterrichtet Technik und Wirtschaft. Das Angebot in Harsefeld empfindet sie als gute Ergänzung zum berufsorientierten Unterricht. „Das Wichtigste für die richtige Berufswahl ist, dass sie gern hingehen“, sagt sie.
Das Handwerk hat ein Imageproblem
Auf Freude an der Tätigkeit zielt auch Matthias Steffen, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, ab: „Treffen Sie eine Wahl für eine Tätigkeit, die Ihnen Freude bereitet“, sagt er. Das Handwerk biete den Vorteil, sich vor der Entscheidung darin ausprobieren zu können.
Steffen wirbt für einen aus seiner Sicht sehr zukunftssicheren Wirtschaftszweig: „Die künstliche Intelligenz wird die Arbeit einfacher machen, aber sie wird nicht den einzelnen Handwerker ersetzen.“
Dass neue Technologien im Handwerk längst die Regel und kein Einzelfall sind, verbindet Steffen mit einer kritischen Feststellung: Das Handwerk werde noch vor allem mit Begriffen wie Tradition verbunden. Das Image sei falsch. „Sie können Teil der Familie Handwerk werden, die sich um die Umsetzung der Energiewende kümmert“, sagt er.
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